osenknopf   Ich weiß nicht ob Du den großen gelben Hosenknopf gekannt hast, den ich voriges Jahr zu oberst an meinen Hosen trug. Es war der eintzige metallene an meinem gantzen Leibe. Er hat mich nie verlassen, seit 1769 versah er diese Stelle mit einer für einen Hosenknopf bewundernswürdigen Treue und Ernst. Da ich hier merckte daß ihm der Dienst sauer wurde, so adjungirte ich ihm einen neuen Modeknopf, der ehmals auf Swantons Uniform gesessen hatte, das Regiment liegtjezt in Minorca. Dieses nahm er übel. Im December fieng er an zu klagen und den Kopf zu hängen und gestern Nachmittag zwischen 3. und 4 zerriß das Band das uns über 3 Jahre an einander geknüpfft hatte, ich meine die Saite im Holtz und er lag vor mir auf der Erde. Ich nahm den armen Teufel auf und sah ihn eine Zeitlang an mit einem Mitleid als wenn er mein Neben Geschöpf gewesen wäre. Habe Danck, sagte ich ihm, erster unter den Knöpfen, für Deine Dienste. Wer weiß ob ich nun nicht ewig die Hosen heben muß. Ruhe sanfft, ein Philosoph erkennt Deinen Werth, und damit flog er in einen Bach, der unter meinem Fenster wegfließt, so dichterisch als je einer in einem Liedchen gemurmelt oder gerieselt hat.

Wandrer, sieh diesen Hosenknopf, den treusten seines Geschlechts, an, statt über dieses Lob zu lachen, so fühle erst, ob Dir der Deinige noch festsizt, und gehe weiter.  - Lichtenberg an Johann Christian Dieterich, nach (mehr)

 

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