lassifikation  Der Verbrecher, Klassifikationen.

Lombroso, 1878, 1. Gelegenheitsverbrecher, 2. geborene Verbrecher, 3.  Alkoholiker.

Krauß, 1884, 1. die Kraftmenschen, a) das Ungeheuer, b) der Choleriker, c) der Leidenschaftliche,
2. die Bösartigen, a) der Dämonische, b) der Intrigant, c) der Schurke,
3. die Schwächlinge, a) der Schuft, b) der Schleicher, c) der Lump, d) der Caliban.

Fern, 1884, 1. Gelegenheitsverbrecher, 2. Leidenschaftsverbrecher, 3. geborene Verbrecher, 4. Gewohnheitsverbrecher, 5. geisteskranke Verbrecher.

Marro, 1887, 1, Verbrecher mit atavistischen, 2. Verbrecher mit atypischen, 3. Verbrecher mit pathologischen Merkmalen.

Aschaffenburg, 1923, 1. Zufallsverbrecher, 2. Affektverbrecher, 3. Gelegenheitsverbrecher, 4. Vorbedachtsverbrecher, 5. Rückfallverbrecher, 6. Gewohnheitsverbrecher, 7. Berufsverbrecher.

Nach Ausscheidung aller psychiatrisch titulierbaren Verbrecher schließlich Übergang zur einfachen Zweiteilung:

Valentini, Starke, Medem, Bennecke, Aschroth, Krohne, Prins, Du Cane, Kirn, Holtzendorff, Liszt, Heindl:
1. Gelegenheitsverbrecher, 2. Berufsverbrecher. - (net)

Klassifikation (2) Der scharfe Beobachtungssinn der Pygmäen, ihr volles Bewußtsein der Beziehungen zwischen dem pflanzlichen und dem tierischen Leben ... werden auf überzeugende Weise durch ihre Diskussion über die Lebensweise der Fledermäuse illustriert. Der tididin lebt auf dem trockenen Blattwerk der Palmen, der dikidik unter den Blättern des wilden Bananenbaums, der litlit in den Bambuswaldungen, der kolumbóy in den Höhlungen von Baumstämmen, der konanabâ im Buschwald, und so fort.

So kennen und unterscheiden die Pinatubo-Negritos die Lebensgewohnheiten von 15 Arten von Fledermäusen. Und das schließt nicht aus, daß ihre Klassifizierung der Fledermäuse, wie die der Insekten, Vögel, Säugetiere, Fische und Pflanzen, hauptsächlich auf den körperlichen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten beruht.

Fast alle Männer können mit größter Leichtigkeit die spezifischen und beschreibenden Namen von mindestens 450 Pflanzen, 75 Vogeln, fast aller Schlangen, Fische, Insekten und Säugetiere und sogar 20 Arten von Ameisen aufzählen.. ..., und die botanischen Kenntnisse der mananâmbal, Zauberdoktoren beiderlei Geschlechts, die ständig die Pflanzen für ihre Heilkunst verwenden, sind geradezu verblüffend. -  R. B. Fox, nach: Claude Lévi-Strauss, Das wilde Denken. Frankfurt am Main 1973 (zuerst 1962)

Klassifikation (3)

 Methode der Vereinigung der Geschlechter
in der siebenten Periode (nicht aber in der achten)  

In der Welt der Gehörnten kann man neun Grade von Hahnreitum unterscheiden, unter den Männern sowohl wie unter den Frauen, denn diese sind weit mehr die Gehörnten als die Männer; wenn die Hörner der Gatten dem Geweih des Hirsches nicht nachstehen, so erheben sich die der Frauen so hoch wie die Äste der Bäume.

Ich werde mich darauf beschränken, die drei am bestimmtesten abgegrenzten Klassen anzuführen, nämlich den Hahnrei, den Cornett und den Cornard 1.

1. Der typische Hahnrei ist ein ehrenwerter, eifersüchtiger Ehemann, der von seiner Schande nichts weiß und sich im Alleinbesitz seiner Frau wähnt. Solange die Welt in löblicher Diskretion seine Illusionen schont, liegt kein Grund vor, ihn zu verhöhnen: kann er denn durch eine Beleidigung, von der er nichts weiß, aufgebracht werden? Die Lächerlichkeit fällt auf den Verführer, der demjenigen schmeichelt und vor ihm kriecht, mit dem er sich wissentlich in die Schöne teilt.

2. Der Cornett ist derjenige Gatte, der die Ehefreuden satt hat und der, weil er sich anderswo trösten möchte, nicht zu sehen vorgibt, wie seine Frau sich aufführt, und der sie ganz offen ihren Liebhabern überläßt, mit der Einschränkung, deren Kinder nicht anzuerkennen. Über so einen Gatten gibt es nichts zu spötteln, und er hat im Gegenteil alles Recht, über den Kopfschmuck anderer Witze zu reißen, so, als trüge er selbst keinen.

3. Der Cornard ist ein lächerlicher, eifersüchtiger Mensch, der seiner Gattin, von deren Untreue er weiß, auf die Nerven fällt; er ist ein Wüterich, der gegen den Stachel des Schicksals löckt, der aber in seinem Widerstand ungeschickt ist und durch seine unnötige Vorsicht, seinen Zorn und seine Ausbrüche zum Gespött wird. George Dandin von Molière ist der vollendete Typus des Cornard. - Charles Fourier, ca. 1830. Aus (hum)

1     Die vollständige Aufzählung enthält vierundsechzig Arten, die in Klassen, Ordnungen und Familien eingeteilt sind, vom Cucu en herbe bis zum Cucu posthume; hier schildere ich nur drei Arten, um, wie bei so vielen anderen Gegenständen, erst einmal zu sondieren, welcher Raum der Abhandlung angemessen wäre.

Klassifikation (4) Es gibt auf der Welt zwei Rassen. Diejenigen, die andere zu ihrer Zerstreuung, Beschäftigung und Entspannung brauchen und die die Einsamkeit kaputtmacht, ermüdet, aushöhlt, als müßten sie einen riesigen Gletscher besteigen oder eine Wüste durchqueren; und es gibt diejenigen, die durch andere belästigt, gelangwellt, gestört, entkräftet werden, während Abgeschiedenheit sie besänftigt und die Unabhängigkeit der Phantasie und des Denkens sie ruhig macht. - Guy de Maupassant, Wer weiß? - (nov)

Klassifikation (5)  Es ist ersichtlich, dass es für die Wissenschaft »gute« Klassifikationen gibt, die etwas über die Natur der Dinge aussagen, und weniger gute, die in eine Sackgasse führen. Aber das zeigt sich gewöhnlich erst im Nachhinein. Anfangs erfolgt die Auswahl der Klassifikationskriterien (Form, Farbe, Spektrum, Geschlecht) eher willkürlich oder lässt sich bestenfalls von einer glücklichen Intuition leiten. Die von dem Schweden Carl von Linné eingeführte Klassifikation der Pflanzen nach den Geschlechtsmerkmalen hat überlebt und die ebenso logische, aber weniger operationale Klassifikation von Joseph de Tournefort verdrängt.  - Michel Serres und Nayla Farouki (Hg.): Thesaurus der exakten Wissenschaften. Frankfurt am Main 2004 (zuerst 1997)

Klassifikation (6)  Die Teilchen, die heute als Elementarteilchen gelten, werden nach den Wechselwirkungen, für die sie empfindlich sind, in zwei Gruppen eingeteilt: Leptonen und Quarks. Es gibt sechs verschiedene Arten von Quarks und sechs verschiedene Arten von Leptonen. Diese Einteilung verdoppelt sich noch einmal aufgrund der Tatsache, dass jedem dieser Teilchen ein ANTITEILCHEN zugeordnet ist, welches dieselbe Masse, aber die entgegengesetzte elektrische Ladung besitzt. All diese Teilchen (und ihre Antiteilchen) sind Fermionen, das heißt, sie können sich wechselseitig nicht durchdringen und entsprechen damit unserer herkömmlichen Vorstellung von Materie. In dieser Hinsicht gehorchen sie dem so genannten AUSSCHLIESSUNGSPRINZIP oder Pauliverbot.

Die Leptonen werden ihrerseits in zwei Gruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe gehören drei Leptonen, deren elektrische Ladung null ist. Ihre Masse ist null oder zumindest sehr gering, und sie unterliegen der schwachen Wechselwirkung. Diese drei Leptonen werden als Neutrinos bezeichnet. Die zweite Gruppe besteht aus drei Leptonen, deren Masse und elektrische Ladung ungleich null sind; bei diesen drei Teilchen handelt es sich um das Elektron (e), das Myon (p.) und das Tauon (r), die sämtlich der elektromagnetischen und der schwachen Wechselwirkung unterliegen. Jedem dieser Leptonen ist ein Neutrino der erstgenannten Gruppe zugeordnet; bei der Notation der Neutrinos berücksichtigt man diesen Sachverhalt je nach Bedarf durch einen entsprechenden Index: ve, vn und Vt.

Die Quarks unterliegen sämtlichen fundamentalen Wechselwirkungen, insbesondere der starken, die für den Zusammenhalt der ATOMKERNE sorgt. Nach ihren sechs unterschiedlichen FLAVOUR-Quantenzahlen unterscheidet man sechs Quarks, die im Einzelnen folgende phantasievolle Bezeichnungen tragen: d-Quark (d für down, das heißt einen abwärts gerichteten Isospin); M-Quark (u für up, einen aufwärts gerichteten Isospin); s-Quark (s für strangeness oder Seltsamkeit, auch Fremdheitsquantenzahl genannt); c-Quark (c für charm, die Charmquantenzahl); b-Quark (b für beauty, Schönheit, oder bottomness, grundlegend); und t-Quark (t für truth, Wahrheit, oder topness, oben stehend). Bezeichnungen wie »Seltsamkeit«, »Charme« oder »Schönheit« sollte man allerdings nicht wörtlich nehmen; das b-Quark ist nicht »schöner« als die Übrigen, zumal niemand sich vorzustellen vermöchte, wie denn ein Quark »aussieht«.

Die Teilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen, werden als Hadronen bezeichnet. Heute sind mehrere hundert solcher Hadronen bekannt; die meisten sind instabil (das heißt, sich selbst überlassen, zerfallen sie sehr bald zu anderen Teilchen). In den 1960er Jahren hielt man die Hadronen noch für Elementarteilchen. Heute wissen wir, dass diese Einschätzung falsch war. Jedes Hadron besteht entweder aus drei Quarks oder aus einem Quark und einem Antiquark. Die Hadronen der ersten Gruppe, zu der vor allem Proton und Neutron gehören, werden als BARYONEN bezeichnet, die Übrigen (z.B. Kaon und Pion) als MESONEN.

Das Standardmodell fasst Quarks und Leptonen zu drei gleichartig strukturierten Familien zusammen. Jede dieser Familien besteht aus zwei Quarks und zwei Leptonen (siehe Abbildung 1).

Schon mit einer einzigen Familie, nämlich der ersten (die aus dem Elektron, dem zugehörigen Neutrino sowie dem u- und dem d-Quark besteht), wäre das Standardmodell funktionsfähig und könnte die Welt um uns herum erklären (die Atome bestehen aus Elektronen, die einen Atomkern »umkreisen«, der aus Protonen und Neutronen zusammengesetzt ist, welche ihrerseits aus u- und d-Quarks bestehen). In den 40er und 50er Jahren entdeckte man in der kosmischen Strahlung jedoch Teilchen einer zweiten Familie (Myonen und »seltsame Teilchen«, die das s-Quark enthalten) und eröffnete damit einen neuen Horizont, der 1975 durch die Entdeckung des c-Quarks abgerundet wurde; dieser Horizont wurde dann durch die Entdeckung einer dritten Familie, die das Tauon (1976), das b-Quark (1977) und das t-Quark (1995) enthält, nochmals erweitert.  - (thes)

Klassifikation (7)  Innerhalb der allegorischen Traumgesichte unterscheiden einige fünf Klassen. Erste Klasse: Die persönlichen Traumgesichte, in denen man sich selbst handelnd oder leidend wähnt; sie gehen einzig und allein für den Träumenden in Erfüllung, gleichviel ob sie Gutes oder Schlechtes bedeuten. Zweite Klasse: Die fremden Traumgesichte, in denen man einen anderen tätig oder leidend schaut; sie erfüllen sich nur für den Betreffenden, gleichviel ob sie Gutes oder Schlechtes bedeuten, vorausgesetzt, man kennt denselben und es besteht ein gewisser Grad von näherer Beziehung. Dritte Klasse: Die gemeinsamen Traumgesichte bedeuten, wie schon der Name besagt, die Handlungen, die wir gemeinsam mit irgendeinem Bekannten zu verrichten glauben. Diejenigen Traumgesichte, die sich auf Häfen, Mauern, Marktplätze, Gymnasien und öffentliche Bauten der Stadt beziehen, nennt man die politischen; sie gehören in die vierte Klasse. Fünfte Klasse: Das Verschwinden oder die vollständige Finsternis von Sonne, Mond und den übrigen Gestirnen sowie außergewöhnliche Umwälzungen von Land und Meer sind Vorboten kosmischer Veränderungen und heißen deshalb zutreffend kosmische Traumgesichte. - (art)

Klassifikation (8) Nachdem wir die Methode von Wilkins definiert haben, müssen wir ein Problem untersuchen, das sich unmöglich oder nur schwer hintanstellen läßt: den Wert der Vierzigertabelle, die der Sprache zugrunde liegt. Betrachten wir die achte Kategorie, die der Steine. Wilkins unterteilt sie in gewöhnliche (Kiesel, Kies, Schiefer), schlichte (Marmor, Bernstein, Koralle), kostbare (Perle, Opal), durchsichtige (Amethyst, Saphir) und unlösliche (Steinkohle, Kreide, Arsen). Fast so beunruhigend wie die achte ist die neunte Kategorie. Sie offenbart uns, daß die Metalle unvollkommen (Zinnober, Quecksilber), künstlich (Bronze, Messing), abfallartig (Feilspäne, Rost) und natürlich (Gold, Zinn, Kupfer) sein können. Die Schönheit kommt in der sechzehnten Kategorie vor; sie ist ein lebendgebärender, länglicher Fisch. Diese Zweideutigkeiten, Überlagerungen und Mängel erinnern an jene, die Franz Kuhn einer gewissen chinesischen Enzyklopädie nachsagt, die sich betitelt: Himmlischer Warenschatz wohltätiger Erkenntnisse. Auf ihren uralten Blättern steht geschrieben, daß die Tiere sich wie folgt unterteilen: a) dem Kaiser gehörige, b) einbalsamierte, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) streunende Hunde, h) in diese Einteilung aufgenommene, i) die sich wie toll gebärden, j) unzählbare, k) mit feinstem Kamelhaarpinsel gezeichnete, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen. Das Bibliographische Institut in Brüssel befleißigt sich ebenfalls des Chaotischen: Es hat das Weltall in tausend Unterteilungen zerstückelt, von denen Nummer 262 dem Papst entspricht, 282 der römisch-katholischen Kirche, 263 dem Tag des Herrn, 268 den Sonntagsschulen, 2801 dem Mormonismus und 294 dem Brahmanismus, Buddhismus, Schintoismus und Taoismus. Es schreckt vor heterogenen Unterteilungen nicht zurück, zum Beispiel Nummer 179: »Grausamkeit gegen Tiere. Tierschutz. Duell und Selbstmord, moralisch betrachtet. Verschiedene Laster und Gebrechen. Verschiedene Tugenden und Qualitäten.«

Ich habe die Willkürlichkeiten von Wilkins, dem unbekannten (oder apokryphen) chinesischen Enzyklopädisten und dem Bibliographischen Institut in Brüssel aufgeführt; bekanntlich existiert keine Klassifikation des Universums, die nicht willkürlich und mutmaßlich wäre. Aus einem sehr einfachen Grund: Wir wissen nicht, was das Universum ist. »Die Welt«, schreibt David Hume, »ist vielleicht die rudimentäre Skizze irgendeines kindischen Gottes, der sie mittendrin liegen ließ, weil er sich ihrer mangelhaften Ausführung schämte; sie ist das Werk eines niederen Gottes, über das sich die höheren Götter lustig machen; sie ist das konfuse Machwerk einer altersschwachen und abgedankten Gottheit, die schon gestorben ist« (Dialogues Concerning Natural Religion V, 1779). Man darf noch weitergehen; man darf vermuten, daß es kein Universum im organischen, vereinigenden Sinne dieses anspruchsvollen Wortes gibt. Wenn es eines gibt, wäre sein Sinn erst noch zu mutmaßen; wären zu erraten die Wörter, die Definitionen, die Etymologien, die Synonyme von Gottes geheimem Wörterbuch.

Wenngleich es unmöglich ist, in das göttliche System des Universums einzudringen, brauchen wir doch nicht darauf zu verzichten, menschliche Schemata zu erdenken, auch wenn uns klar ist, daß sie provisorisch sind. Die analytische Sprache von Wilkins ist nicht das geringste dieser Schemata. Die Genera und die Spezies, aus denen es sich zusammensetzt, sind widersprüchlich und vage; der Kunstgriff, daß die Buchstaben der Wörter Teilungs- und Unterteilungsbegriffe angeben, ist gewiß geistvoll. Das Wort »Lachs« sagt uns nichts; zana, das entsprechende Wort bei Wilkins, definiert (für einen, der in den vierzig Kategorien und in den Genera dieser Kategorien bewandert ist) einen schuppigen Flußfisch mit rötlichem Fleisch. (Theoretisch nicht unvorstellbar ist eine Sprache, in welcher der Name jedes einzelnen Geschöpfs alle Einzelheiten seines Schicksals in Vergangenheit und Zukunft angäbe.)  - (bo2)

Klassifikation (9)  Vom Standpunkt Eusèbes aus gesehen, waren die Touristen genau in zwei Hauptkategorien einzuteilen (klammert man einmal die Sonder- und Grenzfälle wie Schotten und andere aus): Die Männer bildeten die Kategorie I; die Frauen die Kategorie II. Die Kategorie I war völlig uninteressant. In der Kategorie II (die Frauen) unterschied er wieder zwei große Unterkategorien (»Es ist«, erklärte er Madame Eusèbe, »wie beim Dosengemüse; da gibt es die grünen Bohnen, und da gibt es die Erbsen; bei den Erbsen gibt es die feinen und die extrafeinen; und wenn ich die extrafeinen nehme, gibt es die bereits fertig zubereiteten und die noch nicht zubereiteten, verstehst du?« sagte er zu Madame Eusebe; aber die schlief schon). In der Kategorie II, der Kategorie der Frauen, gab es also einerseits die Interessanten (A) und die Nichtinteressanten (B). Die Unterkategorie der Nichtinteressanten (IIB) interessierte ihn so wenig wie die der Männer (I). Er interessierte sich nur für die Interessanten (IIA), unter die er übrigens, nach reiflicher Überlegung, eine spezielle Unterunterkategorie einbezog: die der Nichtnichtinteressanten, zu der ihn der alte Sinouls, ein großer Bewunderer des Nikolaus von Kues, der ihn, wie er sagte, »ganz schön zum Lachen« brachte, inspiriert hatte; wir wollen sie unter IIA* abhaken.

Gut, gut, werden Sie nun zu uns sagen, jetzt müßte man nur noch wissen, wie, durch welche Eigenschaften, Eusebe die interessanten Exemplare der Kategorie Frauen erkannte (mit Sie meinen wir selbstverständlich und für die gesamte weitere Folge des Romans den Leser - dessen Gattungs- oder Roboterporträt das Arbeitszimmer des kaufmännischen Direktors unseres Verlagshauses schmückt -, den wir aus Ehrfurcht siezen). Die Antwort ist einfach: am Alter, das aus biologischen Gründen und aus Gründen der Vorsicht ein Minimum von 15 Jahren nicht unterschreiten durfte und unterhalb eines Maximums liegen mußte, das von ihm auf 59, das heißt 60 weniger 1 - da 60, wie wir bereits gesagt haben, das Alter war, bei dem Eusèbe innerlich stehengeblieben war —, festgesetzt worden war. Madame Eusèbe war damals 59 Jahre alt, das heißt ebenfalls 60 weniger 1, wenn unsere Berechnungen stimmen, was zur Folge hatte, daß sie nun langsam aufhörte, interessant zu sein (es war übrigens die Zeit der Ankunft Alexander Wladimirowitschs, auf den von da an alle Liebe, deren Madame Eusèbe fähig war, übertragen wurde); gleichzeitig aber, da sie ganz offensichtlich weiterhin älter wurde, gleichzeitig war sie natürlich nichtinteressant; damit war sie, da sie gleichzeitig, historisch gewissermaßen, interessant, und zeitgenössisch, wenn man einmal so sagen darf, nichtinteressant war, gewissermaßen aus dem Rennen, was vom ethischen Standpunkt aus für Eusèbe erfreulich war.

Von fünfzehn bis neunundfünfzig war also jede Frau interessant; aber Eusèbe hatte sogleich ein zweites Kriterium hinzugefügt, das eine weitere Einschränkung mit sich brachte: das der Touristitude. Nur Touristinnen konnten interessant sein. Dabei muß klargestellt werden, daß manche Bewohnerinnen des Viertels im entsprechenden Alter dessenungeachtet in die entscheidende Kategorie IIA (genauer IIA*) eingeordnet und damit gewissermaßen zu assimilierten Touristinnen oder auch Ehrentouristinnen wurden.  - Jacques Roubaud, Die schöne Hortense. München 1992 (dtv 11602, zuerst 1985)

Klassifikation (10)    Eine chinesische  Enzyklopädie lehrt, daß alle Tiere eingeteilt seien in: a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde  h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie toll gebärden, k) die mit einem feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen.  - J. L. Borges nach Robert Darnton, nach (enc)

Klassifikation (11)  M. A. Raffalovich (Uranisme et uniséxualité, Paris 1896; zit. nach Hirschfeld) teilt die Homosexuellen nach ihrer virilen Komponente ein in Ultravirilisten, Virile und Weiblinge. Die U. entsprechen etwa der Gruppe, die Gustav Jäger in seiner »Entdeckung der Seele« als »supervirile« Homosexuelle bezeichnet. Er sagt dort: »Unter den Homosexuellen steckt die merkwürdigste Sorte von Männern, nämlich die, welche ich superviril nenne. Dieselben stehen, vermöge einer individuellen Variation ihrer Seelenstoffe, ebenso über dem Manne wie der Normalsexuelle über dem Weibe. Ein solches Individuum ist imstande, die Männer durch seinen Seelenduft zu bezaubern, wie diese - aber in passiver Weise - ihn bezaubern. Da er nun stets in Männergesellschaft lebt, und Männer sich ihm zu Füßen legen, so erklimmen solche Supervirile (Ultravirilisten) häufig die höchsten Stufen geistiger Entwicklung, sozialer Stellung und männlichen Könnens.« - (erot)

Klassifikation (12)

Klassifikation (13)

Klassifikation (14)  Linnés  Ordnungsprinzipien und Namengebungen spiegelten die Vorlieben und auch die Voreingenommenheiten ihres Schöpfers wider. Der statischen Klassifikation der Pflanzen und Tiere entsprach die unverrückbare Rangordnung der Ständegesellschaft. In der Ständeordnung der Pflanzenwelt gehörten die Moose zu den Ärmsten, die Gräser waren die Bauern, die Kräuter der Adel, und die Bäume stellten die Fürsten dar.

Wie das „Heer der Creaturen“ wurden auch die Botaniker von Linné nach militärischen Prinzipien geordnet. Er beförderte sich selbst zum General, Jussieu war immerhin Generalmajor, Albrecht von Haller aber musste mit dem Rang eines Obersten zufrieden sein, und der von Linné gehasste Nürnberger Botaniker Siegesbeck wurde zum Feldwebel degradiert. - Wolf Lepenies, Welt Online, 22. Mai 2007

Klassifikation (15)   Ein  Beispiel antiker Bücherordnung ist  das 'Gelehrtenmahl' (Deipnosophistai) des Athenaios von Naukratis in Ägypten, der um 200 n. Chr. lebte. In diesem umfangreichen Werk, das 1514 bei Aldus Manutius in Venedig erstmals gedruckt worden ist, werden hunderte Autoren, die über das Essen schrieben, mehr oder weniger genau zitiert. Das Werk zeigt folgende Ordnung: In der ersten Abteilung wird über Lebensmittel, Speisen und Getränke bei Homer gehandelt, in der 2. und 3. Gruppe werden Bücher über Vorspeisen und Brot aufgezählt, im 4. Abschnitt Organisation von Essen und Musik; im 5. die Darbietungen von Essen und Luxus, im 6. Schmarotzer und Schmeichelei, im 7. und 8. Fische, im 9. Fleisch und Geflügel, im 10. Völlerei, im 11. Becher, im 12. gesellschaftliches Verhalten, im 13. Liebe und Frauen, im 14. Musik, Nachtische und im 15. Kränze und Parfüms. - Hans Zotter, nach: Stammen / Weber (Hg.): Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien. Berlin 2004 

Klassifikation (16)   Dieser Mann arbeitete an einem System der Naturgeschichte, worin er die Tiere nach der Form der Exkremente geordnet hatte. Er hatte drei Klassen gemacht: die zylindrischen, sphärischen und kuchenförmigen. - Lichtenberg, nach: Stammen / Weber (Hg.): Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien. Berlin 2004 

Klassifikation (27)

Klassifikation (18)  »Jener Terminus ›Menschheit‹  ist der Sprache des Erdengeschlechts entnommen - Erde, so nämlich lautet die Bezeichnung jenes fernen provinziellen Planeten. Unsere Wissenschaften bezeichnen die Erdenbewohner etwas anders. Ich erlaube mir, in der Hoffnung, die Hohe Versammlung nicht zu langweilen, die vollständige Bezeichnung und Klassifizierung der Art, deren Mitgliedschaft in der OVP wir erwägen, zu zitieren, wobei ich mich eines ausgezeichneten Werkes von Spezialisten bediene, und zwar der Galaktischen Terratologie von Grammpluss und Gzeems.«

Der Vertreter Thubans schlug auf seinem Pult ein gewaltiges Buch auf - die Stelle war besonders gekennzeichnet - und begann zu lesen:

»Entsprechend der gültigen Systematik umfaßt der Typ Aberrantia (Abseitige) die in unserer Galaxis anomalen Formen. Der Typ unterteilt sich in die Untertypen Debilitales (Blödiane) sowie Antisapientinales (Vernunftwidrige). Zu letzterem Untertyp gehören die Gruppen Canaliacaea (Scheußler) und Nekroludentia (Leichenspieler).

Bei den Leichenspielern unterscheiden wir wiederum die Gattung Patricidiaceae (Vatermörder), Matriphagideae (Mutterfresser) und Lasciviaceae (Ekelgeiler oder kurz: Geiler). Die Ekelgeiler, bereits völlig entartete Formen, klassifizieren wir, indem wir sie in Cretininae (Stumpfmäuler, z. B. Cadaverium Mordans, Leichenbiß-Narrkopf) und Horrorissimae (Ungeheuer, mit dem klassischen Vertreter in Gestalt des Trübsinnhabachters, Idiontus Erectus Gzeemi) teilen. Einige der Unheuer bilden eigene Pseudokulturen; hierher gehören solche Arten wie Anophilus Belligerens, der Hinterlieb-Schlachter, der sich selbst Genius Pulcherrimus Mundanus nennt, oder wie jenes eigenartige, am ganzen Leib kahle Exemplar, das von Grammpluss im dunkelsten Winkel unserer Galaxis beobachtet wurde - Monstroteratus Furiosus (Gräßel-Wüterich), der sich selbst Homo Sapiens nennt.«  - (lem)

Klassifikation (19)  Anthropologen entdecken verschiedene Arten von Kannibalismus. Beim Endokannibalismus essen die Angehörigen des Verstorbenen dessen Fleisch als Zeichen der Ehrerbietung. Bei anderen Völkern oder Stämmen kommt hauptsächlich Exokannibalismus vor, bei dem getötete Sklaven oder Kriegsgefangene gegessen werden. Selten geschieht der Verzehr von Menschenfleisch ausschließlich aus Gründen der Ernährung, wobei der Mensch des Menschen Schwein ist. - A. J. Dunning, Extreme. Betrachtungen zum menschlichen Verhalten. Frankfurt am Main 1992

Klassifikation (20)  Wenn geschäftslose Leute ihre Heimath verlassen, und mit Grund oder Gründen auf Reisen gehen: so kann man solche aus einer von diesen allgemeinen Ursachen herleiten: ...

Gebrechlichkeit des Körpers,
Schwachheit des Geistes, oder
Unumgängliche Nothwendigkeit.

Unter die beiden ersten gehören alle Reisenden zu Wasser und zu Lande, welche an Hochmuth, Neugierde, Eitelkeit oder Milzsucht laboriren, an einem oder an mehreren dieser Gebrechen, nach allen den unendlichen Unterarten derselben, und ihren unendlichen Verbindungen unter einander.

Die dritte Klasse begreift das ganze Heer wandernder Märtyrer in sich, ganz besonders derjenigen, welche cum beneficio Cleri ihre Reisen antreten, entweder als Verbrecher, unter der Aufsicht von Hofmeistern, welche die Obrigkeit empfiehlt ... oder solche junge Herren, die von ihren grausamen Eltern oder Vormündern auf Reisen verbannt werden, unter der Aussicht von Hofmeistern, welche die Universitäten Oxford, Aberdeen und Glasgow empfehlen.

Es giebt eine vierte Classe; ihre Anzahl ist aber so gering, daß sie keine besondere Abtheilung verdiente, wenn nicht die Nothwendigkeit in einem solchen Werke, wie dieses, die größeste Genauigkeit und Richtigkeit erforderte, um alle Verwirrung in den Charakteren zu vermeiden. Und diese Männer, von denen ich rede, sind solche, welche über’s Meer gehen und sich in einem fremden Lande aufhalten, mit der Absicht, aus verschiedenen Gründen und unter verschiedenem Vorwande, Geld zu sparen: allein, da sie sowohl sich, als anderen ehrlichen Leuten einen großen Theil unnöthiger Mühe ersparen können, wenn sie ihr Geld zu Hause sparen wollten ... und da ihre Gründe für’s Reisen einfacher sind, als die aller übrigen Emigranten: so nenne ich diese Herren

Simple Reisende.

Dergestalt kann man den ganzen Zirkel von Reisenden unter folgende wenige Rubriken bringen:

Müßige Reisende,
Neugierige Reisende,
Lügende Reisende,
Aufgeblasene Reisende,
Eitele Reisende,
Milzsüchtige Reisende.

Dann folgen die Reisenden aus Nothwendigkeit.

Der seiner Sündenschuld wegen Reisende.
Der unglückliche und unschuldige Reisende
Der simple Reisende.

Und ganz zuletzt – wenn Sie’s nicht übel nehmen wollen! –

Der empfindsame Reisende,

– womit ich mich selbst meine – der ich gereist bin, und nun mich hinsetze, um Rechenschaft davon abzulegen ... und eben so gut aus Nothwendigkeit, und besoin de voyager gereist bin, als irgend einer aus der Classe.

Ich sehe dabei gar wohl ein, daß, da meine Reisen und Bemerkungen von den Reisen und Bemerkungen aller meiner Vorgänger sehr verschieden sein werden, ich darauf hätte bestehen können, für mich allein eine eigene Nische einzunehmen. ... Jedoch, ich möchte dem eitelen Reisenden in’s Gehege kommen, wenn ich eher wünschte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, bis ich bessere Gründe dazu habe, als die bloße Neuheit meines Vehiculums.

Genug, daß mein Leser, wenn er selbst gereist ist, durch ernstliche Überlegung des vorhin Gesagten, fähig werden kann, sich seinen eigenen Rang und Platz in dem Verzeichnisse anzuweisen. ... Das wird ein Schritt zu seiner Selbsterkenntniß sein. - Laurence Sterne, Yorick’s empfindsame Reise durch Frankreich und Italien

Klassifikation (21)  Bartholomew Glanville unterscheidet mehrere Arten von Satyrn. Einige von ihnen, Cynocephali genannt, haben Köpfe wie Hunde. Andere heissen Cyclops, «denn einer von ihnen hat nur ein Auge, und zwar mitten auf der Stirne, wieder andere haben weder Kopf noch Nase, und ihre Augen sitzen in den Schultern. Einige haben flache Gesichter ohne Nasenlöcher, und ihre Unterlippe ist so lang, dass sie damit bei Sonnenschein ihr Gesicht bedecken können. Wieder andere haben einen Mund, den sie nicht öffnen können und in ihrer Brust nur ein Loch, durch das sie atmen.»  - Colin Clair, Unnatürliche Geschichten. Ein Bestiarium, Zürich 1969 (zuerst 1967)

Klassifikation (22)  Hugo, der Oberkellner von Maxim's, verfolgte  die Liebschaften der verschiedenen Damen und notierte die Ergebnisse seiner Beobachtungen in einem kleinen schwarzen Buch. So konnte, bevor irgendwelche Avancen gemacht wurden, festgestellt werden, ob die betreffende Dame frei war, für beide Seiten peinliche Irrtümer also vermieden werden. Einige von Hugos diskreten Formeln haben Berühmtheit erlangt. RAF hieß »besetzt« (rien à faire), AF (à faire) bedeutete das Gegenteil. PLM (pour le moment) riet vor einer längerfristigen Liaison ab, desgleichen das mißbilligende FSB (femme seule au bar) und das bedauernde EZA (entre deux ages). YMCA (il y a moyen de coucher avec) war ein — allerdings nicht vorbehaltloses - Gütesiegel. - (beg)

Klassifikation (23)  Die Taxonomie (die Lehre von der Klassifikation) wird oft unterbewertet als eine bessere Art von Registratur, mit einer eigenen Mappe für jede Spezies, so wie für die Briefmarke ein bestimmter Platz im Album vorgesehen ist. Die Taxonomie ist aber eine grundlegende, dynamische Wissenschaft, welche die Ursachen der Zusammenhänge und Ähnlichkeiten zwischen Organismen erforscht. Klassifikationen sind Theorien über die Grundlage der natürlichen Ordnung und keine öden Kataloge, die man nur zusammenstellt,, um ein Chaos zu vermeiden.  - (go)

Klassifikation (24)   Wie gelegentlich behauptet wird (ob es stimmt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen), war er hie und da gezwungen, einen oder zwei seiner Kunden an den Galgen zu liefern, um sein Renommee aufzupolieren. In solchen Fällen versäumte er es nie darauf hinzuweisen, daß ihm das Verdienst zukam, die Verbrecher der Gerechtigkeit überantwortet und das Land von diesen gefährlichen Subjekten befreit zu haben.

Einige Leute haben uns  in allen Einzelheiten berichtet, was ihn dazu bewog, bestimmte Bandenmitglieder zu opfern, und nach welchen Gesichtspunkten er die Diebe in verschiedene Kategorien einteilte. Hier sind einige Beispiele: 1. Solche, die ihm ihre Tat gestanden hatten und trotzdem nicht bereit waren, ihm die Beute zur Verfügung zu stellen. 2. Solche, die sich weigerten, vernünftige Bedingungen für die Rückgabe der Ware zu akzeptieren. 3. Solche, die Drohungen gegen ihre Kollegen ausgesprochen hatten. In diesem Fall sorgte er sofort dafür, daß die Betreffenden verhaftet wurden. Er kannte ihre Schlupfwinkel, wußte, wo sie die Beute versteckt hielten, und ließ sich von keinem an Umsicht und Eifer übertreffen, wenn es galt, diese Diebe aufzuspüren und festzunehmen. Und gewöhnlich gelang es ihm auch, andere Mitglieder der Bande herbeizuschaffen und sie zu einem Geständnis zu bewegen, damit sie dann vor Gericht gegen ihren Kollegen aussagten.

Das also war, wie mir versichert wurde, seine Arbeitsmethode, und er soll dabei so raffiniert vorgegangen sein, daß ihm die Öffentlichkeit für die Tatkraft, mit der er diese Schurkereien aufdeckte und die Verbrecher der Justiz auslieferte, Beifall zollte. - Daniel Defoe, Jonathan Wild. In: D.D., Romane in zwei Bänden. München 1968 (zuerst 1725)

Klassifikation (25)  

Klassifikation (morologische)    «Idiot» bezog sich einmal auf die unterste Stufe einer dreifachen Klassifikation geistiger Zurückgebliebenheit. Idioten konnten niemals die gesprochene Sprache beherrschen; Imbezile, die einen Rang über ihnen standen, konnten sprechen, aber nicht schreiben lernen. Die dritte Stufe, welche die «Debilen» umfaßte, zog eine beträchtliche terminologische Kontroverse nach sich. In Amerika übernahmen die meisten Kliniker H.H. Goddards Terminus «moron», der von einem griechischen Wort mit der Bedeutung «töricht» abgeleitet worden war. «Moron» ist ein wissenschaftlicher Begriff dieses Jahrhunderts und trotz des metaphorischen Bartes vieler schrecklicher alter Irrenwitze keine alte Bezeichnung. Goddard, einer der drei wesentlichen Konstrukteure der rigoros auf die Vererbung zielenden Interpretation von Intelligenztests, glaubte, daß seine einlinige Klassifizierung geistiger Fähigkeiten oberhalb des Niveaus der Debilität einfach angewandt werden konnte, um zu einer natürlichen Rangfolge menschlicher Rassen und Nationalitäten zu gelangen. Dabei würden dann die Einwanderer aus Süd- und Osteuropa ganz unten rangieren (im Durchschnitt noch auf der Stufe der Debilität) und die alteingesessenen amerikanischen WASPs («White, Anglo-Saxon, Protestant») an der Spitze. (Nachdem Goddard Intelligenztests für Einwanderer bei deren Ankunft in Ellis Island durchgesetzt hatte, verkündete er, daß mehr als 80 % von ihnen schwachsinnig seien und sofort nach Europa zurückkehren sollten.)  - Stephen Jay Gould, Der Daumen des Panda. Betrachtungen zur Naturgeschichte. Basel u.a. 1987

Klassifikation (27)   Manche unterscheiden zwischen sog. Dämonen, Elementaren, Engeln und Familiaren. Nach George Tyrrell und anderen gibt es vier oder fünf Hauptkategorien von Geistern oder Gespenstern:

   1. Experimentiergeister, bei denen die Geister lebender Menschen durch geheimnisvolle Kräfte dazu veranlasst werden, anderen an unterschiedlichen Orten zu erscheinen.

   2. Krisengeister, die Verwandten erscheinen, wenn den Angehörigen, zu denen sie gehören, ein furchtbares Schicksal mit Todesfolge zu ereilen droht.

   3. „Post-mortem“-Geister, die erst nach dem Tod eines Menschen in Erscheinung treten, aber dem Verstorbenen so sehr ähneln, dass sie bei der Person, der sie erscheinen, meist einen tiefen Schock auslösen.

   4. „Echte“ Geister, die am häufigsten auftauchen und von Menschen gesehen werden, die überhaupt keine Verbindung zu ihnen haben. Sie können Jahrhunderte nach dem Todesfall erscheinen, sind aber im Allgemeinen an eine bestimmte Umgebung, etwa ein altes Spukschloss, gebunden.

   5. „Astralgeister“ (Stern- oder Luftgeister), in den altorientalischen Religionen waren sie die Geister der als beseelt gedachten Gestirne. In der Dämonologie des Mittelalters sind Astralgeister sowohl gefallene Engel und auch Seelen von Verstorbenen, als auch aus Feuer entstandene Geister, die, zwischen Erde, Himmel und Hölle schwebend, keinem dieser drei Reiche angehören.

Poltergeister erzeugen bei ihrem nächtlichen Auftritt klopfende oder andere Geräusche.  - Wikipedia

Klassifikation (28)  

Unterscheidungsmerkmale
 

Name

Seiten

Steiß

Schritt

 

 

 

Tanga

mehr als Schnur meist Dreieck mehr als Schnur

 

String

Schnur, ggf. gebunden nur Verbindung Schnur

 

Stringtanga

kleines Dreieck

Stringtanga

G-String

nur Verbindung

 T-String

T-String

meist Schnur, ggf. gebunden

V-String

stofffreies Dreieck

Thong

beliebig, selten gebunden schnell verjüngend sehr schmal

 

G-Thong

Schnur

 

C-String

keine frei drahtverstärkt

C-String

Cache-String Stoffband Schnur, ggf. gebunden Dreieck verstellbar

 

- Wikipedia

Klassifikation (29)  Genau genommen, gibt es nur fünf Tierklassen: Dermatozoa, oder Evertebrata; Glossozoa, oder Fische, bei denen das erste Mal eine echte Zunge auftritt; Rhinozoa, oder Reptilien, bei denen die Nase zum ersten Mal eine Verbindung zum Mund hat, die somit Luft atmen können; Otozoa, oder Vögel, bei denen sich zum ersten Mal das Ohr nach außen öffnet; Ophthalmozoa, oder Thricozoa (Säugetiere), die alle Sinnesorgane in vollständiger Ausprägung besitzen, bei denen die von Lidern bedeckten Augen beweglich sind. - Lorenz Oken, nach: Stephen Jay Gould, Das Lächeln des Flamingos. Basel, Boston, Berlin 1989

Klassifikation (30)  Claude hatte einen schönen Schwanz, groß, gerade, und unsere ersten Treffen hinterließen bei mir die Erinnerung an eine Art Starre, als hätte mich dieser Schwanz gestreckt und gestopft. Als André vor meinen Augen die Hose aufknöpfte, war ich erstaunt, dass sein Ding kleiner war und beweglicher, weil er im Gegensatz zu Claude nicht beschnitten war. Ein von vornherein nackter Kopf erregt durch seine einheitliche Glätte, doch wenn ich eine Vorhaut vor und zurück schiebe und dabei die Eichel enthülle, die wie eine große Blase im Schaumbad schwimmt, entsteht eine subtilere Lust, die sich in weichen Wellen bis in die Öffnung des anderen Körpers fortpflanzt. Ringos Schwanz war eher wie Claudes Teil, der Schwanz des schüchternen Jungen ähnlich wie Andrés, der des Studenten gehörte einer Sorte an, die ich später richtig kennen lernte: Ohne besonders dick zu sein, fühlt er sich in der Hand unmittelbar sehr massiv an, vielleicht weil die Haut, die ihn umgibt, fester ist. Ich machte die Erfahrung, dass jeder Schwanz anders auf mich wirkte und ich unterschiedlich damit umging. - Catherine Millet, Das sexuelle Leben der Catherine M. München 2001

Klassifikation (31)  Man kann sagen, es gebe dreierlei Autoren: erstlich solche, welche schreiben, ohne zu denken. Sie schreiben aus dem Gedächtniß, aus Reminiscenzen, oder gar unmittelbar aus fremden Büchern. Diese Klasse ist die zahlreichste. - Zweitens solche, die während des Schreibens denken. Sie denken, um zu schreiben [schreiben, um zu denken?]. Sind sehr häufig. - Drittens solche, die gedacht haben, ehe sie ans Schreiben giengen. Sie schreiben bloß, weil sie gedacht haben. Sind selten. - (schop)

Klassifikation (32)

Klassifikation (33)  Vizeadmiral Brieux: »Ich würde die Krise als katalytischen Krieg bezeichnen. Es sind 4 Kriegstypen zu unterscheiden: 1. unbeabsichtigter Krieg, 2. Fehlkalkulation (»chicken«-Spie!«, richtige Anwendung unvernünftiger Strategien}, 3. Kriege durch Berechnung (vorweggenommene Vergeltung), 4. katalytischer Krieg (Kriegsauslösung durch verzweifelte dritte Nationen).« Amtschef: »Das ist eine ganz wichtige begriffliche Einteilung, die wir sofort telegrafisch oder über Fernschreiber irgendwohin durchgeben sollten.«  - (klu)

Klassifikation (34)  Der alte João Melquíades lehrte uns, unter den Romanzen gebe es sieben Haupttypen: die Liebesromanzen, die Romanzen von Hurerei und liederlichem Leben, die Canga-ceiro- und Ritterromanzen, die beispielhaften Romanzen, die Romanzen von Schelmenstücken, von Vagabunden und schlauen Streichen, die Zeitungsromanzen und die Romanzen von Wahrsagungen und Geistern.   - (stein)

Klassifikation (35)

I.

A.

Zwei- oder mehrmalige Wiederholung  gleicher, ähnlicher Dinge und Ereignisse

Einfache Serie, Serie erster Ordnung.

 

B.

Verknüpfung von zwei oder mehreren einfachen Serien, indem jedesmal eines ihrer Merkmale (Querkornponente) daraus in die anschließende Serie übernommen und dort wiederholt wird

Serienfolgen, Serie höherer Ordnung

 

C.

Gesamtheit der aus gemeinsamer Ausgangsserie durch Komponentenübergang hervorgehenden Serien erster Ordnung

Serienpotenz, Serie höheren Grades

II.

A.

Diese Wiederholung und Verknüpfung erfolgt im Nebeneinander

Räumliche oder Simultanserie

 

B.

 Wiederholung und Verknüpfung erfolgen im Nacheinander

Zeitliche oder Sukzedanserie

III.

A.

Zeitserie, von einer gegebenen Ausgangsserie abzweigend und durch gemeinsame Zwischenkomponenten mit ihr verknüpft

 Anhangsserie

 

B.

 Raumserie, von gegebener Ausgangsserie abzweigend und durch gemeinsame Zwischenkomponenten mit ihr verbunden

Nebenserie

IV.

A.

Nur Kennzeichen einer einzigen der vor- und der nachbenannten Serienarten nachweisbar

Reine oder Sortenserie

 

B.

Kennzeichen von mehr als einer der vor- und nachbenannten Serienarten nachweisbar

Hybride oder Mischlingsserie

V.

A.

In den serialen Dingen oder Ereignissen nur ein sich wiederholendes   Element   (gemeinsames Merkmal der Wiederholungen) zugegen

Einreihige Serie

 

B.

Zwei oder mehrere gemeinsame Merkmale (Querkomponenten der Serie) in den Wiederholungen zum Vorschein kommend
a) Alle Querkomponenten bleiben gleichlaufend beisammen
b)  Querkomponenten verästeln sich
   aa) Die  Verästelung geschieht aus einem ursprünglich    geschlossenen Serienstamm (Parallelserie geht in die    polytomische Serie über)
   bb) Die Äste vereinigen  sich in einen nachträglich    geschlossenen Serienstamm (Polytomische Serie geht in    eine Parallelserie über)

Mehrreihige Serie

Parallelserie

Polytomische Serie

Divergierende Serie

Konvergierende Serie

 

C.

Zwei oder mehrere selbständige Serien treten in Querverbindung und verlaufen fortan gemeinschaftlich

Korrelationsserie

VI.

A.

Längskomponenten sind kongruent oder ähnlich, gleichgerichtet, Symmetrieachse fällt mit der Achse des serialen Verlaufes zusammen

Segmentale oder Metamerieserie

 

B.

Längskomponenten sind spiegelbildlich gleich, Symmetrieachse steht auf der serialen Achse senkrecht

Bilaterale oder Symmetrieserie

VII.

A.

Serienverlauf durch Reichtum an Dingen und Ereignissen ausgezeichnet, von stürmischen energetischen Vorgängen erfüllt

Bewegungsserie

 

B.

Serienverlauf führt durch verhältnismäßig leeren Raum, ereignisarme Zeit, alle Komponenten in entropischem Zustande

Ruheserie

VIII.

A.

Die Häufungen wirken nur durch Masse ihrer Komponenten serial

Quantitäts- oder Mengenserie

 

B.

Die Wiederholungen wirken durch Beschaffenheit ihrer Komponenten serial

Qualitäts- oder Artserie

IX.

A.

Seriale Längskomponenten (Singulärglieder der Serie) von qualitativ, zuweilen auch quantitativ übereinstimmender Beschaffenheit

Gleichheits- oder Identitätsserie

 

B.

 Komponenten nur von annähernd gleicher Qualität, mindestens mit Abstufungen der Quantität

Ähnlichkeits- oder Affinitätsserie

X.

A.

Nur qualitativ oder auch quantitativ übereinstimmende Komponenten gehören durchweg derselben Betrachtungswelt an, stehen entweder als objektive Körper (Naturgegenstände) oder als subjektivierte Kunstwerke, beides in Gestalt von Originalempfindungen, oder sämtlich in Gestalt von Erinnerungsempfindungen vor uns

Homologieserie

 

B.

Die dann selbstredend höchstens qualitativ ähnlichen Komponenten verhalten sich zueinander wie Originalerlebnis und Erinnerung, Modell und Kopie, natürliche Vorlage und künstliche Nachbildung

Analogieserie

XI.

A.

Die Komponenten verlaufen (erstrecken sich) in gleiche Richtung der Zeit und des Raumes

Reihen- oder direkte Serie

 

B.

Die Komponenten bewegen (erstrecken) sich in verschiedene Richtungen

Kreuzungs- oder inverse Serie

XII.

 

Die serialen Komponenten verhalten sich wie Negativ und Positiv, Form und Ausguß — die "entgegengesetzte Gleichheit" ist es, die sie zur Serie verbindet

Gegensätzliche oder Kontrastserie

XIII.

 

Beliebig verschiedene Komponenten (Dinge, Ereignisse), für sich bei je einmaliger Wiederkehr noch keine Serie formend, wiederholen sich in gleicher Aufeinander- oder Beieinanderfolge zwei-oder mehrmals

1. Nur zwei solche Komponenten befinden sich in Alternation

2. Mehr als zwei Komponenten, die sich insgesamt und in mannigfachster Kombination von Gleich und Ungleich in Zahl, Art und Folge zu alternierenden Teilstrecken (Zyklen) zusammenschließen, wechseln miteinander ab

   a) Komponenten und Teilstrecken (freier Turnus, Zyklen s. str.) unabhängig von der Zeit, d. h. ihre Dauer an keinerlei Regelmäßigkeit geknüpft

   b) Mindestens die eine Teilstrecke (gebundener Turnus, Phase) abhängig von der Zeit, ihre Dauer konstant

   c) Alle Teilstrecken (Perioden) von regelmäßiger Dauer, wenn auch notwendigerweise nur homologe Strecken untereinander darin übereinstimmend

Alternierende oder Wechselserie (s. l.)


Alternierende Serie s.  str.
 
Zyklische oder Kreislaufserie (s. l.)

 

Zyklische Serie s.  str.


Phasische Serie 


Periodische Serie 

- Paul Kammerer, Das Gesetz der Serie. Eine Lehre von den Wiederholungen im Leben und im Weltgeschehen. Stuttgart und Berlin 1919

Klassifikation (36)  Zur ersten Klasse gehören die Chefs, die Anführer, die bei dem Raube zum Zeichen ihrer Würde das Brecheisen als den Kommandostab in Händen haben. (Das Brecheisen in den Händen der Baimassematten oder Bahnherrn wird in den meisten Fällen kein Epitheton ornans sondern ein praktisches Werkzeug gewesen sein.) Zur zweiten Klasse gehören die Baldowerer. So nennen sie nämlich diejenigen, die einen reichen zu bestehlenden Mann auswittern, ihn dem Chef anbringen, und obgleich sie nicht mit in die Affäre ziehen, doch einen beträchtlichen Teil des Raubes erhalten. Zur dritten Klasse gehören die Veteranen, Räuber, die fast im nämlichen Rang mit dem Chef stehen und mit ihm zu Pferde oder in Chaisen an den zum Raube bestimmten oft sehr entlegenen Ort reisen, der Kern, die tüchtigsten, kühnsten, schlauesten der Banden. Zur letzten Klasse gehören die Jungens. Diese sind junge liederliche Burschen, die sich in oder bei dem zu bestehlenden Ort aufhalten, und von dem Chef oder den Veteranen nur zur Ausführung des einzelnen Raubes angeworben und nachher wieder zurückgeschickt werden.  - Nach (ave)

Klassifikation (37)  In seinen Collectanea rerum memorabilium berichtet Solinus von fünf verschiedenen Löwenarten.

Den von Plinius erwähnten Arten fügt er drei weitere hinzu: Die Spezies des kleinen Löwen mit krauser Mähne, die Spezies der großwüchsigen und wilderen Löwen und eine dritte Spezies, die er nicht beschreibt. Wir sind der aufrichtigen Meinung, daß die Löwen dieser letztgenannten Spezies die gefährlichsten sind, da wir nicht einmal über eine genaue Information hinsichtlich ihres Aussehens verfügen und die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, daß diese Löwen in ihrer Arglist bisweilen in die harmlosesten Verkleidungen schlüpfen. - Nach: Javier Tomeo, Der Löwenjäger. Berlin 1988

Klassifikation (38)  Einige Theologen teilen auch die bösen Dämonen in neun Grade ein, welche gewissermaßen den neun Ordnungen der Engel entgegengesetzt sind. Die, welche die erste Stelle einnehmen, heißen Pseudothei, d. i. falsche Götter, die den Namen Gottes mißbrauchend als Götter verehrt werden wollen und Opfer und Anbetung fordern, wie jener Dämon, der zu Christus sagte, indem er ihm alle Reiche der Welt zeigte: Das alles will ich dir geben, so du niederfällest und mich anbetest. Der Fürst dieser Ordnung ist derselbe, welcher sprach; Ich werde über die Wolken steigen und dem Höchsten gleich sein, und der deshalb Beelzebub, d. i. der alte Gott genannt wird. Als zweite Ordnung folgen die Lügengeister, zu denen jener gehörte, der als ein falscher Geist ausging in den Mund der Propheten Ahabs. Ihr Fürst ist jene Schlange Python, von der Apollo den Beinamen Pythius erhielt, und nach der auch jene Wahrsagerin bei Samuel benannt ist, sowie eine andere im Neuen Testamente, die einen Wahrsagergeist (Python) hatte. Diese Dämonengattung täuscht und betrügt die Menschen durch falsche Orakel und Weissagungen. Die dritte Ordnung ist die der Gefäße der Ungerechtigkeit, welche auch Gefäße des Zornes heißen. Diese sind Erfinder des Bösen und aller schlechten Künste, wie bei Plato jener Dämon Theutus, der Würfel- und andere Spiele lehrte; von ihnen geht jedes Verbrechen, alles Böse und Schändliche aus, und es wird ihrer im 1.Buch Mosis da, wo Jakob den Simeon und Levi segnet, mit den Worten gedacht: Meine Seele komme nicht in ihren Rat und meine Ehre sei nicht in ihrer Kirche. Der Psalmist nennt sie Gefäße des Todes, Je-saias Gefäße des Grimms, Jeremias Gefäße des Zorns, Ezechiel Gefäße des Mords und des Untergangs. Ihr Fürst ist Belial, was einen, der sich in kein Joch fügt, einen Ungehorsamen, einen Widersacher und Abtrünnigen bedeutet, von welchem Paulus in seinem 2. Briefe an die Korinther sagt: Wie stimmet Christus mit Belial? Die vierte Ordnung ist die der Rächer der Verbrechen. Ihr Fürst heißt Asmodeus, d. i. der das Urteil spricht. In der fünften Ordnung folgen sodann die Zauberer, welche Wunder nachahmen, den Schwarzkünstlern dienen und die Leute durch ihr Blendwerk verführen, wie die Schlange, die Eva verführte. Ihr Fürst heißt Satan, von dem in der Offenbarung Johannis geschrieben steht, daß er den ganzen Erdkreis verführe, indem er große Zeichen tue und vor den Augen der Menschen Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lasse. »Er verführet die auf Erden wohnen, um der Zeichen willen, die ihm gegeben sind«. Die sechste Ordnung ist die der Gewalten der Luft. Diese sind tätig bei Gewittern, verderben die Luft, erregen Pestilenz und andere Übel. Zu ihnen gehören die vier Engel, von denen die Offenbarung sagt, daß ihnen Macht verliehen sei, zu beschädigen die Erde und das Meer, und daß sie die vier Winde an den vier Ecken der Erde halten. Ihr Fürst heißt Meririrn, d. i. der Dämon des Mittags, der Glutgeist, der am Mittag wütende Dämon, welchen Paulus in seinem Briefe an die Epheser als den Fürsten bezeichnet, der in der Luft herrschet, als den Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. In der siebenten Ordnung befinden sich die Furien, die Stifterinnen des Unheils, des Streites, des Kriegs und der Verheerung. Ihr Fürst heißt in der Offenbarung auf Griechisch Apollion, auf Hebräisch  Abaddon, d. i.  der Vertilger und Verwüster.  Die achte Stelle nehmen die Ankläger oder Auskundschafter ein, deren Fürst Astaroth, d. i. der Kundschafter, auf Griechisch Diabolos, oder der Ankläger und Verleumder heißt, und der auch in der Offenbarung ein Ankläger unserer Brüder genannt wird, der sie vor Gott Tag und Nacht verklagt. Die letzte Ordnung endlich nehmen die Versucher oder Nachsteller ein, welche sich einzeln den Menschen zugesellen, und die wir deshalb böse Genien nennen. Ihr Fürst heißt Mammon und bedeutet die sinnliche Lust. Alle bösen Geister aber, wie einstimmig behauptet wird, schweifen gegen alles feindlich gesinnt in dieser unteren Welt umher und werden deshalb Teufel genannt.   - (nett)

Klassifikation (38)   Er fing an, von Monstern zu reden, so als ob dieses Thema eine Art Vorschule sei, um mich nach und nach in einen Violinisten zu verwandeln. Er unterschied zwischen exzessiven und defizienten Monstern und subsumierte unter der ersten Kategorie sämtliche Männer und Frauen, die mit zwei Köpfen geboren wurden, beziehungsweise mit einem überzähligen Arm oder Bein oder irgendeinem Gliedmaß, das die ursprünglich dafür vorgesehenen Maße um ein vielfaches überstieg.

»Und defiziente Monster?«, fragte ich.

»Unter defizienten Monstern«, erwiderte er, »sind jene zu verstehen, die mit irgendeinem Gliedmaßen zu wenig auf die Welt kommen oder die aufgrund übermäßiger Schlankheit in die Geschichte eingehen.«

Ich bat ihn, mir ein Beispiel zu nennen, und er erzählte daraufhin von einem Mann aus Andorra, der trotz seiner zwei Meter Länge nur neunundzwanzig Kilo wog.

»Unmöglich«, murmelte ich und wandte nun meinerseits den Blick zum Fenster. Dagoberto verglich jetzt den Andorraner mit einem Menschen namens Moscatini, der angeblich noch dicker war als Williams. Als er starb, gab man seine Kleider einem Armenhaus. In seinen Gehrock paßten sieben Bettler hinein.

»Wie ist es nur möglich«, fragte ich, »daß so fette Menschen geboren werden?«

Er zuckte die Schultern und antwortete, daß es in dieser Welt eben unergründliche Geheimnisse gebe. Dann redete er weiter, nicht alle exzessiven Monster fielen allein durch Fettleibigkeit auf, und er erzählte von dem kleinen Chinesen aus Macao und von Iwanow, einem russischen Landarbeiter, der drei Arme und sieben Finger an jeder Hand hatte. Während er all dies vorbrachte, zerbrach ich mir den Kopf, wie es nur möglich sei, daß jemand so unbeschreiblich dummes Zeug aneinanderreihen konnte. Trotzdem bat ich, er solle noch von ein paar defizienten Monstern erzählen, und er nannte sogleich einen gewissen Ali Pascha, einen türkischen Soldaten, den die Russen in der Schlacht von Woroschilow gefangen nahmen, und der kaum größer als ein Rebhuhn war.

»Mit dem Turban dieser Miniatur«, fuhr er fort, »konnte sich ein normaler Mensch gerade noch den Finger verbinden, aber dafür spielte der Mann Flöte und konnte ausgezeichnet tanzen.«

Er machte eine Pause, entschuldigte sich, ihm sei heiß, und ließ das Fenster herunter, wahrscheinlich, um ein bißchen frische Luft zu schnappen. Nachdem er sich wieder hingesetzt hatte, meinte er, ihm sei ein Staubkorn ins Auge geflogen, und jetzt sah ich, daß er weinte. Ich vermutete, daß ihm die Sache mit den Monstern nahegegangen sein müsse; wenn der geeignete Moment da war, überlegte ich, könnte sich das als weiterer Trumpf zu meinen Gunsten herausstellen.

»Erzählen Sie mir was von dem kleinen Chinesen aus Macao«, bat ich ihn.

Während er sich immer noch mit dem Taschentuch die Augen betupfte, meinte er, das sei keine besonders lustige Geschichte, denn dieser kleine Chinese habe infolge eines Wespenstichs noch vor seinem zwölften Geburtstag das Zeitliche gesegnet. Er hatte zwei Köpfe, von denen aber der überzählige, um ihn einmal so zu nennen, erheblich mehr Feingefühl bewies. Jedes Mal, wenn der Junge mit dem normalen Kopf etwas aß, das ihm schmeckte, lief dem anderen Kopf das Wasser im Mund zusammen.

Das sei ein bewegendes Beispiel für Liebe und gegenseitiges Verständnis, bemerkte ich, und er berichtete mir daraufhin von zwei anderen Fällen von Bizephalie, von einem portugiesischen Hirtenjungen und von einem Mädchen aus Toledo. Beide Köpfe des kleinen Portugiesen wurden getauft. Der eine wurde Jüan genannt, der andere Baldomero. Trotzdem durchlitten sie alles gemeinsam. Wurde Baldomero am Ohr gezogen, weinte Juan und vice versa.

»Was das Mädchen mit zwei Köpfen aus Toledo angeht, so wurde sie zwar mit zwei Köpfen geboren, aber, wie jedermann, nur mit einer Speiseröhre und einem Magen.«

Ich verlangte zu wissen, ob auch die anderen beiden Bizephalen - also der kleine Chinese aus Macao und der portugiesische Hirtenjunge - mit nur einem Magen zur Welt gekommen seien, aber er wollte oder konnte nicht antworten. Er beschränkte sich auf die Erklärung, von den beiden Köpfen dieser kleinen Spanierin habe nie einer dasselbe wie der andere gewollt, und schon beim lächerlichsten Anlaß hätten sie Streit miteinander angefangen; daraufhin schwieg er, wahrend seine rechte Hand immer noch das Taschentuch umklammert hielt.

Der Zug raste jetzt bergab und schlingerte auf eine Weise, daß ich fürchtete, wir könnten in jedem Moment entgleisen. Dagoberte jedoch schien mit anderen Dingen beschäftigt.

»Können Sie sich das vorstellen?«, fragte er mich unvermittelt, während die Lokomotive einen Pfiff ertönen ließ, als sei sie über ihre eigene Geschwindigkeit erschrocken, »die Tragödie dieser von Gott geschaffenen Kreatur mit ihrer gespaltenen Seele, in der die verstockteste Orthodoxie ständig im Streit lag mit dem bedingungslosen Willen zur permanenten Erneuerung?«  - Javier Tomeo, Unterhaltung in D-Dur. Berlin 1995 

Klassifikation (39)  An der Barbary Coast gab es Kuhstallhuren, Barackenhuren und Salonhuren. „Kuhstall" nannte man ein zwei- oder dreistöckiges abbruchreifes Haus mit langen Korridoren und rechts und links davon kleine Schlupflöcher, soviel man nur unterbringen konnte. In jedem davon gab es eine Frau. Ich habe Kuhställe gesehen, wo hundertfünfzig bis dreihundert Huren an der Arbeit waren. Man kann sich den Lärm, den Gestank, das Geschwätz und Gefick kaum vorstellen, das hier versammelt war.

Die chinesischen Sklavenmädchen arbeiteten in Baracken, ebenso wie Negerinnen und weiße Frauen, die von den Salonhäusern und Kuhställen noch eine Stufe weiter abgesunken waren. Eine Baracke war einfach eine kleine, billige Hütte. Vorn gab es einen winzigen Aufenthalts räum, dahinter den Arbeitsraum. Vor der Hütte stand ein Stuhl, und wenn die Hure Mexikanerin war oder Irin, stand auch ein Altar mit einer Muttesgottes und einem Glas brennenden Olivenöls davor. Die Hure hatte dann meistens den Kopf der Muttergottes vom Arbeitsraum weggedreht. Heruntergekommene Huren fühlen sich gern zu einer Religion hingezogen, deren Gott ein nackter Mann an einem Kreuz ist. Im Arbeitsraum war gerade genug Platz für ein schmales Messing- oder Eisenbett und einen Waschtisch mit einer Zinnschüssel. Manchmal lag sogar eine echte Marmorplatte auf dem Tisch. Daneben stand ein Petroleumofen mit einem Krug heißen Wassers darauf, ein Fläschchen Karbol fand sich für die Sauberkeit und Hygiene. Außerdem gab es noch einige Handtücher und eine Kiste für die Kleider der Hure. An den Wänden waren Kalender aufgehängt, Schlagertexte, kolorierte Postkarten, und über dem Bett, von einem Kranz gedruckter Rosen oder anderer Blumen umgeben, stand der Name: Ruthie, Mamie, Sadie, Dot, Daisy, Millie. Es waren nicht die saubersten Betten, die es da gab, und es lag immer ein Streifen rotes oder gelbes Ölpapier am Fußboden ausgebreitet. Denn die Zweidollar- und Vierdollar-Barackenkundschaft zog sich oft nicht einmal die Stiefel aus, ja sie durfte überhaupt nichts ablegen außer ihrem Hut - um zu zeigen, daß sie Respekt vor einer Hure hatte, wie Mary sagte.  - Nell Kimball, Madame - Meine Mädchen, meine Häuser. Hg. Stephen Longstreet. Frankfurt am Main, Wien und Berlin 1982 (entst. ca. 1917-1932) 

Klassifikation (40)  Selbstmörder tun sich entweder Gewalt an, oder sie geben sich selber nach und scheinen einer verhängnisvollen Kehre ihres Schicksals zu folgen. Die einen stehen unter dem Zwang der Begebenheiten; die andern bezwingt ihre eigene Natur; und alle äußere Gunst, die ihnen das Schicksal erweist, wird sie nicht davor zurückhalten, den kürzesten Weg zu wählen.

Noch eine dritte Art des Selbstmordes läßt sich aber denken. Es gibt Menschen, die ihr Leben so kühl betrachten und von ihrer Freiheit eine so unbedingte, so eifersüchtig gehütete Vorstellung haben, daß sie nicht gewillt sind, die Umstände ihres Todes dem Zufall der Geschehnisse oder der Wechselgeschicke ihres Organismus zu überlassen. Alter, Verfall, Überraschung widert sie an. In der Antike findet man einige Beispiele und das Lob solch unmenschlicher Standhaftigkeit.

Wogegen der von den Umständen erzwungene Selbstmord (der im Eingang erwähnt wurde) von seinem Urheber zu einem bestimmten Zweck erdacht wird. Er erklärt sich aus der Unmöglichkeit, ein bestimmtes Übel genau auszumerzen. Der Teil kann nur über die Vernichtung des Ganzen getroffen werden. Man hebt das Ganze und die Zukunft auf, um das Einzelne und die Gegenwart zu zerstören. Man löscht das Bewußtsein überhaupt aus, weil man es nicht versteht, nur den einen Gedanken auszulöschen; das ganze Empfindungsvermögen, weil man mit einem bestimmten, unbesiegbar anhaltenden Schmerz nicht fertig wird.

Herodes läßt alle Neugeborenen erwürgen, weil er den einzigen nicht zu erkennen vermag, auf dessen Tod es ihm ankommt. Ein Mensch, verärgert durch eine Ratte, die sein Haus beunruhigt und sich nicht haschen läßt, brennt das ganze Gebäude nieder, weil er es nicht von diesem einen Tier zu reinigen weiß. Die Erbitterung über eine unerreichbare Stelle unseres Wesens reißt so das Ganze zur Selbstvernichtung hin. Der Verzweifelte wird dazu geführt oder gezwungen, ohne Unterscheidung zu handeln. Diese Art des Selbstmords ist eine grobe Lösung. Es ist nicht die einzige. Die Geschichte der Menschheit ist voll grober Lösungen. Alle unsere Ansichten, die Mehrzahl unserer Urteile, die meisten unserer Handlungen sind bloßer Notbehelf. Zur zweiten Art von Selbstmord werden Menschen getrieben, die der düsteren und grenzenlosen Trauer, der Besessenheit, dem Taumel der Nachahmung, der Benommenheit von einem unheilvollen und seltsam gehätschelten Bild widerstandslos verfallen. Die so Gearteten sind gleichsam empfänglich geworden für die Vorstellung oder den Begriff der Selbstzerstörung. Sie gleichen Rauschgiftbetäubten, denn in ihrer Verfolgung des Todes stellt man dieselbe Hartnäckigkeit fest, dieselbe Beklommenheit, List und Verstellung, wie bei Rauschgiftsüchtigen, die sich ihre Droge verschaffen wollen.

Einige suchen nicht wirklich den Tod, sie wollen eine Art von Trieb befriedigen. Manchmal ist es die Todesart selbst, die sie fasziniert. Wer sich am Galgen sieht, der wird sich nie in den Fluß werfen. Der Ertrinkungstod inspiriert ihn nicht. Ein Schreiner verfertigte einmal eine sehr klug entworfene Guillotine um der Wollust willen, welche die reinliche Trennung des Kopfes vom Körper gibt. Dieser Selbstmord hat etwas Ästhetisches an sich und die Sorge um die gewissenhafte Ausführung der letzten Handlung.

All diese zweimal Sterblichen scheinen im Schatten ihrer Seele einen nachtwandlerischen Mörder, einen unversöhnlichen Träumer, einen Doppelgänger zu bergen,—Vollstrecker einer unbeugsamen Weisung, Sie haben oft ein leeres, geheimnisvolles Lächeln; das Zeichen ihres immergleichen Geheimnisses. Es bezeugt (wenn man dies überhaupt schreiben kann) die Gegenwart ihrer Ferne. Vielleicht gilt ihnen ihr Leben als vergeblicher oder mühseliger Traum, der ihnen immer mehr zur Last wird und aus dem sie immer lieber erwachen möchten. Alles scheintihnen trauriger und nichtiger als das Nichtsein. Ich will diese Betrachtungen mit der Untersuchung eines nur erdachten Falles beschließen. Man könnte sich einen Selbstmord aus Zerstreutheit vorstellen, der kaum von einem Unfall zu unterscheiden wäre.

Ein Mann handhabt eine Pistole und weiß, daß sie geladen ist. Er hat weder Lust noch die Absicht sich zu töten. Aber er ergreift die Waffe mit Vergnügen, seine Handfläche umfaßt den Kolben, sein Zeigefinger umschließt den Abzugbügel mit einer Art von Wollust. Er stellt sich die Handlung vor. Allmählich wird er zum Sklaven der Waffe. Sie bringt ihren Besitzer in Versuchung. Beiläufig richtet er die Mündung gegen sich. Er nähert sie seiner Schläfe, dann seinen Zähnen. Nun ist er beinah in Gefahr, weil der Gedanke an das Funktionieren, der Zwang einer vom Körper entworfenen und vom Geist vollzogenen Handlung ihn übermannt. Der Kreislauf des Impulses strebt sich zu schließen. Das Nervensystem erzeugt sich selber eine geladene Pistole, und der Finger will sich plötzlich krümmen.   - (pval)

Klassifikation (41)   «Die Prostitution ist ein Spiegelbild dieser Gesellschaft. Wir befinden uns mitten im Spannungsfeld zwischen staatlicher Subventionierung und Schwarzarbeit, industrieller Umstrukturierung und individueller Armut. Wenn wir nun die Nutten klassifizieren, die auf dem Markt sind, erfahren Sie mehr über Soziologie, als wenn Sie einen Kurs an der Autonomen Universität belegen würden, wie ich das vor einiger Zeit tat. Fangen wir mal an. Die traditionelle Nutte auf dem Straßenstrich, in einer Bar oder im Nuttenviertel, gehört zu einer Spezies, die im Aussterben begriffen ist, aber neuerdings wieder belebt wird durch frisches Blut aus der Arbeitslosengeneration. Es ist die primitivste und daher anspruchsloseste Spezies, also sucht man besser höhere Niveaus der Prostitution. Dessenungeachtet stößt man bei gründlicher Suche auf echte Billigangebote zu unglaublichen Preisen, vor allem im unteren Teil der Ramblas oder an der Kreuzung der Calle del Hospital und der Calle de la Puerta Ferrissa. Dann kommen traditionelle Spezies, die sich kaum verändert haben, wie die Nutte der Cafés, die ihren historischen Ursprung in der Carretera de Sarriá> hat, aber unter der Konkurrenz des Callgirls leidet, die unter der Rubrik ‹Massage und Kontakte› in der Vanguardict und El Periödico annonciert. Haben Sie die Literatur gelesen, die diese Angebote lanciert? Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen! Es geht weiter mit der angeblichen Gelegenheitsprostituierten, die von einer Kupplerin vermittelt wird, heimlich, damit der Ehemann nichts davon erfährt, weil sie gerade schwierige Zeiten durchmacht, Arbeitslosigkeit und so weiter, oder weil Drogenabhängigkeit oder eine religiöse Sekte sie zur Prostitution zwingen. Es ist alles vertreten. Es würde zu weit führen, dies genauer zu erläutern, jedenfalls bevorzuge ich die Massagesalons, aber erkundigen Sie sich vorher, bevor Sie hingehen, denn nicht alle verstehen ihr Handwerk gleich gut. Das Beste ist, man geht in ein Etablissement von einer gewissen Tradition, das den kompletten klassischen Service bietet, von der Sauna bis zum Fick mit allen Extras, über eine gekonnte Massage, trocken oder feucht, mit oder ohne japanische Algen, Whisky ‹Black Label› und Videofilmen, wo immer derselbe Neger mit einem langen Schwanz auftritt und dieselbe Blondine, die ihm einen bläst.»

Die Augen und die Lippen des Autodidakten glänzten.

«Wir gehen in einen klassischen Massagesalon. Es ist das, was dem römischen Reich am nächsten kommt, in einer Zeit des Verfalls, in der Katalonien als Nation untergeht, obwohl es den Anschein hat, als sei gerade das Gegenteil der Fall. Aber Spanien und Europa müssen gut achtgeben, denn die Barbaren stehen vor den Toren.»  - Manuel Vázquez Montalbán, Die Rose von Alexandria. Reinbek bei Hamburg 1995 (zuerst 1984)

Klassifikation (42)  Da lag eine gut sortierte Auswahl europäischer Frauen, die ihre Brüste der Sonne darboten; Brüste wie Spiegeleier oder Birnen in Sirup oder eingeschrumpfte Punchingbälle. Die Spiegeleierbusen sahen aus wie diese Eier vom Backblech, die es in Cafeterias gibt - Eier, bei denen das Eiweiß mit einer gewissen traurigen Schlaffheit koaguliert und der Dotter dem anachronistischen Fluch des Alles oder Nichts zum Opfer fällt: entweder er schwabbelt, weil er zu roh ist, oder er hat durch das lange Garen seinen Aggregatzustand verändert. Die Birnenbrüste brauchten anscheinend das Netzwerk blauer Adern, um der Versuchung des Verfalls zu widerstehen, da ihre innere Festigkeit der Verschwörung der Drüsen zum Opfer gefallen war, und sobald sich die Besitzerin des Birnbaums in die Sonne legte, sahen ihre Brüste wie das mißratene Werk eines Konditors aus, wie Pudding, bei dem sich die Milch nicht richtig mit dem Biskuit verbunden hatte. Und was die Brüste anging, die wie ein geschrumpfter Punchingball aussahen - sie wurden in der Hoffnung auf ein Wunder der Warme und des Frühlings der Sonne ausgesetzt. Der Baske hatte die Idee, daß sie, wenn man die Lippen an die Brustwarzen legen und blasen würde, wieder das würden, was sie einmal gewesen waren, und auf den Gesichtern der aufgereihten Sonnenbadenden würde sich ein zufriedenes und dankbares Lächeln ausbreiten, ohne daß sie das Bedürfnis hatten, die Augen aufzuschlagen und nachzusehen, wer der begnadete Bläser war. Dann teilte der Baske die Männerbäuche, die sich der Sonne entgegenreckten, ebenfalls in Grundkategorien ein: der Gurkenbauch eines männlichen Schwangeren in der Horizontale, der Hängebauch auf der Jagd nach den eigenen Hoden und die Stahlkammer, in die alles hineinpaßt.  - Manuel Vázquez Montalbán, Wenn Tote baden. München 2003

Klassifikation (43)  

Klassifikation (44)  

- N. N.

Klassifikation (45)   Fourier geht von 12 Leidenschaften (plus Unterformen) aus, die er in fünf sensitive (die Sinnesvermögen), vier affektive und drei „distributive“ Leidenschaften unterteilt, wobei die beiden letzteren in unterschiedlicher Weise als soziale Leidenschaften begriffen werden. Während die affektiven Leidenschaften – Freundschaft, Liebe, Familiensinn und Ehrgeiz – zur Gruppenbildung streben, lassen sich echte Serien erst durch das vereinte Zusammenwirken der sog. distributiven Leidenschaften herstellen, denen Fourier eine organisierende (er nennt es: „mechanisierende“) Funktion zugedenkt. Die Zusammenstellung dieser Rubrik mag überraschen, denn er fasst darunter neben der Leidenschaft der Begeisterung und Solidarität ( passion composite) den Schmetterlings- oder Veränderungstrieb ( passion papillonne) sowie die Intrigen- und Streitlust ( passion cabaliste). Während der Schmetterlingstrieb den raschen Wechsel der Arbeiten gebietet, sorgt die Streitlust für produktive Rivalität, und der Begeisterungstrieb – der bestimmend werden kann, sobald die Entscheidung für eine Tätigkeit aus Leidenschaft getroffen wird – bewirkt, dass die Gruppen bei ihren Tätigkeiten permanent „elektrisiert“ werden. Gemeinsam bilden die distributiven Leidenschaften das „Zaubermittel“, das in der sozietären Ordnung die Anwendung von Sanktionen und Strafen überflüssig machen soll. Definitiv erst im Zustand der Harmonie entsteht schließlich eine 13. Leidenschaft, der „Unitismus“,  als die noch unentwickelte „Neigung des Menschen, das eigene Glück mit dem seiner Umgebung und dem der ganzen, heute so hassenswerten Menschheit in Einklang zu bringen.“  - Charles Fourier,  Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen, Hg. Theodor W. Adorno. Frankfurt a. M. / Wien 1966 (zuerst 1808). Nach: Eva Johach, Universale Analogien und passionelle Serien.

Klassifikation (46)  Als Charleval sie drängte, ihm ihr wißt schon was zu gewähren, sagte Ninon: «Warte, bis ich bei Laune bin.» Er war ihr erster Märtyrer, nie bekam er von ihr auch nur das Geringste, ebensowenig wie Brancas. Was mich aber am meisten überraschte, war der verstorbene Moreau, der Sohn des Stellvertretenden Oberrichters von Paris; er war sehr liebenswürdig. Sie hat ihn als Freund immer sehr gemocht, aber er ist gestorben, ohne von ihr irgendeine Gunst erlangt zu haben.

Ninons Liebhaber wurden in drei Klassen eingeteilt: die Zahler, an denen sie kaum Anteil nahm und die sie nur so lange duldete, bis sie genug besaß, sich ihrer zu entschlagen; die Märtyrer und die Günstlinge.

Sie sagte, sie möge sehr die Blonden, daß sie aber nicht so leidenschaftlich seien wie die Braunen.  - (tal)

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