yrik    Die sieben Quellen des lyrischen Scharfsinns sind, nach Matteo Peregrini, ‹das Unglaubliche, das Zweideutige, das Gegensätzliche (Täuschende), die dunkle Metapher, die Anspielung, das Scharfsinnige, der Sophismus- Gustav René Hocke, Manierismus in der Literatur. Sprach-Alchimie und esoterische Kombinationskunst. Reinbek bei Hamburg 1969 (rde 82/83, zuerst 1959)

 Lyrik (2)  „Ihre Technik?... ja... Ihre Erfindung!... Sie hängen doch so an Ihrer Erfindung, oder? überall ist da Ihr 'Ich', in Ihrer Erfindung! ... Ihr Trick! ... das immer wiederkehrende 'Ich'! da sind die anderen schon etwas bescheidener!"

„Ach, Oberst! ach, Oberst! ... ich, die Bescheidenheit in Person! mein 'Ich' ist überhaupt nichts Gewagtes! ich stelle es lediglich mit aller Sorgfalt dar!... mit tausend Vorsichtsmaßnahmen! ... ich bedecke es stets vollständig und auf die behutsamste Art und Weise mit Scheiße!"

„Das ist ja reizend! da können Sie wirklich stolz drauf sein! und was nützt Ihnen dann dieses 'Ich'? ... dieses zum Himmel stinkende 'Ich'?"

„Das ist nun mal das Gesetz der Gattung! keine Lyrik ohne 'Ich', Oberst! schreiben Sie das auf, Oberst, ich bitte Sie! ... das Gesetz des Lyrischen!"

„Schönes Gesetz!"

„Das kann man wohl sagen! das 'Ich' kommt einen wahnsinnig teuer! ... das teuerste Werkzeug überhaupt! vor allem wenns lustig ist!... das 'Ich' verschont seinen Träger nicht! ganz besonders bei komischer Lyrik!"

„Warum denn?"

„Notieren Sie sich! notieren Sie sich doch! Sie können das alles später nochmal lesen ... man muß schon etwas mehr als nur ein kleines bißchen tot sein, um wirklich lustig zu sein! das ist es! man muß Sie losgesagt haben."

„Nun hör' sich das einer an! hör' sich das einer an!..."

„Alles schon gehört!"

„Und die anderen? was ist mit den anderen?"

„Die betrügen! ... die tun nur so, als wären sie losgesagt, sind es aber nicht ... oh! absolut nicht! schweinische Genießer oder Gottesanbeterinnen!... pharisäische Profitgeier!"

„Das 'Ich' mit Scheiße bedeckt und 'losgesagt'? ... das ist das Rezept? ... wenn ich Sie recht verstehe? ..."

„Das ist nicht umsonst, Oberst! ... oh nein! ... nicht umsonst! ... daß Sie sich da nicht täuschen: das sieht so aus!... sieht nur so aus! ... was es aber kostet! ... man muß zahlen!..."

„Meinetwegen! aber die Wirkung, wissen Sie ..." „Nur zu, Oberst! nur zu!"

„Ihre ach so kostbare 'Nabelschau als Mittelpunkt der Welt'... Ihr ewiges unerträgliches 'Ich'... geht Ihren Lesern ganz schön auf den Geist!..."    - Louis-Ferdinand Céline. Gespräche mit Professor Y. Hamburg 1986 (Edition Nautilus. Zuerst 1955)

 Lyrik (3) muß exorbitant sein oder garnicht. - Gottfried Benn

 

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