eldumlauf  Die Summe, die jährlich an Dirnen vergeudet wird —  und damit sind alle möglichen Spielarten von ihnen gemeint —, kann mit ungefähr fünfzig Millionen veranschlagt werden. Der Ertrag aus allen Almosen beläuft sich auf gerade drei Millionen; ein Mißverhältnis, das zu denken gibt. Dieses Geld geht an den Modehandel, die Schmuckhändler, Karossenvermieter, Speisewirte, Gastwirte und Stundenhotels. Was einen tief erschrecken läßt, ist die Vorstellung, daß bei einem plötzlichen Verschwinden der Prostitution zwanzigtausend Mädchen im Elend umkämen, da Arbeit diesem unglücklichen Geschlecht weder Lebensunterhalt noch Nahrung zu sichern vermöchte. Auch scheint die Ausschweifung ein untrennbarer Bestandteil einer so dicht bevölkerten Stadt zu sein, und eine Unzahl von Gewerben lebt nur von dem raschen Geldumlauf, für den das Laster sorgt. Selbst der Geizige holt sein Geld aus der Truhe, um sich junge Reize zu kaufen, die die Not ihm gefügig macht; eine stärkere Leidenschaft hat seinen Lieblingstrieb bezwungen. Ihn reut das Geld, er weint ihm nach, indes hat es schon seinen Weg genommen. - (merc)

Geldumlauf (2)  Der Diener eines vornehmen Mannes war eines Tages im Garten seines Herrn, als er einen zwei oder drei Fuß breiten und ebenso tiefen Geldstrom vorüberfließen sah. Sofort ergriff er zwei große Handvoll und warf sich dann dem Strom in den Weg, um auch den Rest zu sichern. Doch als er sich wieder erhob, gewahrte er, daß alles unter ihm hinweggeflossen war und nichts übrigblieb, als was er in seinen Händen hielt. - P'u Sung-Ling, Gast Tiger. Stuttgart 1983. Die Bibliothek von Babel Bd. 21, Hg. Jorge Luis Borges

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