aninchen     Der gewöhnliche Prozeß des Abschlachtens ist folgender: Die Köchin hält ein dazu bestimmtes Kaninchen mit ihrer linken Hand an den Ohren, schlägt es hernach mit einem Hammerstiel, oder einem anderen Stück Holz unter den Ohren derb ins Genicke, sogleich ist es todt, und in eben dem Augenblicke muß ihm die Gurgel abgeschnitten werden.  - Georges Louis LeClerc de Buffon, Naturgeschichte der vierfüßigen Thiere. Bd. 3, dt. 1775

 Kaninchen (2)  Grüble nicht, nimm, was du hast, tu deine Arbeit, und du wirst ein langes Leben haben und ein sehr lustiges. Ist es nicht in der letzten Zeit sehr lustig gewesen? Worüber beklagst du dich? Das ist eben das Gute bei dieser Arbeit, sagte er zu sich, und der Gedanke machte ihm Spaß: nicht so sehr das, was du lernst, als die Leute, die du triffst! Er war jetzt wieder vergnügt, weil er einen Scherz gemacht hatte, und er kehrte zu dem Mädchen zurück.

«Ich liebe dich, Kaninchen», sagte er zu ihr. «Was sagtest du?» - Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt. Frankfurt am Main 1978 (zuerst 1940)

Kaninchen (3)   Daß Sie bei Ihrer Erfahrung nicht wissen, was los ist, begreife ich nicht. Die Ehe ist doch eine Institution zur Lähmung des Geschlechtstriebes, also eine christliche Einrichtung, Abraham und Odysseus litten nicht an ihr. Für den Mann gibt es doch nur die Illegalität, die Unzucht, den Orgasmus, alles, was nach Bindung aussieht, ist doch gegen seine Natur. Eine Banalität! Hamsun sagt: es gibt nur eine Liebe -: die gestohlene, - er hat recht. In der Ehe gibt es Wirtschaftsfragen, Essensfragen, Geselliges, »gemeinschaftliche Interessen« — alles Torpedierungen des Sexus. Die menschliche Bindung an die Gattin lahmt das Gemeine, Niedrige, Kriminelle, das jedem echten Koitus für den Mann zugrundeliegt, er wird impotent, aber diese Impotenz in der Ehe ist eine Ovation für die Ehepartnerin als Mensch. Ich habe daher schon oft gedacht, Frauen müßten Kaninchen sein, dann wären sie anders organisiert wie wir, wüßten nicht, was wir denken und tun, sie könnten in der Bettstelle schlafen, unten an den Füßen, sie sind ja reizende Hasen, die Kaninchen, - mit ihren weichen wellenförmigen Bewegungen haben sie geradezu etwas Mystisches, ich finde sie die apartesten Tiere, - und alles wäre in Ordnung. Leider aber sind sie keine Kaninchen, sondern eine Art Menschen, wenigstens in Europa u USA. Also das von Ihnen geschilderte Dilemma mit allen Folgen! Ich rede ganz im Ernst und spreche aus meiner ärztlichen Erfahrung, die ja in Hunderte von Ehen sieht. Trotz dieser Tatsachen würde ich doch zu den medikamentösen Hilfen greifen: Kalk, Vitamin E, Testoviron u. Hypophysenpräparate -, damit Sie die Ovation für Ihre Gattin nicht übertreiben. - Gottfried Benn an Erich Reiss, 3. März 1949. In: G.B., Das gezeichnete Ich. Briefe aus den Jahren 1900-1956. München 1962 (dtv 89)

Kaninchen (4) sind im Allgemeinen die Lieblinge von Kindern. Die, um die es hier geht, sind jedoch die Lieblinge von Mathematikern; sie stammen aus dem 13. Jahrhundert und haben in der Geschichte der Mathematik einen festen Platz gefunden. Entdeckt hat sie der italienische Mathematiker Leonardo von Pisa, auch Fibonacci genannt, als er sich dafür interessierte, wie sich Kaninchenpaare unter bestimmten Bedingungen vermehren. Die Zahlenfolge, die er als Lösung des Problems fand, lautet 1, 1, 2,3, 5, 8, 13 usw., d.h., jede Zahl ist die Summe der beiden vorangegangenen:

Fn = Fn-1 + Fn-2

Diese heute als Fibonacci-Folge bekannte Zahlenreihe hat einige überaus bemerkenswerte Eigenschaften. Teilt man jede in ihr vorkommende Zahl Fk durch ihren Vorgänger - Fk/Fk-1 -, so strebt die Folge der Quotienten gegen den Wert 1,6180339... bzw. gegen 0,6180339..., wenn jedes Fk durch das nachfolgende Fk+1 geteilt wird. Der Wert = 0,6180339... aber ist aus anderem Zusammenhang als Goldener Schnitt bekannt. Dieser ergibt sich, wenn man eine Strecke der Länge 1 so teilt, dass der kleinere Teil (1 - a) sich zum größeren (a) so verhält wie der größere zur ganzen Strecke:

(1-a)/a = a/1

Daraus ergibt sich

Der Goldene Schnitt spielt in der Natur und in der bildenden Kunst eine herausragende Rolle. - Karl Günter Kröber, Ein Esel lese nie. Mathematik der Palindrome. Reinbek bei Hamburg 2003

 

Hase

 

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