Granitpflegerin  Die Granitpflegerin gibt nichts auf Ausreden. Auch Mörder suchen sich herauszureden und reden so lange, bis die Leute vergessen, daß ein Ermordeter da ist. Wenn der reden könnte, sähe die Sache anders aus. Nicht daß sie für Ermordete Mitleid hat, denn wie ist es möglich, daß ein Mensch sich ermorden läßt. Aber es ist doch wieder gut, daß es Ermordete gibt, damit die Mörder bestraft werden.

Die Granitpflegerin sagt ihren Kindern als Nachtgebet vor: ›Jeder ist sich selbst der Nächste.‹ Wenn sie streiten, spornt sie sie an, bis sie die Sache untereinander mit Gewalt austragen. Am liebsten sieht sie's, wenn sie boxen; für harmlosen Sport hat sie wenig übrig. Gewiß, sie hat nichts dagegen, wenn die Buben schwimmen. Aber wichtiger ist es, sie lernen boxen.

Sie sollen reich werden und wissen, wie sie zur Million kommen. Nur kein Mitleid mit den Dummen, die sich betrügen lassen. Es gibt zwei Sorten von Menschen: Betrogene und Betrüger, Schwache und Starke. Die Starken sind wie Granit, aus denen kriegt keiner etwas heraus, da kann man lange pressen. Das Beste ist, nie etwas hergeben. Die Granitpflegerin wäre reich geworden, aber da waren die Kinder. Jetzt sollen es die Kinder werden. Arbeit macht dumm, sagt sie ihnen täglich. Wer Verstand hat, läßt andere für sich arbeiten. Die Granitpflegerin schläft gut, weil sie weiß, daß sie nichts hergibt.    - (can)

Pflegerin

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