Geistervogel  Als er sich umdrehte, um wieder in den Wagen zu steigen, sah er die Eule. Sie kam direkt auf ihn zugeflogen - so schnell, daß er zusammenzuckte -, strich durch die Lichtbalken der Autoscheinwerfer und verschwand im Halbdämmer des Morgens ebenso plötzlich, wie sie gekommen war. Einen Augenblick blieb er, ein wenig weich in den Knien, still hinter dem Lenkrad sitzen. Die Eule hat sich sehr merkwürdig verhalten, dachte er. Bekanntlich nahmen Geister gelegentlich, wenn sie in der Dunkelheit umherstreiften, die Gestalt dieses Vogels an. Es hatte zwar ausgesehen wie eine Höhleneule, aber es konnte ebensogut ein Geist gewesen sein, der jetzt, bei Tagesanbruch, ins Grab oder in seinen Toten-Hogan zurückkehren wollte.

Auch während er den Wagen vorsichtig das steile Ufer hinunter und dann über den weichen Sandboden lenkte, mußte er immer noch an die Eule denken. So lange, bis er mit dem Wagen im ersten Gang mühsam aus dem Arroyo hinausgekrochen war. Da gewann seine fröhliche Morgenstimmung wieder die Oberhand, und er sagte sich, daß es bestimmt nur eine Höhleneule gewesen sei, die, von der nächtlichen Jagd heimkehrend, durch seine Scheinwerfer geblendet worden war.

Er hatte gerade den Cañon-Rand erreicht, wieder ebenen Boden unter den Rädern und den zweiten Gang eingelegt, da mußte er einsehen, daß ihn sein Optimismus getäuscht hatte.

Der Tote lag dicht neben dem Weg.   - Tony Hillerman, Wolf ohne Fährte. Reinbek bei Hamburg 1995

 

Geister Vogel

 

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