rau, gehörnte Der vielleicht berühmteste Fall Anfang des 19. Jahrhunderts war der einer Madame Dimanche,einer »Witwe Sonntag«, aus Paris, deren Horn aus ihrer Stirn herauswuchs und dann zwölf Zentimeter parallel zur Nase nach unten,fast bis zum Kinn. Monestier zufolge »beschloß sie im Alter von vierundachtzig Jahren eines Tages, es abschneiden zu lassen. Sie wußte, daß ihr Ende nahe war, und wollte nicht mit dem satanischen Schmuck, für den sie das Horn mittlerweile hielt, vor ihren Schöpfer treten«. Sie überstand den chirurgischen Eingriff (den der berühmte Dr. Sourberbeille vornahm) und lebte weitere sieben Jahre. - (wesch)
 
Witwe Sonntag

Die Witwe Sonntag

Frau, gehörnte (2) Was das angeblich verlorengegangene Horn von Mary Davis betrifft, so können wir dem unermüdlichen Arthur MacGregor, dem stellvertretenden Kustos der Ashmoleschen Sammlung, glauben, daß er jeder erdenklichen Spur nachgegangen ist (siehe seinen Beitrag in The Ashmolean, Nr. 3, 1983,S. 10 f.): Es gab in der Tat ein Horn,sogar mehrere. Die Hebamme aus Cheshire warf mehrere Paare ab, die an Größe die vorherigen jeweils übertrafen (»in Aussehen und Beschaffenheit gar ähnlich den Hörnern eines Widders«, wie in einer Broschüre aus jener Zeit zu lesen ist, »massiv und runzlig, aber arg beschwerlich für die alte Frau, besonders bei Wetterwechsel«
 
Mary Davis, gehörnt

Mary Davis aus Saughall (1668)

- (wesch)

Frau, gehörnte (3) Reine Stiere nun und Kälber schlachten alle Ägypter als Opfer, Kühe aber dürfen sie nicht schlachten, sondern sie sind der Isis heilig. So ist auch das Bild der Isis das eines Weibes, aber mit Rinderhörnern, ganz wie die Hellenen die Io malen, und die weiblichen Rinder verehren alle Ägypter in gleicher Weise, weit mehr als all das andere Vieh. - (hero)

Frau, gehörnte (4)  Einer kommt und spricht im traum zu dir: Die hörner ihrer frau sind viel zu lang, das trägt sich nicht gut! und da merkst du im traum, daß du mit einer neununddreißigjahrigen, gutaussehenden hexe verheiratet bist, einem schmalgliedrigen, gehörnten weibsstück, das das mark deiner knochen verzehrt und dir das gehirn versengt.

- (tra)

Frau, gehörnte (5)  

- Moebius (Jean Giraud)

Frau, gehörnte (6)  

- Apollonia Saintclair

Frau, gehörnte (7)  Im besonderen galt dem Gebiet der Pathologischen Anatomie die eigentliche Liebe des Schiffrztes, und unten in seiner Kajüte hatte er eine höchst widerliche Sammlung von Pariser Abgüssen in Gips und Wachs, die alle erdenklichen Mißbildungen menschlicher Glieder organischer und krankhafter Art darstellten. Das wichtigste darunter war ein Abguß, den man oft in den anatomischen Museen in Europa sieht und der zweifellos die nicht übertriebene Kopie eines echten Originals war. Dies war der Kopf einer älteren Frau mit seltsam sanften und demütigen Zügen, die aber gleichzeitig einen wunderbaren Ausdruck nagenden, nicht zu stillenden Kummers trugen. Man hätte es fast für das Gesicht einer Äbtissin halten können, die sich wegen irgendeines unaussprechlichen Verbrechens freiwillig aus der menschlichen Gemeinschaft zurückgezogen hat und ein Leben quälender, hoffnungsloser Buße führt. So wunderbar traurig und bis zu Tränen bemitleidenswert war dieses Haupt. Sah man es aber zum erstenmal, so überkamen einen keine solche Empfindungen. Das Auge und das erschreckte Gemüt wurden völlig bezaubert und in Erstarrung versetzt durch den Anblick eines scheußlichen runzligen Horns, gleich dem eines Widders, das aus der Stirn nach unten hervorwuchs und das Gesicht teilweise beschattete. Beim Hinschauen aber wich dieser erstarrende Zauber langsam vor seiner Abscheulichkeit, und dann brach einem das Herz völlig vor Schmerz, wenn man diese bejahrten, aschgrauen bleichen Züge betrachtete. Das Hörn war wie das Zeichen des Fluches einer rätselhaften Sünde, die empfangen und begangen worden war, ehe der Geist vom Fleisch Besitz ergriffen hatte. Aber diese Sünde schien etwas Auferlegtes und nicht frei Erwähltes, eine Schuld, die erwuchs aus den herzlosen Notwendigkeiten der Vorausbestimmung der Dinge, eine Schuld, unter der sich der Sünder in schuldlosem Leid beugte.

Aber weder Angst noch Pein, nicht der geringste Hauch von Mitgefühl berührte je Cuticles Brust, wenn er diesen Abguß sah. Dieser war unbeweglich auf einer Konsole an der Wand seiner Kajüte befestigt, so daß er der erste Gegenstand war, auf den seine Augen fielen, wenn er sie vom nächtlichen Schlummer öffnete. Auch war es nicht seine Absicht, das Gesicht zu verbergen, wenn er sich zurückzog und dann stets seine Marinemütze auf das nach oben gebogene Ende des Horns hängte, denn damit bedeckte er dies nur wenig. - (weiss)



Tierfrau Horn
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