ades  Man hat vermutet, daß der Modergeruch, der an die Stelle der archaischen Sphärenmusik getreten ist, von der Astralmaterie herrührt, die von den Verdauungssäuren des Hades angefressen ist. Es gibt in der Tat manche, die glauben, daß der Hades eine Art Riesentier sei, ganz übermäßig groß, in welches die Welt eingeht, indem sie sich allmählich, allmählich zum Kaubrei verwandelt; daß die Bestie, mit den endlosen Kiefern, sich geduldig die breiten und zarten Lippen versengt an den Galaxien, die sie wie Mangold verschlingt; die sie kaut, mummelt und bespeichelt und gierig verschluckt, als wären sie gefüllt mit Dichtungen und Göttlichkeiten; und bespült und zersetzt mit den inneren Säften, den wirksamen und feierlichen; und schließlich den Kot leert in Blöcken wunderbarer Fäkalien, welche das universale Blachfeld düngen, aus dem neue Sterne und Sternbilder aufsteigen werden, auf daß das zahme Riesentier sie verschlinge, assimiliere, auskote.

Kauernd in ihren labyrinthischen Schleimhäuten, sehen wir die zänkischen Universen durch die Speiseröhre hinabsteigen: aber mit solcher Langsamkeit, daß die Jahrtausende das Pochen der elastischen Nahrungsöffnung bezeichnen; und die Spasmen des hochedlen Torhüters skandieren die Himmel der Geschichte. Großes und mächtiges Tier, geschwänzt, starkgliedrig, kauend, kotend, edel und unbekannt, messendes Maß aller Dinge, welches Dinge und Götter verflüssigt, zersetzt und homogenisiert in Scheiße, ohne Zorn oder innere Wüstheit, so daß diese liturgische und abstrakte Scheiße sein wird: Theoscheiße. - Giorgio Manganelli, Niederauffahrt. Berlin 1987 (Wagenbach Quarthefte 20/21, zuerst 1964)

Hades (2)  Der wilde Hades wacht eifersüchtig über seine Rechte. Die oberen Regionen besucht er nur aus seltenen Anlässen, etwa wenn er plötzlich von Lust erfaßt wird. Eines Tages blendete er die Nymphe Minthe mit dem Glanz seines goldenen Wagens und seiner vier Pferde. Er würde sie ohne Schwierigkeiten verführt haben, wäre nicht Persephone, seine Gemahlin, zur rechten Zeit erschienen. Sie verwandelte Minthe in ein süß duftendes Kraut. Bei einer anderen Gelegenheit versuchte Hades, die Nymphe Leuke zu vergewaltigen. Persephone verwandelte das Mädchen in eine weiße Pappel, die am Ufer des Teiches der Erinnerung steht. Freiwillig läßt Hades keinen seiner Untertanen entfliehen.  - (myth)

Hades (3)  Viele Namen wurden dem unterirdischen Bruder des Zeus - denn dazu wurde Hades in unserer Mythologie, selbst wenn er ursprünglich nur der dunkle Aspekt eines sonst hellen Gottes war. Nicht nur solche Namen, die seine Eigenschaft als Gott der Toten ausdrückten, wie Polydegmon, der »viele Gäste Empfangende«. Er war auch der »Keiche« und »Reichtum Spendende«: Pluton, und der »gute Ratgeber«: Eubuleus oder Eubulos. Mit ähnlichen Namen - Plutos, Eubulos, Eubuleus - wird auch jener räselhafte, mystische Sohn bezeichnet, den er mit einer Göttin zeugte, die ebenfalls unter vielen Namen und außerdem noch als Mutter und Tochter bekannt ist: als Gaia und Rhea, als Rhea und Demeter und in ihrer Beziehung zu Hades vornehmlich als Demeter und Persephone. Wie die Geschichte offen erzählt wurde, wohnte Hades nicht seiner Schwester Demeter bei; das tat in der geheimeren Erzählung Zeus, oder in einer anderen, gleichfalls schon bekannten, Poseidon; sondern er raubte seine Nichte Persephone, die auch einfach Kore, »das Mädchen«, hieß.  - (kere)
 
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