Gerichtsbetten  Erst im siebenten Jahr seines Ehestandes, nach tausend fruchtlosen Versuchen und Erfindungen, geriet er auf ein Mittel, das seinen Zweck erfüllte; — galt es nämlich, in der Familie eine schwierige und folgenschwere Frage zu regeln, deren Entscheidung große Nüchternheit und zugleich großen Elan erforderte, — so bestimmte er den ersten Sonntagabend im Monat sowie den unmittelbar vorhergehenden Samstagabend dazu, um jene mit meiner Mutter im Bette zu erörtern: Vermöge dieses Kunstgriffs, Sir, so Ihr's nur recht bei Euch bedenken wollt,******************************* ***************************************************
Diese nannte mein Vater launig genug seine Gerichtsbetten; — denn aus den zwei verschiedenen, in zwei verschiedenen Launen gefaßten Ratschlüssen, ward gemeiniglich einer ausgemittelt, welcher den Kern der Weisheit so sicher traf, als wenn mein Vater sich hundertmal betrunken und ernüchtert hätte.

Es darf vor der Welt kein Hehl daraus gemacht werden, daß dies Mittel bei literarischen Diskussionen ebenso probat anschlägt als bei militärischen oder ehelichen; doch nicht jeder Autor vermag's, den Versuch nach Art der Goten und Vandalen anzustellen — noch auch bin ich überzeugt, daß es, wenn er's vermag, seiner Gesundheit stets möcht' zuträglich sein; oder, wollte er's machen wie mein Vater, - seinem Seelenheil. - Laurence Sterne, Leben und Ansichten des Tristram Shandy, Gentleman. Übs. Michael Walter. Frankfurt am Main 2010

 

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