kanaille Frau von Prie, die Geliebte des Regenten, hatte auf Rat ihres Vaters, eines Händlers namens Pléneuf, eine so große Menge Getreide aufgekauft, daß das Volk zur Verzweiflung und schließlich zum Aufstand getrieben wurde.

Eine Kompanie Musketiere sollte den Aufruhr beschwichtigen, und ihr Leutnant, Herr d'Avejan, hatte Befehl, auf die Kanaille zu feuern, denn so nannte man damals das Volk in Frankreich. D'Avejan machte sich aber als anständiger Mensch ein Gewissen daraus, auf seine Mitbürger schießen zu lassen und führte seinen Befehl auf folgende Art aus: Er ließ zur Salve antreten, und ehe er 'Feuer' kommandierte, ging er auf die Menge zu, in der einen Hand seinen Hut, in der anderen den Befehl des Hofes.

"Meine Herren," rief er, "laut Befehl soll ich auf die Kanaille feuern. Ich bitte daher alle anständigen Leute, sich zu entfernen, bevor ich Feuer geben lasse."

Alle verschwanden so rasch wie möglich. - (Chamfort)

Kanaille (2)

Kanaille


IVAN TURGENEV: Schneidergeselle, Wüstling, verbraucht, ekelhaft, böse wie der Teufel, gewalttätig, aber ohne jeden Mut, Frauen verabscheuen ihn, ist nicht gesund, falsch, schmutzig, plebejisch gekleidet, knotige Hände mit blauen Fingernägeln, hat das Aussehen eines Schwindsüchtigen — aber einen eisernen Körper und wird unter Schlägen in einer Kneipe sterben.

PAULINE VIARDOT: Dieser Herr ist ein scheußlicher Alptraum — Redakteur irgend einer infam-verleumderischen Gazette — er ist eine Pest, eine Canaille — zudem ein Feigling. Wenn er keine Arbeit hat, geht er zur Polizei — als Mann in der zweiten Reihe — er wird nie erster sein. Dieser Mensch tut für Geld alles, was man von ihm verlangt — niederträchtig von Kopf bis Fuß.

- (turg)

Kanaille (3)  Es sei einfach nicht mehr möglich, sagte Condé mir fluchend, die Unverschämtheit und Frechheit dieser Bürger zu ertragen, die ja die Autorität der Krone antasteten; solange er geglaubt habe, sie hätten es nur auf den Mazarin abgesehen, sei er für sie gewesen; ich selbst hätte ihm ja mehr als dreißigmal zugegeben, man könne sich niemals ganz auf Leute verlassen, die von einer Viertelstunde zur andern nicht für sich einstehen könnten, weil sie nie auch nur für einen Augenblick für ihre Körperschaft einzustehen in der Lage seien; dazu könne er sich nicht hergeben, der General einer Armee von Narren zu werden, denn einen vernünftigen Mann könne es doch nicht geben, der sich zu einem derartigen Haufen dränge; er sei Prinz von Geblüt; er wolle den Staat nicht erschüttern. - (retz)

Kanaille (4)

Du tanztest vor dem Großmetropoliten
du tanztest vor dem Kaiser der Chinesen,
nachdem von deinem Körper ich die Parasiten
ernsthaft gesucht und hilfreich aufgelesen.

Voll Wehmut noch gedenk ich deiner Taille,
an der mein Mund das Köstlichste genoß;
derweilen du, geliebteste Canaille,
mit einem Satze saßest hoch zu Roß.

Du bliest den Teufel einst durch deine Lippen
und fast geruchlos wuchs der Bauch ihm zu.
Du flüstertest, nah seinen gelben Rippen:
»Oh du! oh du! nur du bist mein Bijou!«

Ich sah dich gestern tot in der Terrine,
aus der ich schweren Punsch mir eingeflößt.
Sehr brünstig schrie des Teufels Konkubine,
der schöngefleckten Haut zum Teil entblößt.

-  Edgar Firn, Bibergeil. Pedantische Liebeslieder (1919)

Kanaille (5)

 Revolution Menschengruppen (psychisch) Volk
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VB
Feigling
Synonyme
Pövel