Hexenbesen  Um Mitternacht ist die Tür aufgegangen, und die beiden Mägde sind splitternackt hereingekommen, um zu sehen, ob ihr Herr schliefe. Der Pfarrer aber hat sich schlafend gestellt und laut geschnarcht. Und als die beiden Frauen hinausgegangen sind, ist er ihnen nachgeschlichen. Und er hat beobachtet, daß sie in die Küche gehen und aus einem Schrank einen Topf mit einer schwarzen Salbe herausnehmen und sich damit einreiben. Dann hat sich jede auf einen Besen gesetzt und gerufen:

»Über die Berge, über die Wälder,
Fliege hurtig, lieber Besen!
Trage uns hm und bring uns heim,
So als wäre nichts gewesen!«

Und kaum hatten die beiden das gesprochen, da flogen sie durch den Kamin davon.

Der Pfarrer, voller Neugier, wie es auf einem Hexensabbat zuginge, hat flink sein Nachthemd ausgezogen und sich mit der schwarzen Salbe eingerieben. Dann hat er einen Besen ergriffen, sich rittlings daraufgesetzt und gerufen:

»Über die Berge, durch die Wälder,
Fliege hurtig, lieber Besen!
Trag mich hin und bring mich heim,
So als wäre nichts gewesen!«

Und schon flog er davon. Aber - o weh! - er hatte nicht genau aufgepaßt und den Spruch nicht gut gesagt. Statt »über die Wälder« hat er »durch die Wälder« gerufen. Und so flog der Besen wohl erst über die Berge, aber dann durch die Wälder hindurch, daß die Fetzen flogen. Zweige und dornige Sträucher zerkratzten den armen Pfarrer so, daß er kaum noch ein Stückchen Haut am Leibe besaß (natürlich mit Ausnahme der Partie, mit der er auf dem Besen saß). Und als der Pfarrer am Tanzplatz der Hexen und Zauberer ankam, war er ganz blutig. Und wie die Hexen ihn sahen, fingen sie alle zu lachen an, und schrien: »Seht den roten Dickwanst!«   - Baskische Märchen. Übs. und Hg. Felix Karlinger und Erentrudis Laserer. Düsseldorf, Köln 1980 (Diederichs, Die Märchen der Weltliteratur)

Hexenbesen (2)

  - N.N.

 

Hexe Besen

 

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