Karawane

- Apollonia Saintclair

Karawane (2)  «Ich will meinetwegen den Flammentod sterben, aber er soll mir auf Solimans Thron sitzen!» Bei diesen Worten wirbelte sie sich wie eine Hexe um, so daß Morakanabad entsetzt zurückwich, hieß sofort ihr großes Kamel Albufaki satteln und befahl von ihren stummen Negerinnen die abschreckend häßliche Nerkes und die grausam gefühllose Kafur zu sich. «Ich brauche kein anderes Geleit», sagte sie zu Moraka-nabad, «meine Reise ist höchst dringlich und jeder Aufwand deshalb überflüssig. Bekümmre dich ums Volk, rupfe es tüchtig in meiner Abwesenheit, denn wir geben viel Geld aus, und man weiß nie, was kommt!»

Die Nacht war stockfinster, und der Wind fuhr wie die Pest über die Ebene von Katul. Kein Mensch wäre bei so einem Wetter gereist, und hätte er es auch noch so eilig gehabt. Aber Karathis liebte alles, was andre Leute mit Schrecken erfüllte. Nerkes hatte denselben Geschmack wie ihre Herrin, und Kafur schwärmte für alles, was an schwarze Pest erinnerte. Am Vormittag machte die seltsame Karawane mitsamt den Holzbauern, die den Weg wiesen, am Rand eines großen Sumpfes halt. Aus dem Boden stiegen üble Dämpfe auf, die jedes andre Tier getötet hätten, ausgenommen Albufaki, das die giftigen Nebel höchst erfreut einsog.

Die beiden Führer rieten dringend ab. an diesem Ort zu schlafen, aber Karathis rief aus: «Schlafen? Was für ein verrückter Gedanke! Ich schlafe nur, um Gesichte zu haben, und was mein Gefolge angeht, die haben viel zu viel zu tun, um ihr eines Auge schließen zu dürfen.» Da waren die armen Burschen nicht sehr erbaut über diese Gesellschaft und standen mit offenen Maule da. Karathis und die beiden Negerinnen stiegen von ihrem Reittier ab, zogen sich die Obergewänder aus und machten sich hurtig daran, in der siedigen Sonnenglut giftige Krauter zu pflücken. Sie legten diesen Vorrat insbesondere für die Familie des Emirs an, aber auch für jeden ändern, der dem Zug nach Istakar das geringste in den Weg legen würde. Ein wahres Grauen packte die Holzhauer, als sie die drei Schreckgestalten hin und her hasten sahen, und auch das Kamel Albufaki wurde ihnen langsam unheimlich, als bald darauf auf Karathis' Befehl die Reise weiterging, obwohl es hoher Mittag war und die Steine rauchten. - William Beckford, Vathek. Stuttgart 1983 (Bibliothek von Babel, Bd. 3., Hg. J. L. Borges)
 

Araber Kamel Hintereinander Handel

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