limazone Eifersucht scheint mir in heißen Ländern, die Freiheit in kalten Zonen notwendig. Ein physischer Grund dafür ist folgender:

Es ist sicher, daß die Frauen in heißen Ländern mit acht, zehn, zwölf Jahren heiratsfähig sind und dann gleich altern, das heißt, Kindheit und Ehe fallen fast immer zusammen. Da aber die Vernunft die Herrschaft in Händen hat, jedoch fast nie mit den Reizen vereint erscheint, die eine noch stärkere Macht begründen, müssen die Frauen in Unterwürfigkeit gehalter werden. Die Vernunft aber kann ihnen im Alter nicht wieder die Macht zuspielen, die sie besaßen, als sie noch im Besitz von Schönheit und Anmut waren. In heißen Ländern besitzen schließlich die Frauen Vernunft nur, wenn sie alt sind, und sind nur schön, solange sie nicht vernünftig sind. Sie konnten aber niemals Einfluß auf die Männer erlangen. Ihr rasches Altern hat notwendig zur Polygamie führen müssen.

In den Ländern der kalten Zonen heiraten die Frauen in dem Alter, wo ihr Verstand am stärksten ist und ihre Reize länger erhalten bleiben, so folgt auf ihr Altern das der Gatten. Der Genuß geistiger Getränke, der dort zur Unmäßigkeit bei den Männern führt, verleiht diesen gegenüber meistens den Frauen den Vorteil der Vernunft. Es gibt manche Länder, wo die Männer alle Abende betrunken sind. Die Frauen sind in dieser Hinsicht von einer natürlichen Zurückhaltung, weil sie sich stets verteidigen müssen. Sie haben infolgedessen große Vorteile vor den Männern, diese aber wiederum in anderer Hinsicht, so daß die Gleichheit daraus resultiert.

Deswegen ist das römische Recht, das die Christen übernommen haben und das nur eine Frau gestattet, dem physischen Klima Europas angemessen und nicht dem physischen Klima Asiens, und deswegen hat der Islam so leicht in Asien Wurzel schlagen können und so schwer in Europa; deswegen hat das Christentum sich in Europa erhalten und ist in Asien beseitigt worden, haben die Mohammedaner so große Fortschritte in China gemacht und die Christen so geringe.

Die Natur, die die Reize nicht für die Männer geschaffen hat, hat diesen keine andere Grenze gesetzt als die ihrer Kraft und Vernunft; den Frauen, denen sie Schönheit und Anmut geschenkt hat, keine andere Grenze als das Schwinden ihrer Reize.

Daraus hat sich zwangsläufig die Vielweiberei entwickelt wie etwas in gewisser Hinsicht Notwendiges, sonst hätte schon wegen der Ausschweifungen, die das Klima begünstigt, die Monogamie den Frauen einen ungeheuren Vorteil gewährt. - (mont)

Klimazone (2) Die Völker des Nordens empfangen nicht wie die Völker des Südens lebhafte Eindrücke, deren Wirkungen unmittelbar und schnell sind. Die kräftige Konstitution, das durch die äußere Kälte bedingte Zurücktreten der inneren Wärme und die geringe Nahrhaftigkeit der Lebensmittel machen bei den Völkern des Nordens den Hunger zu einem sehr empfindlichen allgemeinen Übel. In einigen feuchten und kalten Ländern - werden die Lebensgeister gelähmt und bedürfen die Menschen heftiger Bewegungen, damit ihnen ihre Existenz überhaupt zu Bewußtsein kommt.

Die Völker des Südens benötigen eine geringere Menge von Nahrungsmitteln, und die Natur liefert sie ihnen im Überfluß; die Wärme des Klimas und die Lebhaftigkeit der Einbildungskraft erschöpfen die Menschen und machen ihnen die Arbeit zur Last.

Viel Arbeit und Fleiß ist nötig, um sich so zu bekleiden und unterzubringen, daß man durch strenge Kälte nicht leidet. Um sich aber gegen Wärme zu schützen, braucht man nur Bäume, eine Hängematte und Ruhe.

Die Völker des Nordens sind von der Sorge in Anspruch genommen, sich das Notwendige zu verschatten, und die Völker des Südens empfinden das Bedürfnis nach Zerstreuung. Der Samojede jagt, öffnet eine Höhle, fällt Bäume und befördert Holz, um Feuer zu unterhalten und Getränke warm zu halten; er bereitet Felle zu, um sich zu bekleiden, - während der Wilde in Afrika ganz nackt geht, seinen Durst an einer Quelle stillt, Früchte pflückt und im Schatten schläft oder tanzt.

Die Lebhaftigkeit der Sinneswahrnehmungen und der Einbildungskraft macht für die Völker des Südens physische Liebesfreuden eher notwendig als für die Völker des Nordens. Da aber bei den Völkern des Südens, wie der Präsident Montesquieu sagt, die Frauen die Schönheit gerade in einem Alter verlieren, in dem die Vernunft anfängt, legen diese Völker wahrscheinlich weniger Moral in die Liebe als die Völker des Nordens, bei denen Geist und Vernunft die Schönheit begleiten. Die Kaffern und die Völkerschaften in Guayana und Brasilien lassen ihre Frauen wie Tiere arbeiten, und die Germanen verehren sie wie Gottheiten.

Die Lebhaftigkeit jedes Eindrucks und das geringe Bedürfnis, Ideen festzuhalten und zu kombinieren, sind sicher die Ursache dafür, daß die südlichen Völker wenig Folgerichtigkeit im Denken und viele Inkonsequenzen zeigen; sie werden durch den Augenblick gelenkt; sie vergessen die Zeit und opfern einem einzigen Tag das Leben. Der Karibe weint abends darüber, daß er morgens sein Bett verkauft hat, um sich an Branntwein zu berauschen.

Im Norden muß man - da hier die Befriedigung von Bedürfnissen mehr Ideenkombination, Fleiß und Ausdauer verlangt - im Denken eine größere Folgerichtigkeit und Gesetzmäßigkeit zeigen und mehr Vernunft und Vernunftschlüsse aufwenden. Im Süden aber muß man zu plötzlicher Begeisterung, zu Entzückung, zu panischer Angst, zu unbegründeter Furcht und Hoffnung neigen.   - (enz)

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