arriere, dadaistische
 

 AKTIONEN vom 29. JULI 1918 bis zum 21. APRIL 1921

 30. Juli 1918:

Die Forderung der Nobelpreise in der B.Z.

Oktober 1918: 

Max Scheidemann wird in den Club Dada aufgenommen auf Linie F der Grossen Berliner Straßenbahn. Desgleichen: Baader läßt in der Berliner Presse seine Reichstagskandidatur als Ersatz für den verstorbenen Reichstagspräsidenten Kämpf erklären, und das "Berliner Tageblatt" und die "tägliche Rundschau" klatschen Beifall, worauf der Oberdada weiter keinen Wert mehr auf die Kandidatur legt.

17. November 1918:

Die Rede im Berliner Dom: "Ihr alle würdet, im stillen gefragt: "Was ist uns Jesus Christus?" antworten: "Jesus Christus ist uns wurscht!" - Zum mindesten gebt Ihr diese Antwort durch Euer tatsächliches Handeln!"

5. Februar 1919:

Eroberung des Potsdamer Platzes durch die Dadaisten und Ernennung des Oberdada zum Präsidenten im Rheingold.

1. April 1919:

Der Präsident stirbt. (Berliner Achtuhr-Abendblatt vom 2. April 1919. Rundlauf der Todesnachricht durch die gesamte Weltpresse. Wiederauferstehen am 11. April 1919. unbemerkt in der "Grünen Leiche".

16. Juf 1919: 

Widmung der "Grünen Leiche" an die Weimarer Nationalversammlung, persönlich, durch Abwurf der Flugblätter über die Häupter der Abgeordneten am Tage der Genehmigung des Artikels 118 der Weimarer Verfassung: "Jeder Deutsche hat das Recht, seiner Meinung in Wort und Schrift, oder in anderer Form, freien Ausdruck zu geben."

11. November 1919:

Zwölf Uhr mittags. Mitteleuropäischer Zeit, findet die Aushändigung der Überstaatsvisitkarte an den Oberdada statt, in der Druckerei Rob. Barthe & Co, Berlin W. 57, Dennewitzstraße.

19. Januar 1920:

 Die Dadasoiree im Saal der Kaufmannschaft zu Dresden: "Der Oberdada als Tierbändiger."

20. Februar 1920:

Die mit Panzerwagen geschützte Dadaversammlung im Curiohaus zu Hamburg.

24. Februar 1920:

 Die Versammlung im Zentrattheater in Leipzig, durch eine Kette von Schutzleuten vor der Bühnenrampe gesichert,

1. März 1920, Prag:  

 Der Oberdada wirft den Dadaisten Hausmann und Hülsenbeck die Produktenbörse vor die Füße, erzwingt aber dennoch im Juli 1920 seine Beteiligung an der DadaAusstellung in Berlin, am Lützowufer 13, und stellt dabei seine "Phantastische Lebensgeschichte" aus, in drei Stockwerken, einem Tunnel, einem Rohrsessel, einer Messingstange und einem Zylinderabschluß.

21. April 1921: 

Verhandlung vor dem Berliner Landgericht II gegen die Veranstalter der Dada-Ausstellung in Berlin vom Sommer 1920. Die Verhandlung läuft unter dem Rubrum: "Gegen Baader und Genossen ". Baader erklärt dem Gericht, daß die Anklageschrift falsch adressiert ist: Den Titel des Oberdada hat er sich selber zugelegt und die Herren Richard Hülsenbeck, Raoul Hausmann, George Grosz, John Heartfield und Walter Mehring mußten ihn gezwungenermaßen akkreditieren.

Zu befehlen haben sie ihm nichts; er ihnen auch nicht. Die Ausstellung hat er weder angeordnet noch veranstaltet. Er hat sich nur beteiligt. Im übrigen haben die Dadaisten, wenn sie von ihrem Oberdada taktisch und strategisch durch Übersteigerung ihres dadaistischen Nonsenses angegriffen wurden, stets den allererheblichsten Mangel an Humor sehen lassen, und außerdem würde es auch ganz Deutschland nichts schaden, wenn es nach außen und innen manchmal etwas mehr Humor aufbringen könnte.

 

 

 Mit dem Bericht des "Berliner Lokalanzeiger" über diese Verhandlung, nachdem der Staatsanwalt die Anklage gegen Baader, den nicht inkriminierten "Oberdada" zurückgezogen hatte, fand die vom sogenannten, niemals vorhanden gewesenen "Club Dada" gedeckte "Dadaistische Bewegung" ihr Ende. Nicht aber der Oberdada und seine Bewegung, die ganz etwas anderes wollte als die Dadaisten.

 - Johannes Baader, Das Oberdada. Siegen 1987 (Vergessene Autoren der Moderne XXXI, Hg. Franz-Josef Weber und Karl Riha)

 

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