Informationsverarbeitung   Durch Hunderte von Operationen an und bedauerlicherweise fast ebenso vielen Obduktionen von Klein- und Kleinstkindern mit dem Morbus Mannhoff konnte Dr. Howardt feststellen, daß selbst dann, wenn sich das Skelett so weit zersetzt hatte, daß es nicht einmal mehr in Resten vorhanden war, dennoch im gesamten Körper ein Hohlraum existierte, der diesem Skelett entsprach. Dieses Phantomskelett wurde von Nervenbahnen und Blutgefäßen durchzogen und mußte, so die Vermutung Howardts, auch für den Patienten selbst immer weiter spürbar gewesen sein. Daher nahm Howardt an, daß der Tod der Patienten keine direkte Folge des fehlenden Skeletts war, sondern vielmehr eine Folge der fehlenden Rückmeldung von diesem Skelett an das Gehirn.

Bei dieser fehlenden Rückmeldung spielt ein wichtiger und bis weit in die siebziger Jahre unterschätzter Sinn des Menschen eine Rolle, jener Körpersinn nämlich, der über das zentrale Nervensystem beständig Größe, Haltung, Gewicht etc. des Körpers mißt und diese Messungen an das Gehirn weitergibt. Das Gehirn der von dem massiven Knochenschwund Befallenen erhielt nun zwei in sich widersprüchliche Signale. Zum einen meldeten Nerven und Blutgefäße die Existenz eines Skeletts, das sie versorgten - es handelte sich dabei um den im Körper ausgesparten Hohlraum -, auf der anderen Seite gab der Körpersinn, der vor allem über die Muskulatur gereizt wird, das Fehlen eben jenes Skeletts weiter. Beide Informationen können jedoch nicht nebeneinander bestehen. Bei einer solchen Unstimmigkeit setzt sich die in der evolutionären Entwicklung wichtigere Information durch, in diesem Fall die des Körpersinns. Indem sich jedoch der Körpersinn behauptet, wird die Blutzufuhr eingestellt. Mehr noch: „Kreislauf und Nervensystem werden", wie es in der von Dr. Howardt für die Presse bewußt populär verfaßten Erklärung lautet, „faktisch dazu gezwungen, sich selbst nicht nur als falsch, sondern mehr noch, sich sogar als tot zu erkennen. Denn wenn sie glauben, etwas zu versorgen, was es tatsächlich nicht gibt, so gibt es sie selbst folglich auch nicht. So lautet der eindeutige Rückschluß des Gehirns des Morbus-Mannhoff-Patienten. Und an diesem Rückschluß stirbt er."    - (blue)

 

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