ch (22) AN GEORGES IZAMBARD

Charleville, [13.] Mai 1871

Lieber Herr!

Sie sind also wieder Lehrer. Man ist der Gesellschaft verpflichtet, haben Sie mir erklärt; Sie gehören der Lehrerschaft an: damit bewegen Sie sich in der ausgetretenen Bahn des rechten Weges. — Diesen Grundsatz verkörpere ich auch: ich lasse mich zynischerweise unterhalten; alte Dunmköpfe von der Schule grabe ich aus: alles, was ich nur Blödes, Dreckiges, Schlechtes in Tat und in Worten erfinden kann, liefere ich ihnen: man zahlt mir in Bier und Schoppen. ,Stat mater dolorosa, dum pendet filius'. — Ich bin der Gesellschaft verpflichtet, das stimmt, — und mit gutem Recht, — Sie auch, Sie haben auch recht, für heute. In Ihrem Grundsatz sehen Sie strenggenommen nur subjektive Dichtung: Ihr Versessensein darauf, den akademischen Futterkorb — Verzeihung! — wiederzugewinnen, beweist das. Sie werden aber nie weiter kommen als jemand, der befriedigt ist, ohne etwas getan zu haben, da er nichts hat tun wollen. Abgesehen davon, daß Ihre subjektive Dichtung immer entsetzlich fade sein wird. Eines Tages, hoffe ich — manch andre hoffen dasselbe —, werde ich in Ihrem Grundsatz die wahre Dichtung erkennen, ich werde sie wahrhaftiger erkennen, als Sie es je können werden! — Ich werde ein Arbeiter sein: das ist der Gedanke, der mich zurückhält, wenn rasender Zorn mich hin zur Schlacht von Paris treibt, — wo unterdessen noch so viel Arbeiter sterben, während ich Ihnen schreibe! Jetzt arbeiten, niemals, niemals; ich bin im Ausstand.

Zur Zeit wühle ich mich soviel nur möglich in Lumpereien hinein. Warum? Ich will Dichter werden, und ich arbeite daran, mich sehend zu machen: Sie werden es durchaus nicht begreifen, und ich wüßte es Ihnen kaum zu erklären. Es geht darum, durch die Entregelung aller Sinne beim Unbekannten anzukommen Die Leiden sind ungeheuerlich aber man muß stark sein, als Dichter geboren sein, und ich habe mich als Dichter erkannt. Nicht im geringsten ist das meine Schuld. Es ist falsch zu sagen: Ich denke. Man müßte sagen: Es denkt mich. Entschuldigen Sie das Wortspiel.

ICH ist ein Anderes. Um so schlimmer für das Holz, das sich als Geige vorfindet, und Hohn über die Ahnungslosen, die an dem herurnkritteln, was sie überhaupt nicht kennen!

Sie sind kein Lehrer für mich. Ich gebe Ihnen das hier: ist es Satire, wie Sie sagen würden? Ist es Dichtung? Immerhin ist es em Einfall. — Aber, darum bitte ich Sie, streichen Sie weder mit Bleistift noch zu sehr mit Gedanken darin herum:

DAS GEQUÄLTE HERZ

Mein traurig Herz speit auf dem Hecke,

Gar nichts will das sagen.

ANTWORTEN SIE MIR: an Herrn Deverrière, für A. R.

Von Herzen guten Tag,

Arth. Rimbaud

AN PAUL DEMENT

— Charleville, 15. Mai 1871 —

Ich habe beschlossen, Ihnen eine Stunde in neuer Literatur zu geben; ich beginne der Reihe nach mit einem Psalm von Aktualität:

PARISER KRIEGSGESANG

Der Frühling kam, das ist sonnenklar;

(an den Rand geschrieben: Was für Reime! o! was für Reime!)

       A. Rimbaud

  - Hier also Prosa über die Zukunft der Dichtung: -

Alle antike Dichtung vollendet sich in der griechischen Dichtung. Harmonisch gefügtes Dasein, - Von Griechenland bis zur romantischen Bewegung — Mittelalter — gibt es Gebildete, Versemacher. Von Ennius bis Theroldus, von Theroldus bis auf Casimir Delavigne ist alles gereimte Prosa, bloßes Spiel, Aufweichung und Berühmung zalilloser idiotischer Generationen: der Reine, Starke, Große ist Racine, — Hätte man auf seine Reime geblasen, eine Halbverse durcheinandergeschüttelt, so wäre der Göttliche Einfaltspinsel heute genau so unbekannt wie der erste, der als Autor von Origines auftrat, — Nach Racine schimmelte das Spiel. Zweitausend Jahre hat es gedauert!

 Kein Scherz, kein Paradox. Die Vernunft gibt mir mehr Gewißheiten über die Sprache ein, als jemals einer vom Jungfrankreich  Zornausbrüchen gekannt hat. Im übrigen steht es den Neuen frei, die Altvorderen zu verwerfen: man steht am eigenen Ort und hält sich an die Zeit.

 Die Romantik ist nie recht beurteilt worden, Wer hätte über sie geurteilt? Die Kritiker!! Die Romantiker, die so klar beweisen, daß der Gesang so selten das Werk, das heißt der gesungene und verstandene Gedanke des Sängers ist?

Denn ICH ist ein Anderes. Wenn das Blech als Trompete aufwacht, ist es nicht selbst daran schuld. Dies ist mir offensichtlich:

helfend tätig habe ich an der Erschließung meines Gedankens teil: ich sehe und höre ihn: ich tue einen ersten Bogenstrich: in den Tiefen setzt sich der Zusammenklang in Bewegung oder er kommt jäh in einem Sprung auf die Bühne.

 Wenn die alten Schwachköpfe nicht vom Ich nur die falsche Bedeutung gefunden hätten, brauchten wir nicht diese Millionen von Skeletten wegzufegen, die seit endloser Zeit die Erzeugnisse einäugigen Verstandes aufgehäuft haben, indem sie sich als Autoren davon ausriefen!

In Griechenland, sagte ich, rhythmisieren Vers und Lyra die Aktion. Später sind Musik und Reime Spielereien, erschlaffender Verfall. Das Studium dieser Vergangenheit entzückt die Neugierigen: manche ergötzen sich daran, diese Altertümer wieder aufzuwärmen: — das ist ihre Sache. Das allversammelnde Wesen hat  seine Gedanken stets auf natürlichem Wege ausgestrahlt; einen Teil dieser Früchte des Gehirns lasen die Menschen auf: man handelte daraus, man schrieb Bücher davon: so ging es seinen Weg, der Mensch nahm sein Wesentliches nicht in Arbeit, er war noch nicht eigentlich erwacht, oder noch nicht in der Fülle des großen Traumes. Es gab Funktionäre, Schriftsteller: Autor, Schöpfer, Dichter, dieser Mensch ist nie dagewesen!

Das erste, was der Mensch erarbeiten muß, der Dichter sein will, ist die volle Kenntnis des Eigenen;  er sucht seiner Seele nach, gewinnt Einblicke in sie, versucht sie, macht sich die Erfahrung ihres Wesens zu eigen. Sobald er um sie weiß, muß er sie aufbilden! Das scheint einfach: in jedem Kopf vollzieht sich eine natürliche Entfaltung; daher erklären sich soviel Egoisten zu Autoren; es gibt viele andere, die ihren geistigen Fortschritt sich selbst zuschreiben! — Aber es handelt sich darum, die Seele ungeheuerlich zu machen: nach Art der Kinderhändler, was! Stellen Sie sich einen Menschen vor, der sich Warzen ins Gesicht pflanzt und großzüchtet.

Ich sage, daß es nottut, Seher zu sein, sich sehend zu machen. Der Dichter macht sich sehend durch eine lange, gewaltige und überlegte Entregelung aller Sinne. Alle Formen von Liebe, Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um nur den innersten Kern davon zu bewahren. Unsägliche Qual, wo er des vollen Vertrauens, der gesammelten übermenschlichen Kraft bedarf, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzbrecher, der große Verdammte wird; und der höchste Wissende! - e - Denn er kommt an beim Unbekannten! Weil er seine schöne reiche Seele weiter hinaus gebildet hat, weiter als irgend jemand sonst! Er kommt an beim Unbekannten, und wenn er, überwältigt, daran endete, daß er das Verständnis seiner Gesichte verliert, so hat er sie doch gesehen! Soll er nur zerbrechen in seinem riesigen Sprung durch die unerhörten und unnennbaren Dinge: kommen werden andere furchtbare Arbeiter; sie werden bei den Horizonten anfangen, wo der Vorgänger sich erschöpft hat!

— Fortsetzung in fünf Minuten —
Hier schalte ich einen zweiten Psalm ein, außerhalb des Textes:

bitte neigen Sie ein wohigefälliges Ohr, — und alles wird bezaubert sein. — Ich habe den Bogen in der Hand, ich beginne:

MEINE KLEINEN GELIEBTEN

Larmoyante Hydrolaugen scheuern

 (an den Rand geschrieben: Was für Reime! o! was für Reime!)

A. R.

Da. Und merken Sie wohl, wenn ich nicht fürchtete, Sie mehr als 60 c[entimes] Porto ausgeben zu lassen — ich armer Teufel, der ich seit sieben Monaten nicht ein einziges mageres Bronzescheibchen gehabt habe! —, so würde ich Ihnen noch meine Amants de Paris übermitteln, hundert Hexameter, mein Herr, und meine Mort de Paris, zweihundert Hexameter!

Ich fange wieder an:
Also der Dichter ist wahrhaftig Dieb des Feuers. Seine Aufgabe ist das Menschenwesen, sind sogar alle Lebewesen; er muß seine Entdeckungen fühlen, ertasten, hören lassen; wenn es Form hat, was er aus der Tiefe dort mitbringt, so gibt er Form; ist es ungestaltet, so gibt er Ungeformtes. Eine Sprache finden; — Da im übrigen jedes Wort Gedanke des Seins ist, wird die Zeit einer allesverbindenden Sprache kommen! Man muß Akademiker sein — gestorbener als ein Fossil —, um ein Wörterbuch fertigzustellen, von welcher Sprache es auch sei. Die Schwachsinnigen machten sich daran, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, die könnten leicht im Wahnsinn mit  Füßen in die Luft gehen!
— Diese Sprache wird Beseelendes für die Seele sein, alles zusammennehmend, Düfte, Töne, Farben; Gedanke, der das Denken an sich hakt und auf seine Bahn zieht. Der Dichter würde das Maß es Unbekannten abgrenzen, wie es zu seiner Zeit in der allumfassenden Seele erwacht: mehr würde er geben als die klare Aussprache seines Gedankens, als die Niederschrift seines Weges zum  Fortschritt! Da das Außerordentliche, von Allen angeeignet, zur ordnenden Regel wird, wäre er wahrhaftig ein Vervielfältiger des Fortschreitens!

  Sie sehen, diese Zukunft wird materialistisch sein; - Immer erfüllt von gesetzhafter Zahl und harmonischer Fügung, werden diese Gedichte zum Bleiben geschaffen sein. - Im Grunde wäre das noch ein wenig die griechische Dichtung.

Die weltursprüngliche Kunst würde ihre Ämter innehaben, da die Dichter so Bürger des Gemeinwesens sind. Die Dichtung wird nicht mehr das Tun rhythmisieren, sie wird voraus sein.

Diese Dichter werden kommen! Wenn einmal die endlose Versklavung der Frau gebrochen ist, wenn sie für sich und aus sich selbst lebt, da der Mann — erbärmlich bisher — ihr den reinen Widerschein ihres Wesens gibt, so wird auch sie Dichter seinl
Die Frau wird Unbelkanntes finden! Werden die Welten ihrer Seinsgedanken sich von den unseren unterscheiden? - Sie wird fremdartige, unergründliche, abstoßende, kostbare Dinge aufdecken; wir werden sie entgegennehmen, wir werden sie verstehen.

Fordern wir, im Warten, Neues von den Dichtern, — Seinssichten und Dichtweisen. All die gewandten Formtalente würden bald meinen, dieser Forderung Genüge getan zu haben: — das ist es jedoch nichtl

Die ersten Romantiker waren Sehende, ohne sich recht darüber klar zu sein: die Aufbildung ihrer Seelen begann an Zufällen: verlassene Lokomotiven, aber angeheizt, die eine Weile den Schienen folgen. — Lamartine ist manchmal sehend, aber erdrosselt von der alten Dichtweise. Hugo, allzu querköpfig,hat recht wohl Gesehenes in den letzten Büchern: Les Misérables ist ein echtes Gedicht. ich bin beim Lesen von Les Châtiments; Stella gibt ungefähr das Maß der Sicht von Hugo. Zuviel Belmontet und Lamennais, Jehovahs und Säulen, alte erledigte Fürchterlichkeiten.

Musset ist ein vierzehnfacher Abscheu für unsere schmerzvolle und von Gesichten hingenommene Generation, — die seine engelhafte Faulheit beleidigt hat! O!  die faden Erzählungen und Weisheiten! O die Nuits! o Rolla, o Namouna, o la Coupe! Alles ist französisch, das heißt hassenwert im höchsten Grade; französisch, nicht parisisch! Noch ein Werk dieses unausstehiichen Geistes, der Rabelais inspiriert hat, Voltaire, Jean La Fontaine! von Herrn Taine kommentiert! Frühlingshaft der Geist Mussets! Bezaubernd seine Liebe! Das ist doch solide Dichtung, Emaillemalerei! Lange Zeit wird man sich an der französischen Dichtung erlaben, aber in Frankreich. Jeder Krämerlehrling ist imstande, eine Rollasche Auslassung herunterzuleiern, jeder Seminarist bringt fünfhundert solcher Verse im geheimgehaltenen Tagebuch unter.

Die Jungen von fünfzehn Jahren setzt solches Feuer der Leidenschaft in Brunst; mit sechzehn Jahren begnügen sie sich schon damit, es mit Herz vorzutragen; mit achtzehn oder sogar mit siebzehn Jahren macht jeder Schüler, der das Talent hat, den Rolla, schreibt einen Rolla! Einige sterben vielleicht noch daran. Musset hat nichts zu schaffen verstanden: hinter dem Schleier von Vorhängen gab es Gesichte: er hat die Augen geschlossen. Franzose, Schlappschwanz, von der Kneipe aufs Pult der Schule geschleppt, der schöne Tote ist tot, und machen wir uns in Zukunft ja nicht mehr die Mühe, ihn durch unsere Verfluchungen wiederaufzuwecken!

Die zweiten Romantiker sind sehr sehend: Th. Gautier, Lec. de  Lisle, Th. de Banville. Aber da das Unsichtbare in Augenschein nehmen und das Unerhörte verstehen ein Andres ist als den Geist toter Dinge wiederaufnehmen, so ist Baudelaire der erste Sehende, König der Dichter, ein wahrer Gott. Er hat noch zu sehr in der Künstler-Sphäre gelebt; und die bei ihm so gerühmte Form ist dürftig. Die Entdeckungen von Unbekanntem verlangen neue Formen.

Bewandert in den alten Formen, unter Ahnungslosen, A. Renaud, - hat seinen Rolla gemacht; — L. Grandet, — hat seinen Rolla gemacht; — die Altbiederen und die Musset, G. Lafenestre, Coran, Cl. Popelin, Soulary, L. Salles; die Schüler, Marc, Aicard, Theuriet; die Toten und die Dummen, Autran, Barbier, L. Pichat, Lemoyne, die Deschamps, die Des Essarts; die Journalisten, — L. Cladel, Robert Luzarches, X. de Ricard; die Wortkünstler, C. Mendès; die Bohemiens; die Frauen; die Talente, Léon Dierx, Sully-Prudhomme, Coppée; — die neue, parnassisch genannte Schule hat zwei Sehende, Albert Mérat und Paul Verlaine, ein echter Dichter. — So steht es.

Also arbeite ich daran, mich sehend zu machen. ...

A. Rimbaud

- Arthur Rimbaud, Aus: Arthur Rimbaud, Briefe Dokumente. Hg. Curd Ochwadt. Reinbek b. Hamburg 1964 (Rowohlts Klassiker 155/156)

Ich (23) Und ich summte Grétrys Liedchen

Wenn einer fünfzig wird

vor mich hin.

Diese unerwartete Entdeckung verdarb mir aber die Stimmung keineswegs. Ich hatte eben an Hannibal und die Römer gedacht. Größere als ich sind auch gestorben! ... Schließlich, so sagte ich mir, habe ich mein Leben nicht schlecht angewendet. Angewendet! Ach, das heißt doch, daß mir das Schicksal nicht allzuviel Unglück beschert hat. Denn habe ich in Wahrheit mein Leben jemals selbst gelenkt?

Wie konnte ich mich nur in Fräulein von Griesheim verlieben? Was hatte ich von einem adeligen Fräulein zu erhoffen, der Tochter eines Generals, der zwei Monate vorher, vor der Schlacht bei Jena, in Gunst stand! Brichard hatte ganz recht, als er mit seiner gewohnten Bosheit zu mir sagte: "Wenn man eine Frau liebt, fragt man sich: Was will ich eigentlich von ihr?"

Ich habe mich auf die Stufen von San Pietro hingesetzt und zwei Stunden darüber nachgesonnen, daß ich nächstens fünfzig werde und es wohl an der Zeit wäre, mich kennenzulernen. Was bin ich gewesen? Was bin ich? Wahrhaftig, ich wäre in arger Verlegenheit, müßte ich es sagen.

Ich gelte für einen sehr durchtriebenen und ganz gefühllosen Menschen, ja für einen Roué, und dabei stelle ich fest, daß ich beständig Unglück in der Liebe hatte. Ich habe Madame Kubly, Fräulein von Griesheim, Madame de Diphortz, Méthilde mit wahnsinniger Leidenschaft geliebt, und keine von ihnen habe ich besessen. Mehrere dieser Liebesverhältnisse haben drei oder vier Jahre bestanden. Méthilde hat mein Leben von 1818 bis 1824 ausschließlich erfüllt. Und ich habe sie immer noch nicht verwunden, sagte ich mir, nachdem ich wohl eine gute Viertelstunde nur an sie gedacht hatte. Liebte sie mich?

Ich war weich gestimmt und keineswegs in Ekstase. Und Menti, in welchen Kummer hat sie mich nicht gestürzt, als sie mich verließ! Mich überlief ein Schauder, als ich an den 15. September 1826 in San Remo, an meine Rückkehr aus England dachte. Was für ein Jahr habe ich vom 15. September 1826 bis zum 15. September 1827 durchlebt! An dem Tag, an dem dieses furchtbare Erlebnis sich jährte, war ich auf Ischia; und ich spürte eine fühlbare Besserung: anstatt unmittelbar an mein Unglück zu denken, wie noch wenige Monate vorher, dachte ich nur an die Erinnerung des unglücklichen Zustandes, unter dem ich beispielsweise im Oktober 1826 gelitten hatte. Diese Beobachtung war mir ein großer Trost.

Was bin ich also gewesen? Ich weiß es nicht. Welchen Freund, wie erleuchtet er auch sei, kann ich danach fragen? Selbst Herr di Fiori könnte mir nicht Aufschluß geben. Zu welchem Freund habe ich je ein Wort über meine Liebeskümmernisse verlauten lassen?

Eigenartig und recht bedauerlich ist, so sagte ich mir heute morgen, daß meine Siege — wie ich sie damals, den Kopf voller militärischer Begriffe, nannte — mir nicht halb soviel Vergnügen bereiteten, wie meine Niederlagen mich zutiefst unglücklich machten.

Der erstaunliche Sieg über Menti hat mir keinen Genuß bereitet, der dem hundertsten Teil des Leides vergleichbar gewesen wäre, das sie mir angetan hat, als sie mich Herrn de Rospiec wegen verließ.

Hatte ich denn einen trübsinnigen Charakter?

... Und da ich darauf keine Antwort wußte, begann ich, ohne mir dessen bewußt zu sein, aufs neue den erhabenen Anblick der Ruinen Roms und seiner heutigen Größe zu bewundern: das Kolosseum gerade mir gegenüber, den Palazzo Farnese mit seinen schönen offenen, von Carlo Maderna erbauten Bogengängen, und den Palazzo Corsini mir zu Füßen.

Bin ich ein geistvoller Mensch gewesen? Habe ich für irgend etwas Begabung gehabt? Graf Daru sagte, ich sei unwissend wie ein Karpfen. Gewiß, aber das

hat mir Besançon eingebrockt, und mein heiteres Wesen erregte den Neid des sauertöpfischen ehemaligen Generalsekretärs von Besançon. Aber hatte ich einen heiteren Charakter?

Schließlich bin ich erst vom Gianicolo herabgestie-gen, als der leichte Abendnebel kam und mich warnte; ich hätte von der plötzlichen, sehr unangenehmen und ungesunden Kälte überrascht werden können, die hierzulande unmittelbar auf den Sonnenuntergang folgt. Schleunig kehrte ich in den Palazzo Conti (Piazza Minerva) zurück. Ich war todmüde. Ich trug weiße englische Beinkleider und schrieb auf die Innenseite des Gürtels: "16. Oktober 1832, ich werde demnächst fünfzig" [Je vais avoir la cinquantaine], aber, damit es niemand verstehen kann, folgendermaßen abgekürzt: J. vaisavoirla 5.

Als ich abends, reichlich gelangweilt von dem Empfang beim Botschafter nach Hause ging, sagte ich mir:

Ich müßte mein Leben aufschreiben. Wenn ich in zwei, drei Jahren damit fertig bin, werde ich vielleicht endlich wissen, was ich gewesen bin, heiter oder traurig, durchtrieben oder dumm, beherzt oder feige, kurzum, alles in allem: glücklich oder unglücklich. Dieses Manuskript kann ich ja dann di Fiori zu lesen geben.

Dieser Gedanke leuchtete mir ein. Gewiß, aber die erschreckende Menge Ich und Mich! Dabei kann doch der wohlwollendste Leser die gute Laune verlieren! Ich und immer wieder ich — das klingt ja, abgesehen vom Talent, wie bei Herrn de Chateaubriand, dem König der Egotisten.

Ich — immer wieder ich! Du kommst davon nicht los...  - (brul)

Ich (24)  Absicht. Den außerordentlichen Vorrang, den man heute dem Ego beimißt, will ich beseitigen: ein Unterfangen, zu dessen Durchführung mich sehr feste Gewißheit anspornt und nicht etwa kapriziöser Hang zu ideologischen Schlichen oder leichtsinnigen intellektuellen Streichen. Ich will beweisen, daß die Persönlichkeit ein Trugbild ist, verfügt von Dünkel und Gewohnheit, ohne metaphysisches Fundament oder inwendige Realität. Ich will die Folgerungen, die sich aus diesen Prämissen ergeben, auf die Literatur anwenden und auf ihnen eine Asthetik errichten, die dem Psychologismus, den uns das vorige Jahrhundert hinterließ, feindlich und den Klassikern gewogen ist, dabei aber die aufrührerischsten Tendenzen von heute ermuntert.

Verfahren. Ich habe bemerkt, daß im allgemeinen die Billigung dessen, der sich in der Situation des Lesers befindet, gegenüber einer rigorosen dialektischen Verkettung nicht mehr ist als träge Unfähigkeit dazu, die vom Autor angeführten Beweise einzuschätzen, sowie verschwommenes Vertrauen auf dessen Redlichkeit. Aber sobald das Buch geschlossen und die Lektüre zerstreut ist, bleibt in seinem Gedächtnis wenig außer einer mehr oder minder willkürlichen Synthese der gesamten Lektüre. Um diesen offensichtlichen Nachteil zu vermeiden, werde ich in den folgenden Absätzen alle strenge, logische Verkettung verwerfen und Beispiele anhäufen.

Es gibt kein vollgültiges Ego. Jeder Lebensumstand ist für sich vollständig und genügend. Bist du, während du diese Probleme wägst, denn mehr als eine über die von mir vorgebrachte Argumentation gleitende Indifferenz oder eine Bewertung der von mir bekundeten Meinungen?

Ich bin, während ich dies schreibe, nur eine Gewißheit, die nach den zur Erzwingung deiner Aufmerksamkeit am besten geeigneten Wörtern forscht. Diese Absicht, ein paar Muskelempfindungen und der Anblick des lichten Geästs, das die Bäume vor mein Fenster halten, ergeben mein derzeitiges Ego.

Es wäre eitel, anzunehmen, daß dieses psychische Konglomerat, um sich absoluter Gültigkeit zu erfreuen, ein Ego werden muß: dieser mutmaßliche Jorge Luis Borges, dessen Zunge so viel Spitzfindigkeit barg und dessen einsamen Spaziergängen die Vorstadtabende genehm sind.

Es gibt kein vollgültiges Ego. Wer die persönliche Identität definiert als den ausschließlichen Besitz eines Horts von Erinnerungen, der irrt. Wer derlei behauptet, miß braucht das Symbol, welches dem Gedächtnis die Form eines dauerhaften, faßbaren Vorratsschuppens oder eines Lagers gibt, da doch Gedächtnis nichts ist als der Name, durch den wir andeuten, daß unter den unzähligen Bewußtseinszuständen viele sich ungenau abermals ereignen. Wenn ich außerdem die Persönlichkeit in Erinnerung wurzeln lasse, welches Eigentumsrecht kann ich dann behaupten an den vollzogenen Momenten die, da sie alltäglich oder schal waren, uns nicht mit einem dauerhaften Eindruck markierten? Uber die Jahre aufgehäuft liegen sie vergraben da, unzugänglich für unsere sehnsüchtige Begierde. Und dieses gepriesene Gedächtnis, an dessen Urteil du appellierst — zeigt es denn jemals seine Fülle von Vergangenem? Lebt es denn wirklich? Auch der irrt, der wie die Sensualisten deine Persönlichkeit als die Summe deiner aufgereihten Geisteszustände begreift. Bei genauer Untersuchung ist diese Formel nur eine schäbige Umschreibung, welche das durch sie selbst errichtete Fundament unterminiert; eine sich selbst zerfressende Säure, geschwätziger Schwindel und bemühter Widerspruch.

Niemand wird behaupten, daß in dem Blick, mit dem wir eine klare Nacht insgesamt aufnehmen, die genaue Anzahl sichtbarer Sterne vorausdeutend enthalten sei.

Niemand, der darüber nachdenkt, wird akzeptieren, daß das Ego von der hypothetischen und niemals realisierten noch je realisierbaren Summe der verschiedenen Geisteszustände abhängen kann. Was nicht ausgeführt wird, existiert nicht, die Verkettung von Ereignissen zu einer zeitlichen Abfolge verweist nicht auf eine absolute Ordnung. Auch jene irren, die annehmen, die Verneinung der Persönlichkeit, die ich mit solch beharrlichem Eifer verfechte, widerlege die Gewjßheit, etwas Isoliertes, Individualisiertes und Verschiedenes zu sein, die jeder tief in der Seele empfindet. Weder leugne ich diese Bewußtheit des Seins noch die unmittelbare Gewißheit des hier bin ich, die es uns einflößt. Ich leugne jedoch, daß die sonstigen Uberzeugungen der sattsam bekannten Antithese zwischen dem Ego und dem Nicht-Ego angepaßt werden müssen und daß diese Antithese konstant sei. Die Empfindung von Kälte, von geräumiger und ersprießlicher Behendigkeit die mich erfüllt, wenn ich den Bogengang durchquere und hinausgehe ins Halbdunkel der Straße, kommt weder zu einem präexistenten Ego hinzu, noch ist sie ein Vorgang, der die andere Begebenheit eines dauerhaften, rigorosen Ego nach sich zöge.

Außerdem ließe ich mich auch dann nicht davon abbringen, wenn die bisher angeführten Gründe falsch sein sollten, denn deine Uberzeugung, eine Individualität zu sein, ist völlig identisch mit meiner und der jedes beliebigen menschlichen Wesens, und es gibt keine Möglichkeit, sie zu trennen.

Es gibt kein vollgültiges Ego. Wir brauchen nur ein wenig durch die unerbittliche Strenge zu wandern, die uns die Spiegel der Vergangenheit darbieten, um uns als Fremdlinge zu fühlen, naiv verblüfft ob der eigenen alten Tagereisen. Sie haben weder Intentionen gemein, noch sind sie von dergleichen Brise getrieben. Dies haben jene erklärt, die wahrhaftig die Kalender untersucht haben, aus denen die Zeit sie entfernte. Einige, verschwenderisch wie Feuerwerk, rühmen sich einer derart trüben Konfusion und sagen, Verschiedenheit sei Reichtum; weit davon entfernt, Unordnung zu verherrlichen, beklagen andere die Ungleichheit ihrer Tage und sehnen sich nach der beliebten Einförmigkeit. Ich will zwei Beispiele niederschreiben. Das erste trägt als Datum das Jahr 1531, es ist die Nachschrift zu De Incertitudine et Vanitate Scientiarum, verfaßt von dem Kabbalisten und Astrologen Agrippa von Nettesheim in den desillusionierten letzten Tagen seines Lebens. Er sagt:

Unter den Göttern sind alle erschüttert vom Hohn des Momus.
Unter den Helden hetzt Herkules alle Ungeheuer.
Unter den Dämonen bedrückt Pluto, König der Hölle, alle Schatten.
Während Heraklit über alles weint, weiß Pyrrho von allem nichts,
und Aristoteles rühmt sich, alles zu wissen.
Mit nichts von alledem bin ich, Agrippa, unvertraut.
Ich schmähe, weiß, weiß nicht, verfolge, lache, tyrannisiere, klage.
Ich bin Philosoph, Gott, Held, Dämon und das ganze Universum.

Das zweite Zeugnis stammt aus dem dritten Teil von Torres Villarroels Vida e historia. Dieser Systematisierer Quevedos, bewandert in der Sterndeuterei, Herr und Meister aller Wörter, gewöhnt an die Verwendung der schrillsten rhetorischen Figuren,  wollte auch sich selbst definieren und ertastete seine grundsätzliche Unstimmigkeit; er sah, daß er den anderen glich, das heißt, er war niemand, oder wenig mehr als ein wirres Spektakel, das in der Zeit dauert und sich im Raum abmüht.

Er schrieb: »Ich habe Zorn, Angst, Erbarmen, Freude, Traurigkeit, Gier, Großzügigkeit, Wut, Sanftmut und alle guten und schlechten Affekte und alle lobenswerten und verwerflichen Handlungen, die in allen Menschen, zusammen oder getrennt, zu finden sind. Ich habe alle Laster und alle Tugenden erprobt, und an einem einzigen Tag fühle ich mich bewogen, zu weinen und zu lachen, zu geben und zu behalten, zu ruhen und zu leiden, und nie weiß ich den Grund und das Motiv dieser Widersprüche. Ich habe diesen Wechsel konträrer Impulse Wahnsinn nennen hören; wenn es so ist, sind wir alle mehr oder minder wahnsinnig, denn diese unerwartete und wiederholte Schwankung habe ich bei allen bemerkt.« - (bo2)

Ich (25) Herbart spielt ebenfalls mit dieser ontologischen Multiplikation. Schon vor seinem zwanzigsten Lebensjahr hatte er die Überlegung angestellt, daß das Ich unter allen Umständen unendlich ist, da die Tatsache des Sich-Erkennens ein anderes Ich erfordert, das sich selber erkennt, und dieses Ich ein weiteres Ich (Deussen: Die neuere Philosophie, 1920, S.367). Mit Anekdoten, Parabeln, ironischen Seitenhieben und Diagrammen ausgeschmückt, ist es dieses Argument, das Dunnes Abhandlungen zugrunde liegt.

Dieser stellt die Überlegung an (An Experiment with Time, Kap. XXII), daß ein Bewußtseinssubjekt nicht nur dessen bewußt ist, was es wahrnimmt, sondern auch eines Subjekts A, das beobachtet, und folglich eines weiteren Subjekts B, dem A bewußt ist, und folglich eines Subjekts C, dem B bewußt ist ... Er bemerkt dazu, ein wenig geheimnisvoll, daß diese unzähligen inneren Subjekte in die drei Dimensionen des Raums nicht eingehen, wohl aber in die nicht minder unzähligen Dimensionen der Zeit. Bevor ich diese Erklärung erkläre, lade ich meinen Leser ein, mit mir noch einmal durchzudenken, was dieser Absatz sagt.

Huxley als braver Nachfolger der britischen Nominalisten behauptet, daß zwischen der Tatsache, daß ich einen Schmerz empfinde, und der Tatsache, daß ich weiß, daß ich ihn empfinde, nur ein sprachlicher Unterschied besteht, und er spottet über die reinen Metaphysiker, die bei jeder Empfindung zwischen dem »empfindenden Subjekt, dem empfindungserregenden Objekt und jener beherrschenden Persönlichkeit, dem Ich« unterscheiden (Essay, Bd. VI, S. 87). Gustav Spiller (The Mind of Man, 1902) räumt ein, daß das Schmerzbewußtsein und der Schmerz zwei unterschiedliche Tatsachen sind, hält sie jedoch für so begreifbar wie die gleichzeitige Wahrnehmung einer Stimme und eines Gesichts. Seine Ansicht scheint mir zutreffend. Was das Bewußtsein des Bewußtseins angeht, auf das sich Dunne beruft, um jedes Individuum mit einer schwindelerregenden und nebulösen Hierarchie von Subjekten auszustatten, neige ich eher zu dem Verdacht, daß es sich um sukzessive (oder imaginäre) Zustände des ursprünglichen Subjekts handelt. » Wenn der Geist«, sagt Leibniz, »sein Denken wiederdenken müßte, so brauchte er nur ein Gefühl wahrzunehmen, um daran zu denken, und dann an sein Darandenken zu denken und dann an sein Denken des Darandenkens, und so ins Unendliche« (Nouveaux essais sur l‘entendement humain, lib. II, cap. 1).

Die von Dunne geschaffene Methode, die uns unmittelbar eine unendliche Zahl von Zeiten liefert, ist weniger überzeugend, aber geistvoller. Wie Juan de Mena in seinem Laberinto *, wie Uspenski im Tertium Organum, postuliert er, daß die Zukunft mit allen ihren Wechselfällen und Einzelheiten schon existiert. Der präexistenten Zukunft entgegen (oder von der präexistenten Zukunft her, wie Bradley lieber annimmt) fließt der absolute Strom der kosmischen Zeit oder fließen die sterblichen Ströme unseres Lebens. Diese Ortsveränderung, dieses Fließen erfordert wie alle Bewegungen eine bestimmte Zeit; damit hätten wir eine zweite Zeit, in der die erste verstreichen kann, eine dritte, in der die zweite verstreichen kann, und so ins Unendliche. So sieht der von Dunne vorgeschlagene Mechanismus aus. In diesen hypothetischen oder illusorischen Zeiten sind auf unendliche Weise die nicht wahrnehmbaren Subjekte untergebracht, die der andere regressus vervielfacht.

* Dieses Gedicht aus dem 15. Jahrhundert enthält eine Vision von »drei sehr großen Rädern«: Das erste, unbeweglich, ist die Vergangenheit, das zweite, das sich dreht, die gegenwart, das dritte, unbeweglich, die Zukunft. - (bo2)

Ich (26) liebe die Leere und die Weite, wo man nicht mehr über die Menschen, sondern über Dämonen stolpern wird. Ich liebe die Wüste, die Dürre, das Aufbäumen vor dem letzten Atemzug, die Revolte in der Wurzel, deren Stauden und Blätter oben bereits abgestorben sind, Und ich liebe die großen tiefen Wälder, in deren Dunkel ich mich verlieren will.  - Franz Jung, Der Weg nach unten. In: Franz Jung, Schriften, Bd. 1, Salzhausen / Frankfurt am Main 1981

Ich (27)

Vom armen B. B.

1

Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern
Meine Mutter trug mich in die Städte hinein
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die Kälte der Wälder
Wird in mir bis zu meinem Absterben sein.

2

In der Asphaltstadt bin ich daheim. Von allem Anfang
Versehen mit jedem Sterbsakrament:
Mit Zeitungen. Und Tabak. Und Branntwein.
Mißtrauisch und faul und zufrieden am End.

3

Ich bin zu den Leuten freundlich. Ich setze
Einen steifen Hut auf nach ihrem Brauch.
Ich sage: es sind ganz besonders riechende Tiere
Und ich sage: es macht nichts, ich bin es auch.

4

In meine leeren Schaukelstühle vormittags
Setze ich mir mitunter ein paar Frauen
Und ich betrachte sie sorglos und sage ihnen:
In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.

5

Gegen abends versammle ich um mich Männer
Wir reden uns da mit »Gentleman« an
Sie haben ihre Füße auf meinen Tischen
Und sagen: es wird besser mit uns. Und ich frage nicht: wann. 

6

Gegen Morgen in der grauen Frühe pissen die Tannen
Und ihr Ungeziefer, die Vögel, fängt an zu schrein. Um die
Stunde trink ich mein Glas in der Stadt aus und schmeiße
Den Tabakstummel weg und schlafe beunruhigt ein.

7

Wir sind gesessen ein leichtes Geschlechte
In Häusern, die für unzerstörbare galten
(So haben wir gebaut die langen Gehäuse des Eilands Manhattan
Und die dünnen Antennen, die das Atlantische Meer unterhalten).

8

Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie hindurchging, der Wind!
Fröhlich machet das Haus den Esser: er leert es.
Wir wissen, daß wir Vorläufige sind
Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes.

9

Bei den Erdbeben, die kommen werden, werde ich hoffentlich
Meine Virginia nicht ausgehen lassen durch Bitterkeit
Ich, Bertolt Brecht, in die Asphaltstädte verschlagen
Aus den schwarzen Wäldern in meiner Mutter in früher Zeit.

- Bertolt Brecht, Hauspostille. Frankfurt am Main 1963 (BS 3, zuerst 1927)

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VB
Mittelpunkt Egoismus
Synonyme
Zentrum