ans  Vogel, der Federn zum Schreiben liefert. Vermöge eines okkulten Verfahrens der Natur sind diese Federn in unterschiedlichem Maße durchdrungen von der intellektuellen Kraft des Vogels und durchtränkt von seinem Gefühlsleben, so daß sie, wenn eine Person namens Autor sie in Tinte taucht und mechanisch übers Papier zieht, eine gute und verläßliche Transkription der geflügelten Gedanken und Gefühle des verblichenen Tieres liefern. Der durch dieses einfallsreiche Verfahren entdeckte Unterschied zwischen Gänsen ist beträchtlich; manche besitzen, wie sich zeigt, nur triviale und bedeutungslose Gaben, andere hingegen erweisen sich als wahrlich große Gänse. - (bi)

Gans (2) Wer sich mit einer bestimmten Forschungsrichtung beschäftigt, stößt unweigerlich auf dieses besondere Tier. Es wurde berühmt, weil sein menschlicher Ziehvater diesen »Zweibeiner« genau beobachtet hat und dabei erstaunliche Erkenntnisse über seine Fähigkeiten und Verhaltensweisen erwarb. Wie es sich für ein Mutter-Kind-Verhältnis gehört, teilte der Forscher ein Jahr lang das Schlafzimmer mit seinem Schützling.

Er zog die Kleine ohne ihre Geschwister auf, weil er nur ein einziges Tier auf seine Faltbootexpeditionen mitnehmen konnte. Schon bald gewöhnte sie sich daran, daß sie auf dem Weg vom Haus zum Fluß unter seinen Arm geklemmt wurde: die vielbefahrene Dorfstraße und eine dunkle Unterführung hätte sie alleine nicht bewältigt. In einem Buch gestand der Forscher später, daß er ihr damit enormen Streß zugefügt habe. Auf dem Fluß machten die beiden Unzertrennlichen lange Expeditionen, und sobald ihr Kleid wasserfest war, schwamm sie ihm treu hinterher.

Eines Tages verschwand sie auf Nimmerwiedersehen. Sie hatte einen Liebhaber gefunden, der aber mit ihrer »Menschenwelt« nicht zurechtkam. Der zukünftige Gatte folgte seiner Angebeteten in das Haus ihres Ziehvaters, bis hinein ins Schlafzimmer. In dieser fremden Umgebung überfiel ihn aber plötzlich die Panik, er flog auf - und knallte in den Kristallüster. Dabei verlor er zwar nur eine Schwungfeder, aber auch jegliche Lust, Menschen nahe zu kommen. Er entwischte samt seiner Geliebten aus dem Fenster, und kurze Zeit später verschwanden die beiden für immer.  - (nat)

Gans (3)

- André François

Gans (4)  Mehr noch als bei anderen Arten der Brandentengruppe hetzt bei der Nordafrikanischen Nilgans das Weib ihren Mann auf alle erreichbaren Artgenossen und mangels solcher leider auch auf andersartige Vögel, sehr zum Kummer des Tiergärtners, der sich dadurch genötigt sieht, die schönen Vögel flugunfähig zu machen und paarweise zu isolieren. Die weibliche Nilgans sieht allen Kämpfen ihres Gatten mit dem Interesse eines berufsmäßigen Ringrichters zu, hilft ihm indessen niemals, wie dies Graugansweibchen manchmal und weibliche Buntbarsche immer tun, ja, sie ist stets bereit, mit fliegenden Fahnen zum Sieger überzugehen, sollte ihr bisheriger Mann den kürzeren ziehen. - Konrad Lorenz, Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. München 1974 (zuerst 1963)

Tierarten Tiere, essbare
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