erl, netter   Arthur Moeller-Bruck schrieb in unendlich komplizierten Satzgefügen unheimliche Wälzer über die moderne Literatur; den holländischen Adel vor seinem zweiten Namen und die völkische Rassentheorie hatte er noch nicht entdeckt. Persönlich war er ein netter Kerl und unbeschreiblich leichtsinnig. Er ging in sehr origineller Eleganz, Monokel im Auge, langer, grauer Gummimantel, Stöckchen mit silbernem Griff und hellgrauer Zylinder. Dabei hate er kaum je fünfzig Pfennig in der Tasche, pumpte uns groschenweise an und lud uns, die ganze Schar vom Armen Teufel und von der Fröhlichen Kunst, eines Abends zu einem opulenten Souper in den Friedrichshagener Ratskeller ein. Als es ans Zahlen ging, überreichte er mit vornehmer Geste dem Kellner seine Visitenkarte. Wir haben unter monatelangem Schwitzen den Schaden durch Umlagen und Vergleiche mit dem Wirt ausgleichen müssen. - Erich Mühsam, Unpolitische Erinnerungen. Hamburg 2000 (zuerst ca. 1930)
 
 

Kerl

 

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