Herzensbrecher, keuscher  „Du bist ein verfluchter Kerl", sagte sie. „Frauen tun alles für dich, was du willst. Weshalb bin ich mit meinen achtundzwanzig Jahren immer noch unschuldig?"

„Wir brauchen ein paar wie dich. Weshalb heiratest du eigentlich nicht?"

„Wen denn? Irgendeinen zynischen Weiberheld, der nichts mehr anderes als seine Technik zu bieten hat? Ich kenne keinen wirklich netten Mann — außer dir. Durch weiße Zähne und ein süßes Lächeln bin ich nicht umzuwerfen."

Ich trat zu ihr und zog sie auf die Füße. Ich küßte sie lange und fest. „Ich bin ehrlich", flüsterte ich fast. „Das ist etwas. Aber ich bin durch meinen Beruf für ein Mädchen wie dich zu verdorben. Ich habe viel an dich gedacht. Ich habe mich nach dir gesehnt, aber wenn ich einen Blick in dein reines, klares Gesicht werfe, weiß ich, daß ich meine Finger von dir lassen muß.'

„Nimm mich", sagte sie leise, „auch ich habe meine Träume."

„Das kann ich nicht. Ich erlebe das nicht zum erstenmal. Ich habe zu viele Frauen gekannt, um eine wie dich zu verdienen. — Wir müssen einem Menschen das Leben retten. Ich gehe jetzt!"

Sie stand auf und sah mir mit ernstem Gesicht nach.  - Raymond Chandler, Erpresser schießen nicht. Frankfurt am Main und Berlin 1966

 

Herzensbrecher Keuschheit

 

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