etischismus  Selbst wenn ich sie besser verstünde, dürfte es mir schwerfallen, die gewundenen Pfade der Freudschen Komplexe zu erläutern sowie seine Behauptung, daß allem Fetischismus ein Abscheu vor den Sexualorganen des anderen Geschlechts zugrunde liege. Doch möchte ich anmerken, daß er einen faszinierenden Einblick gewährt in die Ursachen, warum ein schöpferischer Mensch, vom alten sibirischen Schamanen bis zum modernen Künstler, aller Wahrscheinlichkeit nach sexuelle Probleme hat und warum es unter den Männern, die bekanntlich größere Schwierigkeiten im Umgang mit ihrer Mutter haben, mehr und größere Künstler gibt als unter den Frauen. Und wenn er sich über den ausgeprägten Tastsinn des Fetischisten äußert, wird man unweigerlich an Bernard Berensons »taktile Werte« erinnert.  - Bruce Chatwin, Der Traum des Ruhelosen. Frankfurt am Main 1998 (Fischer-Tb. 13729, zuerst 1996)

Fetischismus  (2)  Trotz der über alles Erwarten enormen Verbreitung der dadaistischen Bewegung über alle Erdteile bedarf es bei der Beurteilung des wirklichen Erfolges der unaufhaltsam und unbeirrbar vorwärtsdrängenden Weltbewegung wohlüberlegter skeptischer Zurückhaltung. Was bisher noch fast gänzlich fehlt, ist wirkliches Verständnis für die dadaistischen Bestrebungen. Es genügt nicht die Kesselpauke und Kindertrompete, zwar wichtige und tiefsinnige Symbole, für das Wesentliche zu halten; rechtes Verständnis des Dadaismus setzt durchaus ernstliche Beschäftigung mit nahezu allen Gebieten des Lebens, der Metaphysik, der Psychologie, Kunst usw. voraus.

Der Lehrbegriff des Dadaismus verlangt prinzipielle Einsicht in die durchgängige Irrelevanz der empirischen Welt, inklusive aller Ideologie; eben diese Subsumption pflegt den Menschen jedoch die größten Schwierigkeiten zu machen; sie haben es darauf abgesehen, knatterige Fetischisten ihrer Idole bedingungslos zu bleiben, höchstens mit ihnen ab und zu zu wechseln.

Hier kann nur der Dadaismus helfen.  - Daimonides, Zur Theorie des Dadaismus. In: Dada-Almanach 1920 (Repr. Berlin 1980)

Fetischismus  (3)

Fetischismus  (4) Eine Gaunerbande schien es darauf angelegt zu haben, alle Juwelen in ihren Besitz zu bringen. Der reiche Schmuck, kaum gekauft, verschwand auf unbegreifliche Weise, mochte er verwahrt sein wie er wollte. Noch viel ärger war es aber, daß jeder, der es wagte, zur Abendzeit Juwelen bei sich zu tragen, auf offener Straße oder in finstern Gängen der Häuser beraubt, ja wohl gar ermordet wurde. Die mit dem Leben davongekommen, sagten aus, ein Faustschlag auf den Kopf habe sie wie ein Wetterstrahl niedergestürzt, und aus der Betäubung erwacht, hätten sie sich beraubt, und am ganz ändern Orte als da, wo sie der Schlag getroffen, wiedergefunden. Die Ermordeten, wie sie beinahe jeden Morgen auf der Straße oder in den Häusern lagen, hatten alle dieselbe tödliche Wunde. Einen Dolchstich ins Herz, nach dem Urteil der Ärzte so schnell und sicher tötend, daß der Verwundete keines Lautes mächtig zu Boden sinken mußte. Wer war an dem üppigen Hofe Ludwig des XIV., der nicht In einen geheimen Liebeshandel verstrickt, spät zur Geliebten schlich, und manchmal ein reiches Geschenk bei sich trug? - Als stünden die Gauner mit Geistern im Bunde, wußten sie genau, wenn sich so etwas zutragen sollte. Oft erreichte der Unglückliche nicht das Haus, wo er Liebesglück zu genießen dachte, oft fiel et auf der Schwelle, ja vor dem Zimmer der Geliebten, die mit Entsetzen den blutigen Leichnam fand.

Vergebens ließ Argenson, der Polizeiminister, alles aufgreifen in Paris, was von dem Volk nur irgend verdächtig schien, vergebens wütete la Regnie, und suchte Geständnisse zu erpressen, vergebens wurden Wachen, Patrouillen verstärkt, die Spur der Täter war nicht zu finden. Nur die Vorsicht, sich bis an die Zähne zu bewaffnen, und sich eine Leuchte vortragen zu lassen, half einigermaßen, und doch fanden sich Beispiele, daß der Diener mit Steinwürfen geängstet, und der Herr in demselben Augenblick ermordet und beraubt wurde.

Merkwürdig war es, daß aller Nachforschungen auf allen Plätzen, wo Juwelenhandel nur möglich war, unerachtet nicht das mindeste von den geraubten Kleinodien zum Vorschein kam, und also auch hier keine Spur sich zeigte, die hätte verfolgt werden können.    - E. Th. A. Hoffmann, Das Fräulein von Scuderi (zuerst ca. 1819)

 

Verehrung

 

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