öttermachen    Die Indianer nennen das höchste Wesen Pananad oder den Unbeweglichen weil sie selbst gerne faullenzen.  - (licht)

 Göttermachen (2)  Die Machtmittel der Götter sind auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten: Einer heilt Pferde, einer Menschen; einer die Pest, einer den Kopfgrind; einer den Husten, einer diese Art Krätze, einer jene ... Einer läßt die Trauben wachsen, einer den Knoblauch; einer ist für die Bordelle zuständig, einer für den Warenhandel: Jedem Gewerbe seinen Gott!... Der Mensch ist zweifellos von Sinnen. Keine Milbe könnte er erschaffen, Götter aber erschafft er dutzendweise.  - Montaigne, Apologie für Raymond Sebond, nach (enc)

Göttermachen (3)  Im Norden der Tartarei gibt es ein Volk, das sich jeden Tag einen neuen Gott macht, und zwar ist dieser Gott jedesmal der erste Gegenstand, den sie erblicken, wenn sie des Morgens aufwachen; wenn dies zufällig ein Kotball ist, so wird der Kotball zum Tagesgötzen.   - (just)

Göttermachen (4)

Göttermachen (5) Ursprünglich waren die Winde ein Besitz der Hera; über sie hatten die männlichen Götter keine Gewalt. Tatsächlich lehrt Aiolos — nach den Berichten des Diodorus — die Inselbewohner nur den Gebrauch der Segel für die Schifffahrt und prophezeit aus Feuerzeichen, welcher Wind sich erheben wird. Die Winde wurden als die Geister der Toten betrachtet. Ihre Beherrschung ist ein Privileg, das die Vertreter der Todesgöttin nicht aufgeben wollten; Hexen in England, in Schottland und in der Bretagne erhoben noch im 16. und 17. Jahrhundert den Anspruch, die Winde beherrschen und sie an die Seeleute verkaufen zu können. Aber die Dorer waren gründlich: Schon zu Homers Zeiten hatten sie Aiolos, den eponymen Ahnen der Aioler, zum Range einer Gottheit erhoben und ihm die Aufsicht über die Winde — auf Kosten Heras — gegeben: Die Aiolischen Inseln, die seinen Namen tragen, waren in einem für die Heftigkeit und Unberechenbarkeit seiner Winde berüchtigten Gebiet gelegen. Dieser Kompromiß wurde von den Priestern des Zeus und des Poseidon anscheinend mit Unwillen aufgenommen, da sie der Schöpfung neuer Gottheiten abgeneigt waren. - (myth)

Göttermachen (6)  Wenn man in dem unermeßlichen Tempel von Madurai herumstreift, spürt man etwas, das man »die asiatische Art und Weise, die Götter zu entdecken« nennen könnte: ein Verfahren, das von einem Hang zum Träumen gespeist wird, und das einerseits die unendliche Unbeständigkeit und den rastlosen Erfindungsreichtum der Träume hat und zugleich imstande ist, diese geträumte Materie im Stein festzuhalten und ihr ihre ganze unermeßliche labyrinthische Ausweitung, die Genealogie der Inkarnationen, eine nach der anderen und alle gleichzeitig, zu belassen. Wie in der prallen und schleiergleichen Welt der Träume wohnt hier nicht Wahr und Falsch, sondern eine Wucht der Phantasie, etwas Gewaltsames, etwas Höhnisches, etwas zum Lachen, etwas scheel Blickendes wie ein Tier aus dem Dickicht mit einem erfinderischen Fell und schlauen Gliedern; eine Religion, die.ebenso sterblich und von weicher Vertrautheit ist wie die Eingeweide; die, wie ein Korridor versiegelter Träume in einem liebevollen Gemüt, Alpträume, Offenbarungen, Rätsel, sinnlose Worte, kaum begonnene und schon unbegreifliche festliche Reden, Prophezeiungen, die geheimnisvollen Freuden des Fliegens und des Abstürzens, des Selbstverlustes entweder im Tod oder in der Ekstase miteinander abwechselt und verknüpft. Die Bande zwischen dem Frommen und der Gottheit sind verwandtschaftlich und wie unter Komplizen: ein Spiel, das es im Schatten zu spielen gilt; aber das Feierliche, das Abweisende, das Unbeständige gibt es nicht. Der Gott, gleich was für einer, ist vollgestopft mit Frauen, Männern, Kindern: auch mit Tieren, Kühen, Ochsen, Pfauen, Schlangen und auch mit Bäumen und Steinen. Ich denke mir, sicher willkürlich, diese Götter als wundertätige, aber absolut alltägliche Orte, da es in Indien keinen Ort gibt, der nicht vom Heiligen infiziert wäre; und der Tempel ist eine »nursery« von Wundern, Zeichen, Spielen.    - Giorgio Manganelli, Das indische Experiment. Berlin 2004 (zuerst 1992)

Göttermachen (7)  Die Griechen sahen über sich die homerischen Götter nicht als Herren und sich unter ihnen nicht als Knechte, wie die Juden. Sie sahen gleichsam nur das Spiegelbild der gelungensten Exemplare ihrer eignen Kaste, also ein Ideal, keinen Gegensatz des eignen Wesens. Man fühlt sich miteinander verwandt, es besteht ein gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Der Mensch denkt vornehm von sich, wenn er sich solche Götter gibt, und stellt sich in ein Verhältnis, wie das des niedrigeren Adels zum höheren ist; während die italischen Völker eine rechte Bauern-Religion haben, mit fortwährender Ängstlichkeit gegen böse und launische Machtinhaber und Quälgeister. Wo die olympischen Götter zurücktraten, da war auch das griechische Leben düsterer und ängstlicher. — Das Christentum dagegen zerdrückte und zerbrach den Menschen vollständig und versenkte ihn wie in tiefen Schlamm: in das Gefühl völliger Verworfenheit ließ es dann mit einem Male den Glanz eines göttlichen Erbarmens hineinleuchten, so daß der Überraschte, durch Gnade Betäubte einen Schrei des Entzückens ausstieß und für einen Augenblick den ganzen Himmel in sich zu tragen glaubte.  - Friedrich Nietzsche, Menschliches Allzumenscliches

 

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