infrieren  Er machte einen letzten Versuch: „Hör mal, jetzt reicht's mir aber! Ich brauch dir wohl nicht zu sagen, was für eine Temperatur da drinnen ist. Vierzig Grad minus - da bist du im Nu steif wie ein Brett..." Vielleicht konnte er ihr doch noch Angst einjagen, sie durch die Drohung weichmachen? Aber als er ihren Blick sah, wußte er, daß es sinnlos war.

Jetzt mußte er sie umbringen; wenn nicht, würde er im Gefängnis landen ... Und wenn er sie umbrachte, würde er über kurz oder lang auch dort landen. Aber war es dann nicht besser, sie wenigstens für ihren Starrsinn zu bestrafen ? Und obendrein würde es ein letzter Dienst sein, den er allen Arbeitern und Angestellten der SSS erweisen konnte ... „Also gut —ganz wie du willst." Er atmete tief. „Dann darfst du jetzt an die frische Luft... Er drückte auf den Knopf; die äußere Tür der Gefrieranlage ging auf, und er stieß die Signora in die Temperaturschleuse. „.. . nicht eine einzige Lira!" schrie sie noch, während sich die Tür auf seinen Knopfdruck hin schon wieder schloß.

Sollte sie doch schreien, soviel sie wollte .. . Er drückte auf den nächsten Knopf - jetzt mußte sich die innere Tür zu den Tiefkühlkammern öffnen .. . vierzig Grad minus. Mindestens.

Ihr Schrei wurde fast augenblicklich durch die Kälte erstickt, die ihr aus der Kammer wie eine Woge entgegenschlug.   - Giorgio Scerbanenco, Stirb bei den tiefgekühlten Fischen. In: G.S., Stirb bei den tiefgekühlten Fischen. Reinbek bei Hamburg 1977 

Einfrieren (2)  Mit einem Chemiebaukasten, den ihm seine Eltern geschenkt hatten, braute sich der Collegestudent Barry Kidston im Sommer 1976 eine Substanz namens MPPP zusammen. Dieses «1-Methyl-4-Phenyl-Propionoxypiperidin» hatte 1947 erstmals der Hoffmann-La Roche-Chemiker Albert Ziering synthetisiert, und Kidston benutzte es als billigen Heroinersatz. Das ging einige Monate gut, dann machte der junge Amerikaner bei der Synthese einen kleinen Fehler. Als er sich seine Droge wie gewohnt intravenös spritzte, begann sein Arm bald darauf wie Feuer zu brennen, und eine verheerende Lähmung breitete sich in Kidstons Körper aus. Innerhalb von drei Tagen «fror» der Collegestudent regelrecht ein. Er konnte sich weder bewegen noch sprechen, und seine Eltern brachten ihn ins Krankenhaus. Dort entdeckte man schließlich, daß Kidston dieselben Symptome wie Parkinson-Kranke zeigte: Offenbar war in seinem Gehirn die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin gestört, der eng mit der Bewegungskontrolle zusammenhängt. Als Kidston daraufhin das Gegenmittel L-Dopa erhielt, «taute» er innerhalb kurzer Zeit wieder auf.

Allerdings, das zeigten auch ähnliche Fälle von «eingefrorenen Süchtigen» Anfang der achtziger Jahre im kalifornischen San Jose, ist L-Dopa kein Allheilmittel. Auch wenn die Besserung am Anfang dramatisch ist, so treten doch nach einiger Zeit verheerende Nebenwirkungen auf. Als Barry Kidston im September 1978 nach achtzehnmonatiger Behandlung in eine Depression fiel und an einer Überdosis Kokain starb, zeigte die Autopsie seines Gehirns dieselben neuronalen Schäden wie bei einem Parkinson-Patienten: ein extremer Zellverlust in der Substantia nigra. Die «dunkle Substanz» war bei Kidston praktisch verschwunden.   - (kopf)

 

Kälte

 

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