ewissen, schlechtes   Schon gleich zu Beginn hatte der jugendliche Catilina viel unerhörte Unzucht begangen: mit einer vornehmen Jungfrau, mit einer Vestapriesterin, und anderes dieser Art gegen Recht und Sitte. Zuletzt, als Aurelia Orestilla, bei der außer ihrer Schönheit nie ein anständiger Mensch etwas zu loben fand, aus Angst vor dem erwachsenen Stiefsohn ihn zu heiraten Bedenken trug, soll er - dies wird für sicher gehalten - aus Liebe zu dieser Frau seinen Sohn getötet und das Haus für eine schändliche Hochzeit freigemacht haben. Diese Tat freilich scheint mir vor allem der Grund gewesen zu sein, daß er sein verbrecherisches Unternehmen vorantrieb. Denn sein verruchter Geist, Göttern und Menschen feind, konnte weder im Wachen noch Schlafen Ruhe finden: so wütete das schlechte Gewissen in seinem aufgeschreckten Sinn. Daher seine bleiche Gesichtsfarbe, sein wilder Blick, sein Gang, schnell bald, bald langsam; kurz, in seinem Gebaren und seinem Antlitz zeigte sich der Wahnsinn.  - Sallust, Verschwörung des Catilina (zuerst ca. 40 v. u. Z.)

Gewissen, schlechtes (2)  Man wird einige Haasen-Hertz finden / die bei der Nacht nicht können allein ligen; andere trauen ihnen nicht einmahl die Hand auß dem Beth zu recken; andere erschröcken / wann sie nur ein Mauß hören / wann nur ein Bret kracht / ein jeden Block und Stock sehen sie für einen Bau / Bau / oder Gespenst an. O forchtsambe Narren! Wer ist Ursach diser euer Zaghafftigkeit? Niemand anders / als das böse Gewissen / mala conscientia pavidum facit et timidum, das üble Gewissen / sagt der H. Chrysostomus Hom. 8. ad Pop. das üble Gewissen machet / daß der Mensch zu allen Sachen zittert / und ein stätte Letfeigen abgibt. König Balthasar ein Sohn deß hochmütigen Nabuchodonosor hielte ein Mahlzeit / worbei Tausend seiner Obersten als Gäst erschinen; nachdem nun alles ziehrlich zugericht / und alle zimblich berauscht / und die sammentliche Anwesende in bösten Freuden- und Jubell-Schall waren / da hat der König wahr genommen / daß drei Finger von einer unsichtbaren Hand etwas auff die Wand geschriben / worüber er dergestalten erschrocken / daß er wie ein Wachs erbleicht / ja er zitterte also an dem gantzen Leib / daß die Knie stäts zusammen geschlagen. Dan. c. 5. Die meiste Umbstehende haben dem König dise gefaste Fausen wollen nemmen / ja einige waren / die es für etwas guts ausgelegt / aber Balthasar zitterte immerfort wie ein Espes Laub / und ist wenig abgangen / daß ihn nicht gar die Lebens-Geister verlassen; was hat ihme doch disen Schrocken also eingejagt? Was? Frag ein Weil! Es hats gemacht das böse Gewissen. - Abraham a Santa Clara

Gewissen, schlechtes (3)

- George Grosz, nach: Walter Hess, G.G. Dresden 1982 (zuerst 1974)

Gewissen, schlechtes (4)   Keiner möchte sich Feinde schaffen. Keiner möchte sich selbst verachten. Deshalb machen wir oft Dinge, von denen wir genau wissen, daß sie unsinnig sind. Dabei ist es vielleicht oft das beste, einen Fehler zuzugeben. Ich möchte aber auch hier wieder die Psychologie der Mitte sprechen lassen. Fehler zuzugeben ist gut, aber nicht in jedem Fall. Ein schlechtes Gewissen kann ungeheure Kräfte freisetzen.  - Gerd Binnig, Aus dem Nichts. Über die Kreativität von Natur und Mensch. München 1992

Gewissen, schlechtes (5)

Gewissen

 

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