Frauennamen  Angeklagt war einer aus Mazara del Valio, Sohn eines gewalttätigen und habgierigen Bürgers, der sich unter dem Schutz der Inquisition die Zeit damit vertrieb, die jungen Mädchen Bescheidenheit zu lehren und einigen. Ehemännern oder Vätern den Rücken zu streicheln, wie Manzoni sagen würde. Der Prozeß fand 1556 statt, und gewiß war es für den Untersuchungsrichter sehr schwierig, die »unbedarften kleinen Leute« zu Zeugenaussagen gegen einen gewalttätigen Mann und seine ebenso gewalttätige Familie zu bewegen, denen einerseits die Angst und andererseits die heilige Inquisition de facto und de iure fast vollständige Immunität sicherten. Doch abgesehen von den Fakten, die zu berichten zu lange dauern würde, fallen bei den Zeugenaussagen über die nächtlichen Heldentaten dieses schäbigen und vielleicht manischen Dorf-Don Giovanni die Namen der Frauen auf und beschäftigen die Phantasie: Violante, Xuri (Blume), Fiorella, Contissa, Gratiosa, Margarita (was noch nicht wie heute die fade Blume meinte, sondern Perle bedeutete). Ich bekomme Lust, auch in anderen Schriften aus diesen und noch früheren Zeiten nach weiteren Namen zu suchen, und ich finde: Allegranza, Cara, Diamantes, Granata, Letitia, Luna, Mille-fiori, Palma, Perla (nochmals Perle), Ricca, Fiorina, Fiordivilla, Filigrana... Nur zweimal Maria, dafür Hunderte von heiteren, phantasievollen, glückbringenden Namen, die die Farben des Frühlings, den Glanz der Sterne und Edelsteine, Schmuck und Juwelen aufschimmern lassen. Nur ein »schwerer« Name ist darunter: Pacienzia, die Geduld; schwer zu tragen, aber noch erträglich. Nicht unerträglich wie die Helligkeit, der Schmerz, das Kreuz oder die Kreuzigung, die den Frauen im darauffolgenden Jahrhundert durch ihre Namen (und vielleicht nicht nur durch die Namen) auferlegt wurden. Wie kommt es, daß Perla, Filigrana, Luna, Palma, Letitia so schmerzlichen und traurigen Namen wie Santa, Addolorata, Croce, Crocefissa gewichen sind?

Vielleicht läßt sich in anderen Regionen Italiens dasselbe Phänomen beobachten, aber in Sizilien ist der Übergang von den  Freudennamen  zu  den Schmerzensnamen  besonders kraß und auffällig. Ja, es ist die Hispanisierung des Lebens. Und die aus Spanien importierte Gegenreformation.  - (scia)

 

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