Gartengott  Weil Ada mit zwanzig bis weit in den Morgen schlief, hatte er vom Beginn ihres neuen gemeinsamen Lebens es sich zur Gewohnheit gemacht, vor ihrem Aufwachen zu duschen und während der Rasur vom Badezimmer aus nach dem Frühstück zu läuten, das Valerio hereinbrachte, indem er den gedeckten Tisch aus dem Fahrstuhl ins Wohnzimmer neben dem Schlafraum rollte. Aber da Van an diesem speziellen Sonntag nicht wußte, was Lucette wohl gern hätte (er erinnerte sich an ihre Vorliebe für Kakao), und da er begierig war, sich mit Ada zu vereinigen, bevor der Tag begann, auch wenn es bedeutete, in ihren warmen Schlaf einzudringen, beeilte er sich mit seinen Waschungen, trocknete sich kräftig ab, puderte seine Leistengegend und betrat, ohne sich die Mühe zu machen, etwas überzuziehen, in glanzvoller Männlichkeit das Schlafzimmer, wo er eine zerzauste und verdrießliche Lucette vorfand, die immer noch ihr weidengrünes Nachthemdchen trug und auf dem entfernten Ende des Konkubinenbetts saß, während Ada mit den dicken Brustwarzen, aus rituellen und prophetischen Gründen bereits sein rivière de diamants um den Hals, ihre erste Zigarette des Tages inhalierte und versuchte, Lucette eine Entscheidung zu entlocken, ob sie die Pfannkuchen des Monaco-Hotels mit Potomac-Sirup probieren wollte oder lieber ihren unvergleichlichen Bernstein-und-Rubin-Schinkenspeck. Als Lucette Van sah, der in imposanter Positur ohne mit der Wimper zu zucken ein Anrecht heischendes Knie auf die nahe Kante des riesigen Bettes placierte (Mississippi-Rose hatte einmal, zum Zwecke progressiver visueller Bildung, ihre beiden kleinen karamel-braunen Schwestern samt einer Puppe von fast gleicher Größe, aber weiß, mit dorthin gebracht), hob sie die Schultern und tat, als wollte sie gehen, aber Adas gierige Hand hielt sie zurück.

«Platz herein, Liebchen (es fing alles damit an, daß die Kleine winzige Winde bei Tisch losließ, circa 1882). Und du, Garten-Gott, ruf die Bedienung an - drei Kaffees, ein halbes Dutzend weichgekochter Eier, eine Menge Buttertoast und massenhaft von -»

«O nein!» unterbrach Van. «Zwei Kaffees, vier Eier, et cetera. Ich weigere mich, die Dienerschaft wissen zu lassen, daß ich zwei Mädchen im Bette habe, eine (teste Flora) ist genug für meine kleinen Bedürfnisse.»   - (ada)

Gartengott (2)  Man wird die Eigenschaften schon erkannt haben, die ihm in zahlreichen kleinen Geschichten zugeschrieben wurden: das Dunkle, Schreckenerregende, Phallische, aber nicht immer Bösartige. Freilich konnte er auch bösartig werden, zumal wenn man in der Mittagsstunde seinen Schlaf störte. Er führte den Reigen der Nymphen in der Nacht, führte auch den Morgen heran und hielt von den Bergspitzen Ausschau. Es wurden manche Liebesgeschichten von ihm erzählt, in denen er Nymphen verfolgte, oft mit demselben Erfolg wie Apollon die Daphne: die Nymphe Pitys verwandelte sich in eine Fichte, Syrinx in das Schilfrohr, aus dem Pan die syrinx, die aus einer Reihe von Röhren bestehende Hirtenflöte, verfertigte. Echo, von Pan verfolgt, wurde zu bloßer Stimme, zum Widerhall. Pans besondere Liebe galt aber Selene. Darüber wurde erzählt: Die Mondgöttin wollte dem dunklen Gott nicht folgen. Da kleidete sich Pan in weiße Schafspelze und lockte so die Geliebte zu sich. Er trug sie sogar auf dem Rücken. Es ist freilich nicht sicher, ob et von Anfang an diese Verwandlung brauchte, um die Rolle des erfolgreichen Liebhabers bei einer Göttin zu spielen, die sich immer wieder von der Dunkelheit umfangen läßt.  - (kere)

Gartengott (3)

 

Garten Götter

 

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Pan