nzest  »Inzest wirkt Wunder«, sagte Mony.

Der General schien auf dem Höhepunkt seiner Lust angelangt und verdrehte seine rotgeäderten Augen.

»Serge«, keuchte er, »spürst du das Instrument, das, nicht genug, dich gezeugt zu haben, sich alle Mühe gibt, aus dir einen Prachtkerl zu machen? Denk daran, Sodom ist ein zivilisatorisches Symbol. Die Homosexualität hat die Menschen den Göttern gleich gemacht, und alles Elend kommt nur daher, daß die verschiedenen Geschlechter einander angeblich begehren. Es gibt heute nur eine Möglichkeit, das unglückliche und heilige Rußland zu retten, nämlich, indem die Schwulen die Männer endlich die sokratische Liebe lehren, und die Frauen zum leukadischen Felsen gehen, um Unterricht in Sapphismus zu nehmen.«

Mit einem Röcheln der Wollust entlud er sich in den entzückenden Hintern seines Sohnes. - Guillaume Apollinaire, Die elftausend Ruten. München 1985 (zuerst 1907)

Inzest (2) Nach der Erzählung war Myrrha — oder Smyrna — eine Königstochter, die Tochter eines Königs Theias am Libanon oder des Kinyras auf Zypern, des Gründers von Paphos, um nicht noch andere Namen zu nennen. Myrrha verliebte sich tödlich in ihren Vater. Mehrere Gründe werden dafür angegeben, so der Zorn des Sonnengottes oder der Zorn der Aphrodite, denn Myrrha soll ihre Haare für schöner gehalten haben als die Haare der Göttin. Der Tochter gelang es, den Vater zu täuschen oder ihn zu berauschen, ähnlich wie dies in einer biblischen Geschichte vorkommt. Sie schlief mit ihm als ein unbekanntes Mädchen zwölf Nächte lang, oder auch weniger. Zuletzt entdeckte der Vater, beim Schein eines verborgenen Lichtes, wer seine Bettgenossin war, und verfolgte sie mit gezücktem Schwert. Myrrha hatte bereits ein Kind in der verbotenen Liebe empfangen und war voller Scham. Sie betete zu den Göttern, nirgends zu sein, weder bei den Lebenden noch bei den Toten. War es Zeus oder war es Aphrodite — eine Gottheit erbarmte sich ihrer. Sie verwandelte sich in den Baum, der seine Frucht mit dem würzigsten Harz beweint, die Frucht aus dem Holze: Adonis. Denn er, der künftige Liebhaber der Aphrodite, wurde aus der geborstenen Rinde des Myrrhabaumes geboren.

Adonis war schön, so schön, daß Aphrodite das Kind sogleich nach seiner Geburt in einer Lade verbarg und zur Bewahrung der Persephone übergab. Die Unterweltskönigin öffnete die Lade, sah den schönen Knaben, und wollte ihn nie mehr zurückgeben. Der Streit der Göttinnen kam vor Zeus. Der König der Götter teilte den Besitz des Adonis folgendermaßen auf: er durfte einen Teil des Jahres für sich allein sein, einen bei Persephone verbringen und einen bei Aphrodite. Der Tod, der den Adonis zu Persephone in die Unterwelt brachte, wird so geschildert, daß er als Jäger von einem Eber verwundet wurde. Sein Blut floß dahin, rote Anemonen entsprossen daraus, und der Bach Adonis im Libanon strömte mit rötlichem Wasser. Den Eber soll Artemis oder Ares gegen den Jüngling geschickt haben. Aphrodite aber mußte den Adonis beweinen, anstatt ihn für immer zu besitzen. Die Feste, an denen ihre schmerzliche Liebe gefeiert wurde, wiederholten den Tag der Vereinigung und den Tag der Trennung der Liebesgöttin von ihrem jungen Herrn. Da lag er, der zarte Jüngling, geliebt und beweint von Aphrodite. Umsonst versuchte sie, ihn bei sich zurückzuhalten. Am nächsten Tag entschwebte er durch Meer und Luft. Die Frauen brachten ihm kleine »Gärten« dar: sie ließen sie in Scherben und Töpfen schnell entsprießen, damit sie ebenso schnell verwelkten. In orientalischen Heiligtümern gaben sie sich selbst den Fremden preis. Die Frau, die das nicht tat, opferte da ihr Haar dem Adonis. - (kere)

Inzest (3) Als Mary Andrews 1721 die Aussage verweigerte, sollte sie »gemäß einem alten Gesetz zu Tode gedrückt werden; doch als der Scharfrichter ihr zuerst mit einer starken Peitschenschnur die Daumen zusammenquetschte, fügte sie sich und sagte aus«. Sie wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Nicht so Katherine Hayes, die wegen Mordes an einem ihrer Söhne und wegen Inzests mit ihrem anderen Sohn zum Tode verurteilt wurde. Sie sollte in Tyburn verbrannt werden. Gewöhnlich lockten die Hinrichtungen in Tyburn zwei- bis dreitausend Schaulustige an, doch diesmal drängten sich so viele Menschen auf der Tribüne, daß das Gerüst einstürzte. Fünf oder sechs Zuschauer wurden zermalmt, viele andere brachen sich Arme oder Beine.

Um dem Publikum die Abscheulichkeit des Verbrechens vor Augen zu führen und einen gehörigen Schrecken einzujagen, beschloß man, Katherine Hayes bei lebendigem Leibe zu verbrennen und nicht, wie sonst üblich, vorher zu erdrosseln. Eine erschütternde Schilderung ihres grausigen Endes stand im London Journal zu lesen: »Sie war mit einem Halseisen und einer Kette um den Leib an den Pfahl gefesselt und hatte überdies eine Schlinge um den Hals (die durch den Pfahl führte), an welcher der Scharfrichter zog, als sie zu schreien begann. Nach ungefahr einer Stunde war sie zu Asche verbrannt. « - David Cordingly, Unter schwarzer Flagge. Legende und Wirklichkeit des Piratenlebens. München 2001 (dtv 30817, zuerst 1995)

Inzest (4)  Eine Frau träumte, aus ihrer Brust seien Weizenhalme gewachsen, die umgeknickt sich wieder in ihre Scham zurücksenkten. Diese Person übte infolge eines unvorhergesehenen Umstandes, ohne es zu ahnen, Geschlechtsverkehr mit ihrem eigenen Sohn, dann aber machte sie ihrem Leben ein Ende und starb elend; die Halme bedeuteten den Sohn, das Hinabsenken in ihre Scham die geschlechtliche Vereinigung, während ihr böses Schicksal durch die aus ihrem Körper emporgewachsene Saat angezeigt wurde; denn diese pflegt aus der Erde und nicht aus Körpern zu sprießen.  - (art)

Inzest (5)  Cäsar berichtet, er habe vor dem Überschreiten des Rubikon und seinem Marsch auf Rom geträumt, er habe mit seiner Mutter geschlafen. Bekanntlich gelang es den gewalttätigen Senatoren, die Cäsar mit Dolchstichen ermordeten, nicht, das zu verhindern, was von den Göttern beschlossen war. Denn die Stadt ward schwanger von dem Gebieter (»Sohn des Romulus und Abkömmling der Aphrodite«), und der wundersame Sproß war bald darauf das Römische Reich. - Rodericus Bartius, Los que son nümerosy los que no lo son (1964), nach (bo4)

Inzest (6)  Adactylidium, eine Milbenart,  bringt eine Brut von fünf bis acht Schwestern hervor zusammen mit einem einzigen Männchen, welches ihnen allen sowohl als Bruder wie als Ehemann dient. Doch nur ein einziges Männchen hervorzubringen ist gefährlich; denn wenn es stirbt, bleiben alle Schwestern Jungfrauen und das evolutionäre Leben der Mutter ist beendet.

Wenn die Milbe ein Risiko eingeht, indem sie nur ein einziges Männchen hervorbringt und dadurch die mögliche Brut an fruchtbaren Weibchen bis zum Äußersten steigert, dann sind zwei andere Lösungen geeignet, dieses Risiko herabzusetzen, indem sie dem Männchen Schutz und unmittelbare Nähe zu seinen Schwestern bieten. Welche Lösung wäre hier besser geeignet als die Aufzucht der gesamten Brut im Körperinneren der Mutter, wobei dann sowohl die Ernährung der Larven und erwachsenen Milben wie auch ihre Kopulation innerhalb der schützenden Panzerung stattfinden könnte. Tatsächlich schlüpfen ungefähr achtundvierzig Stunden, nachdem sie sich an das Ei eines Blasenfüßers geheftet hat, sechs bis neun Junge im Körper eines weiblichen Adactylidium aus. Die Larven ernähren sich vom Körper ihrer Mutter, indem sie ihn buchstäblich von innen heraus auffressen. Zwei Tage später erreichen die Nachkommen ihr Reifestadium, und das einzige Männchen kopuliert mit allen seinen Schwestern. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Gewebe im Körperin-nern der Mutter zersetzt und stellt nurmehr eine Masse aus erwachsenen Milben, deren Ausscheidungen, abgelegten Larven und Verpuppungsresten dar. Die Nachkommen schneiden dann Löcher durch die Körperhöhle ihrer Mutter und schlüpfen aus. Die Weibchen müssen jetzt erneut das Ei eines Blasenfüßers finden und den gesamten Vorgang von neuem beginnen. Aber die Männchen haben ihre evolutionäre Rolle bereits vor der «Geburt» gespielt. Sie schlüpfen aus, reagieren (was immer das bei Milben heißen mag) auf die Herrlichkeit der Welt und sterben prompt.  - Stephen Jay Gould, Der Daumen des Panda. Betrachtungen zur Naturgeschichte. Basel u.a. 1987

Inzest (7)  

Inzest (8)  »Was du soeben erfährst«, sagte er und prüfte dabei den Wein zwischen Unterlippe und Zähnen, »ist die Inzucht des Schmerzes. Die meisten von uns fordern sie nicht heraus. Wir feiern Hochzeit mit einem Fremden und damit >lÖsen< wir unser Problem. Aber wenn du mit dem Leid Inzucht treibst (was eigentlich nur bedeutet, daß du von jeder Krankheit befallen bist und daher deinem Fleisch vergeben hast), dann wirst du bis in dein Gefüge angefressen -wie ein alter Meister unter dem Messer des Wissenschaftlers dahinschwindet, der über die Malmethode Bescheid haben möchte. So, stelle ich mir vor, wird auch dem Tod vergeben werden: durch denselben Prozeß der Identifikation. Wir alle tragen das Haus des Todes mit uns herum, das Skelett; aber, ungleich der Schildkröte, ist unsere Sicherheit innen, unsere Gefahr außen. Zeit ist eine große Konferenz, die unser Ende plant, und Jugend ist nur die Vergangenheit, die ein Bein nach vorn setzt.«  - Djuna Barnes, Nachtgewächs. Frankfurt am Main 1981

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