Hund, komischer   ›Ich spürte eine Schwäche in meinen Beinen, wußte aber, wenn ich in Ohnmacht fiele, würden mich die Jaguare fressen, und daher beschloß ich, nicht in Ohnmacht zu fallen. Von nun an weiß ich nicht mehr ganz genau, wie die Dinge sich abgespielt haben: ich weiß nicht mehr, ob man mich halb bewußtlos von der Tribüne heruntergezogen hat oder ob ich allein heruntergelaufen bin, ich weiß auch nicht, ob ich gelaufen bin oder ob man mich in der allgemeinen Panik gestoßen hat. Ich weiß nur, daß ich, als ich wieder zu mir kam, in der Gasse stand, die vom Marktplatz wegführt, verwirrt und regungslos vor lauter Schrecken, wie wir es in den Alpträumen erleben, ohne zu wissen, was ich tun sollte, um der Gefahr zu entkommen. Plötzlich fühlte ich mich von hinten gepackt, in Schenkelhöhe oder, besser gesagt, am Gürtel, von Händen gepackt, von denen ich, da ich an solche Versuche gewöhnt bin, gleich merkte, daß es keine Menschenhände sein konnten. Entsetzt drehte ich mich um. Und wissen Sie, wer mich da gepackt hielt?‹ 

›Sicher war es ein Jaguar‹, sagte der Komtur, und seine Augen funkelten vor Erregung über die Geschichte.

›Nein, der war es nicht, Komtur, und das hat mich verwundert. Zwei Schritte von der Stelle entfernt, an der man die Tiere losgelassen hatte, wäre es ja nur logisch und natürlich gewesen,; wenn es ein Jaguar gewesen wäre. Aber es war kein Jaguar, es war ein Hund. Ein großer, graubrauner, seltsamer Hund, abe| jedenfalls ein Hund. Ich war sehr erschrocken und weiß nicht) ob ich Worte habe, um Ihnen das zu erzählen, was sich nun ab gespielt hat.‹

›Erzählen Sie nur ruhig! Und seien Sie unbesorgt, Don? Carmen, hier sind Sie in sicherer Hut. Was ist denn vorgefallen! Hat der Hund versucht, Sie zu beißen?‹

›Nein, er hat nicht versucht, mich zu beißen. Es war eire ganz sonderbare Angelegenheit. Als ich mich umdrehte, krallte sich der Hund mit den Vorderpfoten an meinem Gürtel fest. Seine Hinterpfoten standen auf dem Boden, und Sie können sich nicht die bedrängte Lage vorstellen, in die ich kam, als er sich plötzlich mit seinen Lenden auf meine Beine und meine Schenkel zu bewegte. Eine gute Weile bewegte er sie hin und her, ohne mich loszulassen, aber auch ohne mich zu beißen, und ich wußte nicht, was er wirklich im Schilde führte. Das schlimmste ist, daß ich vor lauter Schreck nicht zu reagieren und mich nicht von der Stelle zu rühren vermochte. Erst als er mich aus freien Stücken losließ, fand ich die Kraft wegzulaufen.‹

›Also hat Sie der Hund gar nicht gebissen, Dona Carmen?‹ fragte der Komtur neugierig.

›Nein, er hat mich nicht gebissen. Schauen Sie, Komtur, ich muß Ihnen etwas sagen: ich habe schon energische Gegenmaßnahmen gegen die verschiedensten Männertypen ergreifen müssen, weil alle diese Leute aus mir unklaren Gründen auf mich fliegen. Doch von all diesen Augenblicken war der heutige der sonderbarste und ärgerlichste. Die Sache war so ungut, daß mir als erstes, als er mich losließ, der Gedanke kam: Ein so schamloser Hund kann nicht von hier sein.‹  - (stein)

 

Hund Komik

 

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