Häuslichkeit  Romaine Frankl saß mit untergeschlagenen Beinen mitten auf meinem Bett und nähte einen Knopf an eine meiner Hemdhosen.

Ich schubste Einarson ins Zimmer und schloß die Tür. Romaines Blick schweifte von dem Offizier zu dem Schießeisen, das ich nun offen in der Hand hatte. »Oh, du hast ihn noch nicht umgebracht!« rief sie mit beinahe komisch anmutender Enttäuschung.

Einarson erstarrte. Jetzt hatte er ein Publikum, das seine Demütigung mit ansah. Gleich würde er sich aufplustern. Ich mußte ihn mit Glacehandschuhen anfassen ... Aber vielleicht war doch das Gegenteil besser. Ich trat ihm gegen das Schienbein und fauchte: »Gehen Sie rüber in die Ecke und setzen Sie sich!«

Er fuhr herum und auf mich los. Ich knallte ihm den Pistolengnff ins Gesicht und fetzte ihm die Oberlippe auf. Als er mit dem Kopf zurückzuckte, stieß ich ihm die Faust in den Magen. Er schnappte mit weit aufgerissenem Mund nach Luft. Ich bugsierte ihn in die Ecke und auf einen Stuhl.

Romaine drohte mir lachend mit dem Finger. »Pfui, du Raufbold

»Was bleibt mir anderes übrig?« wandte ich ein. »Sobald er ein Publikum hat, meint er, er muß den Helden spielen. Ich hab' ihn mit der Waffe in der Hand dazu gebracht, den Jungen zum König von Muravia zu machen. Aber er hat noch immer die Armee hinter sich und damit die Regierungsgewalt. Ich kann ihn nicht laufenlassen, oder Lionel der Einzige und ich sind tote Leute. Ich bin weiß Gott nicht scharf drauf, ihn herumzuschubsen, aber ich kann's nicht ändern. Auf andere Art ist der Bursche ja nicht zu bändigen.«

»Du behandelst ihn nicht richtig«, antwortete sie. »So darfst du nicht mit ihm umspringen. Du kannst nur eins tun: nämlich ihm auf anständige Art die Kehle durchschneiden.«   - Dashiell Hammett, Die toten Frauen von Frisco, Frankfurt am Main und Berlin 1969

 

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