oyalität  Während der amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 1968 rief Henry Kissinger Richard Nixons Beraterstab an. Kissinger war mit Nelson Rockefeller verbandelt gewesen, der sich erfolglos als Präsidentschaftskandidat der Republikaner beworben hatte. Jetzt bot Kissinger dem Lager von Nixon an, mit wertvollen Insider-Informationen zu dienen, die die Friedensverhandlungen für Vietnam betrafen, die damals gerade in Paris stattfanden. Er hatte einen Mann im Verhandlungsteam, der ihn ständig über die jüngsten Entwicklungen informierte. Froh und glücklich nahm Nixons Stab das Angebot an.

Gleichzeitig wandte sich Kissinger jedoch auch an den Kandidaten der Demokraten, Hubert Humphrey, und bot seine Hilfe an. Humphreys Leute baten ihn um Insider-Informationen über Nixon, und Kissinger lieferte sie. »Sehen Sie«, sagte Kissinger zu Humphreys Leuten, »ich hasse Nixon seit Jahren.« In Wahrheit interessierte er sich für keine Seite. Was er wirklich wollte, bekam er: Die Zusage für einen hochrangigen Kabinettposten sowohl von Nixon als auch von Humphrey. Wer immer die Wahl gewinnen würde, Kissingers Karriere war gesichert.

Der Sieger hieß, wie man weiß, Nixon, und pflichtschuldigst trat Kissinger seinen Kabinettposten an. Doch selbst dann war er umsichtig genug, sich nie zu sehr als der Gefolgsmann Nixons zu geben. Als Nixon 1972 wiedergewählt wurde, wurden Männer gefeuert, die viel loyaler gewesen waren als Kissinger. Kissinger war auch der einzige von Nixons hochrangigen Regierungsmitgliedern, der Watergate überlebte und auch noch unter dem nächsten Präsidenten, Gerald Ford, diente. Indem er ein wenig auf Distanz ging, konnte er es sich in turbulenten Zeiten gutgehen lassen. - (macht)

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