Lilith   Er konnte sich nicht satt lesen an der Geschichte des Todesengels: »Lilis war die Mitgeschaffene Adams im Paradiese; aber er war zu scheu und sie zu keusch, und so gestanden sie einander nie ihr Gefühl, und da erschuf ihm der Herr im Drange seines Lebens ein Weib aus seiner Rippe, wie er es sich im Schlafe träumte. Aus Gram über diese Mitgenossin ihrer Liebe, floh Lilis den Adam, und übernahm nach dem Sündenfalle des ersten Menschen das Geschäft eines Todesengels, bedroht die Kinder Edens schon in der Geburt mit Tod, und umlauert sie bis zu dem letzten Augenblicke, wo sie den bittern Tropfen von ihrem Schwert ihnen in den Mund fallen lassen kann. Tod bringt der Tropfen, und Tod bringt das Wasser, in welchem der Todesengel sein Schwert abwäscht.«   - Achim von Arnim, Die Majoratsherren

Lilith (2)

Lilith (3)

Lilith (4)

Lilith (5)  »Denn vor Eva war Lilith« ist in einem hebräischen Text zu lesen. Diese Legende inspirierte den englischen Dichter Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) zu dem Gedicht Eden Bower. Lilith war eine Schlange; sie war Adams erste Frau und schenkte ihm »glittering sons and radiant daughters« (gleißende Söhne und strahlende Töchter). Später schuf Gott Eva; um sich an Adams menschlicher Frau zu rächen, verleitete Lilith sie dazu, von der verbotenen Frucht zu kosten und Kain zu empfangen, Abels Bruder und Mörder. Dies ist die ursprüngliche Form des Mythos, der Rossetti folgte. Im Verlauf des Mittelalters veränderte der Einfluß des Worts layil, das im Hebräischen »Nacht« bedeutet, die Überlieferung. Lilith war nicht länger eine Schlange, sondern sie wurde zu einem Nachtgeist. Manchmal ist sie ein Engel und lenkt die Fortzeugung der Menschen; manchmal ist sie ein Dämon und überfällt jene, die allein schlafen oder einsame Wege wandern. - (bo)

Lilith (6)   Elias ging und unterwegs begegneten ihm Lilith und ihr Anhang. Er sagte zu ihr: ‹Du, deine Unreinheit und dein Anhang gehen mit dir. Was bedeutet das?› Sie: ‹Ich gehe in ein Geburtshaus, dahin und dahin, um einzugeben dem Kind einen Todesschlaf und auszutreten sein Leben und auszuquetschen das Mark seiner Beine und nur lassen das Fleisch beim Körper.› Elias: ‹Du sollst vor Gott gebannt sein und stumm sein wie ein Stein.› Sie: ‹Mein Herr. Du sollst mich freilassen und ich werde fliehen und ich schwöre dir im Namen des Gottes Israels, ich werde von meinem Vorhaben gegen die Mutter und ihr Kind lassen und jedesmal, wenn ich meinen Namen höre oder mehrere, fliehe ich. Und ich werde dir meine Namen nennen. Und jedesmal, wenn man einen Namen sagt, kann ich nicht beschädigen die Mutter. Und dir bin ich bereit zu übergeben unsere Namen und du sollst es übergeben zum Aufhängen an der Hauswand der Mutter. Und alsdann fliehe ich gleich.Und das sind meine Namen: Lilith, Schatt-rinoh, Absta, Amiso, Amitrefo, Kaschasch, Odam, Ick, Poddu, Eilu, Pattrittu, Assihu, Kata, Kali, Bidna, Taltu, Pakuscha.›   - Alfred Döblin, Reise in Polen. München 1987 (zuerst 1925)
 
 

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