atalismus   Ah, wie wahr ist es doch, daß der Fatalismus die einzige Weltanschauung ist, die für Wilde paßt; wenn man die Sprache der Tiere wirklich verstünde, würde man sehen, daß er die einzige Weltanschauung aller Tiere ist. Der Fatalismus ist Vater und Sohn der Barbarei; er ist von ihr gezeugt und nährt sie dann. Und wissen Sie warum ? Weil er die bequemste Weltanschauung für Faulenzer ist und darum die bequemste für den Menschen.  - (gale)

Fatalismus (2)  Die Haushälterin behauptet sie sei zu schwach, um öfter als zweimal am Tag in das obere Stockwerk zu steigen, morgens gegen acht nach ihrem Kaffee, um Monsieur den seinen zu bringen und abzustauben, und abends, um schlafen zu gehen. Sie würde sogar lieber unten schlafen, auf der Couch im Eßzimmer neben der Küche, aber ihr Herr will das nicht. Noch nie hat man eine Haushälterin in einem Eßzimmer schlafen sehen. Außerdem müßte man einige Möbel ins Wohnzimmer räumen und ein paar von dort ins Rauchzimmer, in dem man sich dann nicht mehr rühren könnte. Die Haushälterin hat auch an das Rauchzimmer gedacht, um dort ihr Schlafzimmer einzurichten, aber Monsieur Traum, war da genauso unnachgiebig. Das ist ein Raum, in dem er unangemeldete Besucher empfängt, denn das Wohnzimmer ist den andern vorbehalten. Und außerdem hat man auch noch nie eine Haushälterin in einem Rauchzimmer schlafen sehen. Wenn sie beim Treppensteigen einen Herzschlag bekommt, wie sie behauptet, dann ist das ihr Schicksal. Und wäre die Aussicht, dabei dran glauben zu müssen, geringer für sie, wenn sie nur einmal am Tag zum Saubermachen hinaufstiege? Das Schicksal kümmert sich nicht um diese Art Berechnungen.  - (rp2)

Fatalismus (3) Zeno Cosini, ein junger Triestiner Kaufmann, will die schöne Ada heiraten. Während eines geselligen Abends im häuslichen Kreis der Auserwählten macht er (das Zimmer ist verdunkelt: Die Familie unterhält sich bei spiritistischen Übungen) aus Versehen Adas schielender Schwester Augusta die Liebesgeständnisse. Die überraschte Augusta nimmt den Antrag schicksalsergeben an; Zeno Cosini erschrickt zwar kurz, greift aber nicht korrigierend in seine eigene falsche Liebesgeschichte ein, sondern fügt sich dem von ihm selbst eingeleiteten Geschick. Das heißt, das Subjekt weiß nicht, was seine Liebesrealität ist. Als seine Realität kennt er lediglich das innere Gebot, niemanden enttäuschen zu dürfen. Am Ende heiratet Zeno Cosini nicht Ada, sondern tatsächlich Augusta, ohne sie recht zu begehren und ohne jemals aufhören zu können, sich nach der verfehlten Ada zu sehnen. -  Wilhelm Genazino, Achtung Baustelle. Frankfurt am Main 1998

Fatalismus (4) Als das Krokodil wieder fort war, öffnete Fanna einen Raum im Haus, den ihr Mann immer verschlossen hielt. Dort verwahrte nämlich das Krokodil die Menschen, die es noch nicht gefressen hatte. Dann öffnete Fanna noch eine andere Tür und stand in einem Raum, in dem ganze Haufen abgenagter Menschenknochen lagen. Da mußte Fanna noch schmerzlicher weinen, und ihr Mann überraschte sie dabei und wollte wiederum wissen, warum sie denn weint. »Ich weine, weil ich meine Mutter sehen will«, antwortete Fanna. »Weine nicht, deine Verwandten werden bald vorbeikommen!« sagte ihr Mann, und kurz darauf fuhren auch tatsächlich Leute in einem Boot an der Insel vorbei. Aber Fanna konnte ihren Vater nicht entdecken und rief den Leuten zu: »Wo ist denn mein Vater?« - »Dein Vater wird im anderen Boot kommen!« riefen ihr die Leute zu und sangen:

»Vaters Boot, Vaters Boot,
holt Tochter von der Insel fort.
Menschen frißt das Krokodil
auf der Insel hier im Nil.«

Der Vater legt auf der Insel an und seine Tochter ruft: »Mein Vater, ich habe ein Krokodil geheiratet!« - »Gott hat es geschrieben, daß du das Krokodil heiratest!« antwortet der Vater. Sie sagt zu ihrem Onkel: »Bruder meiner Mutter, du hast mich mit einem Krokodil verheiratet!« - »Gott hat es so bestimmt!« antwortet der Onkel. Zum Krokodil sagt sie, daß sie ihre Mutter besuchen will, und ihr Mann füllt das Boot mit Gold, Perlen und Achaten. Dann stoßen sie ab und als sie zu Hause landen, weint die junge Frau und sagt zu ihrer Mutter: »Wenn mein Mann ins Wasser steigt, dann ist er ein Krokodil, auf der Erde aber ist er ein Mensch!« - »Gott hat es so geschrieben, daß du ein Krokodil heiratest, und was können wir dagegen tun? Gott will es so, und wir können es nicht ändern!« So blieb die Tochter einige Zeit bei ihren Eltern und kehrte dann wieder zu ihrem Mann zurück. Dem Krokodil gebar sie einen Sohn im Wasser. - Nubische Märchen. Hg. Andreas und Waltraud Kronenberg. Köln u. Düsseldorf 1978 (Diederichs, Märchen der Welt)

Fatalismus (5)  Das wiederholte Wenden des Pulvers diente dazu, seine Entzündbarkeit zu erhalten. Und sicherlich war es eine Arbeit von schrecklicher Bedeutung, so tief unter dem Sonnenlicht begraben zu sein, mit ganzen Fässern voll Pulver zu hantieren, von denen eins, wenn es mit dem kleinsten Funken in Berührung kam, Kraft genug besaß, eine ganze Straße von Lagerhäusern in die Luft zu sprengen.

Der Stückmeister hieß der „alte Zünder", obgleich dies, wie mir scheint, ein unwürdiger Name ist für eine so wichtige Persönlichkeit, die unser aller Leben in ihrer Hand hatte.

Während wir in Callao lagen, erhielten wir von Land mehrere Fässer Schießpulver. Sobald die Barkasse damit längsseits kam, wurde Befehl gegeben, alle Lichter und alle Feuer auf dem Schiff auszulöschen, und der Waffenmeister und seine Korporale inspizierten alle Decks, um festzustellen, daß dieser Befehl ausgeführt wurde. Zweifellos eine sehr kluge Vorsorge, die aber in der türkischen Marine überhaupt nicht beachtet wird. Friedlich rauchend sitzen die türkischen Matrosen auf ihren Geschützlafetten, während die Pulverfäßchen unter ihren brennenden Pfeifenköpfen vorbeigerollt werden. Das beweist, ein wie großer Trost in der Lehre dieser Fatalisten steckt und wie eine solche Lehre wenigstens bei einigen Dingen die Menschen von aufregenden Sorgen befreit. Aber im Grunde sind wir alle Fatalisten. Auch brauchen wir uns gar nicht so sehr über den Mut jenes Armeeoffiziers zu wundern, der seinen persönlichen Feind aufforderte, mit ihm gemeinsam auf ein Pulverfaß zu steigen, das Feuerzeug zwischen beiden, und miteinander in die Luft zu fliegen, denn es ist ziemlich sicher, daß die ganze Erde ein riesiges Gebinde voll von brennbarem Material ist, auf dem wir täglich umhersteigen, und gleichzeitig ist sicher, daß alle guten Christen daran glauben, in jeder Minute könne der Jüngste Tag anbrechen und die furchtbare Verbrennung des ganzen Planeten zur Folge haben.   - (weiss)

 

Unterwürfigkeit Schicksal Islam

 

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