Mann, gefesselter 

 
 

Symplegma eines gefesselten nackten Mannes

- Johann Heinrich Fuessli, nach Wikipedia

Mann, gefesselter (2)   Das Negligé schwebte auf die ganze Stadt herab, hüllte die vielen Betten, die ihre Fantasie verschlang, mit seiner Duftwolke ein. Quel dommage! Der infantile Riesenmensch lag in seiner ganzen Pracht nutzlos in der heißen Nacht herum. In Fischerhude, ganz nahe bei der großen Stadt, mietete sie sich mit einer Freundin am Wochenende Reitpferde an, wenn sie nicht gerade in die Vahr zu den seltenen Galopprennen ging. Was machte das aus ihrem Leib, wenn sie den eines Pferdes zwischen ihre Schenkel spann! Sie flogen über die Waldwege und über die Koppeln dahin, und ihr Wille war es und ihre Kraft, die den Rotwein unter Kontrolle hielten, der riesige Mann lächelte verständnislos und starrte doch mit einer gewissen Freude in die grüne Dunkelheit. Sein Körper zitterte leicht, doch die Riemen, an die er gefesselt war, gaben ihn nicht frei.

Sie liebkoste ihn und brachte jene Griffe und Gesten an, mit denen man unruhige Babies in den Schlaf streicheln kann, wenn sie, nahe der Gebärstation, brüllen und schreien. Sie dachte, vielleicht brüllt es im Kopf des riesigen Mannes. Dann schloß die Hitze ihr schmelzendes, grinsendes Maul, es war genug, und eine kleine Traurigkeit und eine Leuchtspur von Bedauern zogen über die Krankenschwester hin.

Es war das erste und das einzige Mal, daß man zu dem riesigen Manne zärtlich war.  - Gerd Maximovič, Frankenstein. In: Phantastische Welten, Hg. Franz Rottensteiner. Frankfurt am Main 1984 (Phantastische Bibliothek 137)

 

Mann Fesseln

 

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