Jetztlosigkeit    Gelehrte Historiker, geschickte Uhrmacher und kluge Chronologen scheinen nur darin übereinzustimmen, daß reife Menschen sich im Wachzustand eines „Jetzt", einer „Gegenwart" bewußt sind, auf die sie eine Zukunft und eine Vergangenheit beziehen.

Lassen Sie mich das wieder an dem Kabel der Kabelbahn in San Francisco veranschaulichen. Es ist unsichtbar, unhörbar und wird von fernen, unentrinnbaren und ungesehenen Kräften bewegt. Die Wagen bewegen sich, weil sie an diesem bewegten Kabel befestigt sind.

So ähnlich kann man sich eine kosmische Gegenwart - ein kosmisches Jetzt - vorstellen, das sich durch das Weltall bewegt. Stöcke und Steine, Knochen, Frösche, Pferde, Menschen und Völker hängen an diesem kosmischen Jetzt der physikalischen Welt, und alle zusammen reisen wir durch die Zeit.

„Ach, armer Yorick! Ich kannte ihn, Horatio", sagt Hamlet bei der Betrachtung von Yoricks Schädel, „ein Bursche von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten Einfällen."

Ach, arme Zeit, wir kennen sie seit Jahrtausenden. Aber die Physik dieses Jahrhunderts hat gezeigt, daß es in der physikalischen Welt nichts gibt, das unserer Vorstellung und Erfahrung einer Gegenwart entspricht. Die Welt der Physik ist „jetztlos". Da Zukunft und Vergangenheit nur in bezug auf eine Gegenwart Bedeutung haben, ist die physikalische Welt - folgerichtig - ebenfalls ohne Zukunft und ohne Vergangenheit. Sie ist nicht etwa in einem mystischen Sinn zeitlos; sie ist zeitlich. Aber ihre Zeit ist qualitativ verschieden von dem, was wir gewöhnlich als Zeit bezeichnen; das Bild vom Fluß trifft auf sie nicht zu. Oder, wenn Sie so wollen, könnte man sagen, sie fließe gleichzeitig in beide Richtungen.  - (zeit)

Jetzt

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