Gewohnheitsmensch  Der dort ist wirklich ein Gewohnheitsmensch. Er trägt immer, schon immer, genau wie ihr ihn jetzt seht, einen grauen Anzug. Er hat drei völlig gleiche Anzüge, die er abwechselnd anzieht. Außerdem hat er drei paar dunkle Handschuhe und drei Paar Hüte. Er wacht um fünf vor sieben auf und erhebt sich um sieben. Für die Pünktlichkeit seines Erwachens sorgen drei aufeinander abgestimmte, auf Greenwicher Zeit eingestellte Wecker. Drei weitere Wecker sind der ständigen Pflege eines einzigen Uhrmachers anvertraut, der sich der Wichtigkeit seiner Aufgabe voll bewußt ist. Punkt acht ist er bereit, um aus dem Haus zu gehen. Ein dreißigminütiger Weg trennt ihn von seinem Arbeitsplatz. Er hat es aufgegeben, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen, wegen ihrer unberechenbaren Ungenauigkeit. Um fünf Uhr fünfundvierzig ist er wieder zu Hause. Er ruht sich dreißig Minuten lang aus. Er liest weder Bücher noch Zeitungen, die er als Sammeldepots von Unge-nauigkeiten betrachtet. Er ißt maßvoll und trinkt nicht. Er geht eine Stunde lang spazieren, im Haus oder ums Haus herum, je nach Wetter. Er verabscheut Zeit wie Wetter, welche er als ein Merkmal der grundlegenden Ungenauigkeit des Universums betrachtet. Wind und Regen lehnt er ab. Um zehn Uhr dreißig geht er zu Bett. An diesem Punkt bricht in dem sonst so ruhigen und gelassenen Mann ein wütender Kampf aus: er haßt nämlich die Träume. Zuweilen träumt er, daß er stirbt oder getötet wird und freut sich darüber, weil er annimmt, daß sein Traum-Ich auf diese Weise bestraft oder zerstört wird. Er übt sich darin, die Träume zu vergessen oder sich zu überreden, daß sie nicht existieren. Aber gerade die Tatsache, daß sie nicht existieren und doch Gestalt annehmen, beunruhigt ihn zutiefst. Auch das Nicht-Sein ist zur Unordnung fähig.   - (pill)
 

Menschen, wirkliche

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