eringschätzung  Der Abbé von Fleury war verliebt in die Marschallin von Noailles, wurde aber von ihr sehr geringschätzig behandelt. Als er Premierminister geworden war, war sie auf seine Hilfe angewiesen; da erinnerte er sie an ihre Sprödigkeit. »Oh, Monseigneur«, sagte sie naiv, »wer hätte das damals voraussehen können!« - (cham)

Geringschätzung (2)

Geringschätzung (3) Demokrit und Heraklit waren zwei Philosophen, deren erster, da er das Los der Menschen nichtswürdig fand, sich nie anders als mit spöttischem und lachendem Gesicht den Leuten zeigte. Heraklit, der über eben dieses unser Los Mitleid und Erbarmen fühlte, trug darüber ein beständig verdüstertes Gesicht und mit Tränen erfüllte Augen.

Der eine lachte, sobald er den Fuß über die Schwelle seines Hauses setzte;
der andere, im Gegenteil, weinte. (Juvenal)

Ich ziehe die erste Gemütsstimmung vor, nicht weil es vorzüglicher ist, zu lachen als zu weinen, sondern, weil sie geringschätziger ist und uns strenger richtet als die andere; und mich dünkt, daß wir nach unsern Verdiensten nie genug verachtet werden können. Die Klage und das Erbarmen ist immer mit etwelcher Schätzung dessen vermischt, was man beklagt; den Dingen, deren man spottet, mißt man keinen Wert bei. Ich denke nicht, daß soviel Ungemach in uns sei wie Eitelkeit, noch soviel Bosheit wie Dummheit; wir sind nicht so sehr von Übeln erfüllt wie von Leere; wir sind nicht so elend, wie wir nichtig sind.

So war auch Diogenes, der sich beiseite ins Fäustchen lachte, seine Tonne wälzte und dem großen Alexander eine Nase schnitt, der uns als Fliegen oder aufgeblähte Schweinsblasen betrachtete, ein weit schärferer und härterer und daher, nach meinem Sinn, gerechterer Richter als Timon, derjenige, den man den Menschenhasser nannte. Denn das, was man haßt, nimmt man sich zu Herzen.

 Dieser wünschte uns Böses, von leidenschaftlicher Begier nach unserem Verderben erfüllt, floh unsern Umgang als unheilvolle Berührung mit Arglistigen und von Natur Verruchten; der andere schätzte uns so gering, daß wir ihn weder zu beunruhige noch durch unsere Ansteckung zu schädigen vermöchten, und ging uns aus dem Wege nicht aus Furcht, sondern aus Verachtung unserer Gesellschaft: er hielt uns weder für fähig, Gutes zu tun, noch Böses. - (mon)

 

Einschätzung

 

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