orn    Die Alte haben eigene erfahrung erlernet, daß in den Hörnern vielmahlen grosse Wundersachen sind vorbedeutet worden. Wie zu sehen an dem weissen Stierkalb mit Purpurfarben Hörnern, so eben zu der zeit, als Clodius Albinus, gebohren worden, welches ihm die Keyserliche Würde vorbedeutet ; wie dann er hernach, als er zu völligen Jahren kommen, Keyser worden. Darumb er dann socher geschicht ewig dabey zu gedenken, ein königlich Geschenk von Hörnern in des Apollo Tempel verehret.

Ovidius erzehlet fast ein gleichmässiges von einem römischen Soldaten, welchem, als er zu  reden auffgetreten, plötzlich zwey schöner herrlicher Hörner auf der stirne gewachsen, und als die Wahrsager deßwegen befragt wurden, Ihnen zur Antwort ward, daß auf ein zeit ein gemeiner Soldat das gantze Römische Reich regieren werde. Valerius Max. sagt seinen Namen , er habe Gemitius Cippus geheißen.

Lysimachus hat die Vortrefflichkeit unnd Wohlstand der Hörner auch betrachtet, dann er nicht leyden wollen, daß man sein Bildnuß auff güldene Müntzen prägen solte anders als mit zwey Hörnern auff dem haupt.

Der vortreffliche Fürst  von Salerno hat keine andere Überschrifft an dem Thor seines Pallasts leiden wollen; als diesen Reymen, so under ein par großer Hörner geschrieben stunde:

Io porto le corna che ogniun la vede
Et altri ce porta che non se le crede.

Ich trag die Hörner, das mans sicht,
Ein andrer trägt und glaubt es nicht.

 - Aus: Wunderliche und warhafftige Gesichte Philanders von Sittewald, das ist Straff=Schrifften Hanß Michael Moscherosch von Wilstädt. In welchen Aller Weltwesen, Aller Mänschen Händel, mit jhren Natürlichen Farben der Eitelkeit, Gewalts, Heucheley, Thorheit bekleidet, offentlich auf die Schau geführet, als in einem Spiegel dargestellet und gesehen werden. Zuerst Straßburg ca. 1650

Horn (2)

Nach: André Masson

- André Masson, nach: Michel Leiris, Spiegel der Tauromachie, eingeleitet durch Tauromachien. Mit Zeichnungen von André Masson. München 1982 (entstanden 1937)

Horn (3)

Horn einer jungen Frau (19. Jahrhundert)
aus der Sammlung des
Mütter-Museums in Philadelphia

 - (wesch)

Horn (4) Ein alter Mann stieg aus der Erde und sagte: „Horn, Hornisse, Hörnchen. Das ist's. Verstehst du?"

Aglaé drehte sich um, sah einen Ölbaum, der seine Oliven verlor, so wie ich meine Haare verliere und sang weiter.

Ein Ziegenbock stieg aus der Erde, fraß ein Ölbaumblatt ab, miaute lange und sagte schließlich zu Aglaé:

„Das Horn kommt von der Hornisse, aus der man Hörnchen macht. Hast du verstanden?"

Aglaé hob den Kopf, sah eine Elster, die ihre Socken stopfte, sagte zu ihr: „Sei still, du Affenbrotbaum!" und brach in ein gewaltiges Gelächter aus.  - (per)

Stirn Körperteile, tierische

 

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