heleben  Wenn Henry Wilt den Hund zu einem Spaziergang ausführte, oder richtiger, wenn der Hund ihn ausführte, oder um genau zu sein, wenn Mrs. Wilt beiden sagte, sie sollten bloß sehen, dass sie aus dem Hause kämen, damit sie ihre Yogaubüngen machen könne, schlug er stets denselben Weg ein. Das heißt, der Hund folgte dem Weg, und Wilt folgte dem Hund. Sie gingen am Postamt vorbei, über den Spielplatz, unter der Eisenbahnbrücke durch und zum Fußweg am Fluss. Eine Meile am Fluss lang, dann wieder unter der Eisenbahn durch und durch Straßen zuruck, in denen die Häuser großer als Wilts halbes Doppelhaus, die Bäume und Gärten riesig und alle Autos Rovers und Mercedesse waren. Und hier verrichtete Clem, ein rassereiner Neufundländer mit Stammbaum, der sich in dieser Gegend offenbar heimischer fühlte, sein Geschäft, wahrend Wilt dastand und sich ziemlich nervös umsah, weil er wusste, dass das nicht seine Gegend war, und er doch wollte, sie wäre es. Das war während des Spazierganges ungefähr das einzige Mal, dass er sich überhaupt seiner Umgebung bewusst wurde. Den ganzen übrigen Weg begaben sich seine Gedanken auf die Reise und schlugen Richtungen ein, die mit seinem Äußeren auf dem Weg überhaupt nichts zu tun hatten. Es war eine Reise voller Wunschträume, eine Pilgerfahrt auf den Spuren entfernter Möglichkeiten, wie zum Beispiel, dass Mrs. Wilt für immer verschwände, dass er plötzlich reich und mächtig war, und was er täte, wenn er zum Erziehungsminister oder, besser noch, zum Premierminister ernannt wurde. Zum Teil setzte sich das aus einer Reihe verzweifeiter Ausflüchte zusammen, zum Teil aus einem stummen Dialog, sodass jeder, dem Wilt aufgefallen wäre (aber den meisten fiel er nicht auf), hatte bemerken können, wie sich hin und wieder seine Lippen bewegten und sein Mund sich zu einem Lächeln kräuselte, was er albernerweise für sardonisch hielt, wahrend er Streitpunkte erörterte oder mit unglaublicher Schlagfertigkeit Gegenargumente parierte.

Und auf einem dieser Spaziergänge, den er nach einem besonders aufreibenden Tag in der Berufsschule im Regen machte, kam Wilt zum ersten Mal der Gedanke, dass sich nur dann seine geheime Hoffnung erfüllen und er sein Leben selber in die Hand nehmen könne, wenn seine Frau irgendein nicht unbedingt zufälliges Unglück ereile. - Tom Sharpe, Puppenmord. München 2006 (zuerst 1976)

Eheleben (2)  »Ach, du blöder Hahnrei, holst du dir mal wieder einen von der Palme beim Anblick dieser Glitschen? An sonst denkst du ja nichts, du blöder Hund du blöder, anstatt dich um deine Frau und deine Kinder zu kümmern «

Sie haben zwar keine Kinder, aber die Formel hatte sie von ihrer Mutter, sie selbst hatte immer nur Fehlgeburten gehabt, wegen ihrer Krankheiten.

Gramigni drehte sich um und stürzte sich auf das Rabenaas. Noch bevor er sie hatte erreichen können, schmiß sie den Olivenpott auf den Boden, der Pott zerbrach, die Oliven flitzten unter die Kisten.

»Hier hast du deine Spezialoliven, du Schleimscheißer. Hier hast du deine Oliven, die du extra für diese Nutten fabrizierst.«

Gramigni setzte seinen Lauf fort, glitt auf einigen Oliven dahin wie auf Rollen und machte auf den Steinfließen einige Luftsprünge. Sein Ehegespons nutzte den Vorteil aus und wuchtete ihm eine Auswahl Konserven auf den Magen. Lange sollte sie jedoch nicht triumphieren, der Paduaner kriegte sie neben dem Gebäck zu fassen und streckte sie mit zwei wuchtigen Schlägen aufs Lästermaul nieder. Dann begann er anständig auf ihr herumzutrampeln.

Empört kotzte sie. - (lim)

Eheleben (3)   Der Kaufmann  hatte  einen Hahn, und dieser hatte fünfzig Hennen unter sich; auch hatte er einen Hund. Nun hörte der Kaufmann, wie der Hund den Hahn anschrie und ihn schalt, indem er sagte: ,Du bist so vergnügt, während doch unser Herr sterben soll!' Da fragte der Hahn den Hund: ,Was ist denn das für eine Sache?' Und der Hund erzählte ihm die ganze Geschichte. Da rief der Hahn aus: ,Bei Allah, unser Herr ist doch geringen Verstandes! Siehe, ich habe fünfzig Frauen; mit den einen gehts im Guten, mit den anderen im Bösen. Aber unser Herr hat nur eine einzige Frau und kann mit ihr seine Sache nicht regieren! Warum nimmt er denn nicht für sie ein paar Zweige vom Maulbeerbaum, geht mit ihr in seine Schatzkammer und schlägt sie, bis sie entweder tot ist oder bereut und ihn nie wieder nach etwas fragt!' - (1001)

Eheleben (4)   Verlobt war Claudius in sehr jungen Jahren zweimal: mit Ämilia Lepida, einer Urenkelin des Augustus, und mit Livia Medullina, die auch Camilla mit Zunamen hieß und aus dem alten Geschlecht des Diktators Camillus stammte.

Die erste verstieß er noch als Jungfrau, weil ihre Eltern Augustus beleidigt hatten. Die zweite verlor er an dem für die Hochzeit festgesetzten Tag durch Krankheit. Er heiratete Plautia Urgulanilla, deren Vater die Triumphalabzeichen erhalten, und bald darauf Älia Patina, deren Vater Konsul gewesen war; von beiden schied er sich wieder, von Plautia wegen unbedeutender Ärgernisse, von Urgulanilla dagegen wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels und wegen Mordverdachts. Nach ihnen vermählte er sich mit der Tochter seines Vetters Barbatus Messala, Valeria Messalina. Sie ließ er hinrichten. Denn er hatte erfahren, daß sie neben anderen Schandtaten sich sogar in aller Form mit Gajus Silius unter Aufnahme eines ordnungsgemäß von den Auguren vollzogenen Ehekontrakts über Aussteuer und Heiratsgut vermählt hatte. Zugleich erklärte er in einer Versammlung vor seinen Prätorianern: „Weil ich mit meinen Ehen kein Glück habe, will ich fortan unvermählt bleiben, und wenn ich es nicht bleibe, habe ich nichts dagegen, von Eurer Hand erstochen zu werden." Er war aber doch nicht imstande, es durchzuführen, sondern trat sofort wieder in Unterhandlungen zu einer neuen Ehe, sogar mit der früher von ihm verstoßenen Patina und mit Lollia Paulina, der früheren Gattin des Kaisers Gaius Caligula. Allein die Verführungen Agrippinas, der Tochter seines Bruders Germanicus, die ihre nahe Verwandtschaft zu ihm zu Liebkosungen und Zärtlichkeiten zu benutzen wußte, reizten seine Sinnlichkeit derart, daß er einige Senatoren anstiftete, in der nächsten Senatssitzung den Antrag zu stellen, man müsse Claudius zwingen, zum Wohl des Staates Agrippina zu heiraten, und zugleich überhaupt solche Verbindungen, die bisher als Blutschande gegolten hatten, für allgemein erlaubt erklären. Kaum war ein Tag nach jener Erklärung verstrichen, so vollzog Claudius die Heirat, doch fand sich niemand, der seinem Beispiel gefolgt wäre.   - (sue)

Eheleben (5)   Anfang September, als der Bankauszug kam, stellte Vic fest, daß über hundert Dollar mehr als sonst abgehoben worden waren; von Melinda, selbstverständlich. Ein Barscheck über den Betrag von 125 Dollar fiel ihm besonders auf; er enthielt keine Adresse. Er versuchte sich zu erinnern, ob sie Kleidung oder etwas fürs Haus gekauft hatte, aber es fiel ihm nicht ein. Normalerweise wäre ihm eine Mehrentnahme von hundert Dollar im monatlichen Budget wahrscheinlich entgangen, aber weil er jetzt Melinda in jeder Beziehung so aufmerksam beobachtete, hatte er den Bankauszug sorgfältiger als sonst durchgesehen. Der Scheck über 125 Dollar trug das Datum vom 20. August; das war eine Woche nach De Lisles Begräbnis gewesen (zu dem Melinda nach New York gefahren war), und Vic konnte sich nicht vorstellen, daß der Betrag etwa für Blumen oder für etwas Derartiges bestimmt gewesen war.

Es war immerhin denkbar, daß sie einen Privatdetektiv engagiert hatte, und Vic begann, sich in Little Wesley nach einem neuen Gesicht umzusehen, nach einem unbekannten Gesicht, das vielleicht ein besonderes Interesse für ihn verriete. -  Patricia Highsmith, Tiefe Wasser. Zürich 1976 (zuerst 1957)

Eheleben (6)  Mein Mann und ich gingen durch einen Wald, kamen an einem eingezäunten Abgrund vorbei. Wir kamen ins Gruseln, in diesem Abgrund hielten sich Löwen auf. Link schimpfte und sagte: „Ich werfe dich gleich hier hinunter!" Schon lag ich tief unten. Die Löwen stürzten sich auf mich los, aber ich streichelte und liebkoste die Tiere, gab auch meine Stullen zu fressen. Diese Tiere taten mir nichts. Kletterte den Abhang beim Füttern herauf und sprang dann über den Zaun. Link aber sagte wütend: „Du Aas krepierst nicht." Hier war eine Tür, die nur angelehnt war. Ich gab Link einen Stoß, der stürzte hinunter. Die Löwen haben ihn zerrissen, und er lag dort in einer großen Blutlache.  - (je)

Eheleben (7)  Harry betrachtete seinen Sohn, der auf dem Tisch lag und mit einer Windel spielte. Er bedeckte seinen Kopf damit und lachte. Harry sah einige Augenblicke zu, wie er mit der Windel hin und her wedelte. Er sah auf den Penis seines Sohnes. Er starrte ihn an und berührte ihn. Er fragte sich, ob ein Kind von 8 Monaten dort wohl etwas Besonderes empfinden könne. Vielleicht empfand es überall dasselbe, ganz gleich, wo man es berührte. Wenn er Wasser lassen mußte, wurde er manchmal steif, doch das hatte wohl nichts zu bedeuten. Seine Hand lag immer noch auf dem Penis seines Sohnes, als er seine Frau hereinkommen hörte. Er zog die Hand fort und trat einen Schritt zurück. Mary nahm dem Kind die saubere Windel aus der Hand und küßte es auf den Bauch. Harry sah zu, wie sie ihre Wange am Bauch des Kindes rieb, wobei ihr Hals gelegentlich den Penis streifte. Es sah aus, als würde sie ihn gleich in den Mund nehmen. Er wandte sich ab. Sein Magen zog sich zusammen und er empfand leichte Übelkeit. Er ging ins Wohnzimmer. Mary zog das Kind an und legte es in sein Bettchen. Harry hörte, wie sie am Bettchen herumrückte. Er hörte das Kind an seiner Flasche saugen. Harrys Muskeln und Nerven verkrampften sich und vibrierten. Am liebsten hätte er diese Geräusche zu einem Klumpen geballt und ihn ihr hinten reingeschoben, hätte das gottverdammte Balg gepackt und es ihr in die Möse zurückgestopft. - Hubert Selby, Letzte Ausfahrt Brooklyn. Reinbek bei Hamburg. 1989 (zuerst 1957)

Eheleben (8)  In einem alten Schloß wohnt ein Prinz, ein mordsmäßiger Trinker. Die Frau dieses Prinzen dagegen trinkt nicht einmal Tee, nur Wasser und Milch. Ihr Mann aber trinkt Wodka und Wein, Milch nicht. Dabei trinkt sie eigentlich auch Wodka, nur daß sie es verheimlicht. Ihr Mann aber ist ein frecher Hund und verheimlicht es nicht. »Ich trinke keine Milch, ich trinke Wodka!« sagt er bei jeder Gelegenheit. Sie jedoch zieht in aller Stille das Fläschchen unter der Schürze hervor, und gluck!, nun ja - trinkt. Ihr Mann, der Prinz, sagt: »Du könntest mir was abgeben.« Seine Frau, die Prinzessin, sagt: »Nein, ich habe selbst nicht genug. Kriä!« - »Ach du -Ampe!« sagt der Prinz. Und mit diesen Worten, batsch, haut er seine Frau auf den Fußboden. Seine Frau liegt auf dem Fußboden und weint, den ganzen Rüssel hat sie sich aufgeschlagen. Der Prinz aber hüllt sich in seinen Umhang und begibt sich auf seinen Turm. Dort hat er Käfige aufgestellt. Er züchtet dort Hühner, müssen Sie wissen. Der Prinz kommt also auf den Turm, dort spektakeln die Hühner, wollen Futter. Ein Huhn fängt sogar an zu wiehern. »Na warte, du«, sagt der Prinz, »Chante-clair! Halt den Rand, sonst kriegst du was in die Zähne!« Das Huhn versteht aber keine Wörter und wiehert weiter. Und das Ende vom Lied - das Huhn spektakelt auf dem Turm, der Prinz flucht auf Teufel komm raus, und seine Frau unten liegt auf dem Fußboden, kurz, das reinste Sodom. - (charms)

Eheleben (9)  In seiner Zeit des Wohlstands heiratete er seine dritte Frau. (Die erste und die zweite, von denen man allerdings nicht weiß, ob sie ihm wirklich angetraut waren, lebten damals noch.) Sie hieß Elizabeth Man und war, obwohl ein ehemaliges Straßenmädchen, eine sehr vernünftige und sympathische Person. Hier ist ihre kurze Geschichte: Jonathan liebte sie mehr als alle seine anderen Frauen und lebte in aller Öffentlichkeit mit ihr zusammen, was er mit jenen nicht getan hatte. Die beiden hatten keine Kinder. Sie bereute, wie er selbst erklärt hat, ihr früheres Leben aufrichtig und war ihm eine vortreffliche Ehefrau. Von den Sünden ihrer bösen Vergangenheit reinigte sie sich, indem sie eine vollständige Beichte ablegte und Buße tat. Sie hatte sich zum Katholizismus bekehren lassen, und nachdem ihr Beichtvater ihr Absolution erteilt hatte, führte sie einige Jahre lang ein sehr anständiges Leben. Dann starb sie und wurde in St. Pancras-in-the Fields beerdigt. Die Frömmigkeit und Tugend seiner Frau beeindruckten Jonathan so nachhaltig, daß er sie zeit seines Lebens nicht vergaß. Er verfügte, man solle ihn neben ihr begraben, und als es so weit war, erfüllten ihm seine Freunde gegen zwei Uhr morgens diesen Wunsch.

Nach ihrem Tod hatte er zwei weitere sogenannte Ehefrauen, aber so viel ich weiß, wohnte er nicht, oder zum mindesten nicht lange, mit ihnen zusammen. Die eine, Sarah Parrin, alias Gregstone, soll noch am Leben sein, von der anderen, Judith Nun, hatte er eine Tochter, die jetzt etwa zehn lahre alt ist. Die Mutter lebt ebenfalls noch.

Diesen fünf Frauen ließ er eine sechste folgen, die er vor ungefähr sieben Jahren heiratete und mit der er bis zu seiner Hinrichtung zusammenlebte. Ihr Mädchenname war Mary Brown, aber als er sie zur Frau nahm, hieß sie Mary Dean und war die Witwe von Skull Dean, einem Zunftgenossen, der 1716 oder 1717 wegen Einbruchsdiebstahls hingerichtet worden war. Einige Leute haben Jonathan bezichtigt, zur Verurteilung ihres ersten Ehemannes beigetragen zu haben, um ihr ungehindert den Hof machen zu können.  - Daniel Defoe, Jonathan Wild. In: D.D., Romane in zwei Bänden. München 1968 (zuerst 1725)

Eheleben (10)  

Eheleben

- George Grosz und seine Frau Eva, nach: Hanne Bergius, Das Lachen Dadas. Die Berliner Dadaisten und ihre Aktionen. Gießen 1989

Eheleben (11)  Da waren  Clausen und seine Frau Lena. Sie kamen gemeinsam, als er sich um den Posten bewarb. Lena hatte ein Baby auf dem Arm, und er hielt zwei Kleine an der Hand. Sie waren von einem Wohlfahrtsbüro zu mir geschickt worden. Ich stellte ihn als Nachtboten ein, damit er ein festes Gehalt bekam. Nach ein paar Tagen bekam ich einen Brief von ihm, einen verrückten Brief, in dem er mich bat, sein Fernbleiben zu entschuldigen, da er sich bei dem vom Gefängnis bestellten Vormund hätte melden müssen. Dann kam ein anderer Brief, in dem es hieß, seine Frau weigere sich, mit ihm zu schlafen, da sie keine Kinder mehr haben wolle, und ob ich nicht bitte kommen möge, um sie zu überreden, wieder mit ihm zu schlafen. Ich ging zu seiner Behausung, einem Kellerloch im italienischen Viertel. Es glich einem Wanzennest. Lena war wieder etwa im siebten Monat schwanger und halb wahnsinnig. Sie stieg jetzt zum Schlafen aufs Dach, weil es im Keller zu heiß war und auch weil sie nicht mehr von ihm belästigt werden wollte. Als ich ihr sagte, das würde in ihrem Zustand ja nun nichts mehr ausmachen, sah sie mich nur grinsend an. Clausen war im Krieg gewesen; vielleicht hatte das Gas ihn ein wenig schwachsinnig gemacht - jedenfalls stand ihm der Schaum vorm Mund. Er erklärte, er würde ihr den Schädel einschlagen, wenn sie nicht von diesem Dach herunterkäme. Er deutete an, daß sie nur dort oben schlief, um es mit dem in der Dachstube wohnenden Kohlenträger treiben zu können. Daraufhin lächelte Lena wieder mit ihrem freudlosen, froschartigen Grinsen. Clausen verlor die Geduld und versetzte ihr rasch einen Tritt in den Hintern. Sie ging beleidigt hinaus und nahm die Bälger mit. Er rief ihr nach, sie solle nur ganz wegbleiben. Dann öffnete er eine Schublade und zog einen großen Colt heraus. Er bewahre ihn auf für den Fall, daß er ihn eines Tages brauche, sagte er. Er zeigte mir auch ein paar Messer und eine Art Totschläger, den er selbst angefertigt hatte. Dann begann er zu weinen. Er sagte, seine Frau halte ihn zum Narren, er habe es satt, für sie zu arbeiten, weil sie mit jedem in der Nachbarschaft schlafe. Die Kinder seien nicht von ihm, denn er könne kein Kind mehr zeugen, auch wenn er wolle. Bereits am nächsten Tag, während Lena zum Einkaufen gegangen war, schleppte er die Kinder aufs Dach hinauf und schlug ihnen mit dem Totschläger, den er mir gezeigt hatte, den Schädel ein. Dann sprang er kopfüber vom Dach hinunter. - (wendek)

Eheleben (12)

- Bonnie Raitt & John Prine: Angel from Montgomery (John Prine), aus: The Bonnie Raitt Collection (Warner Brothers 1990)

Eheleben (13)

- N.N.

Eheleben (14)

- Félix Vallotton

Eheleben (15)

Strategie
(Idylle)

Und so ist es immer-dar dasselbe —
Und es muss mich immer-dar verdrießen —
Sind wir an dem Hudson — sind wir an der Elbe
Er vergisst den Kocher aufzugießen.

Mit dem Streichholz steh ich — dem entflammten
Meine Blicke flammen mehr
Diesen Kocher halt ich — den Verdammten
Dieser Kocher ist entschieden leer!

»Leo !« ruf ich — Schlange mir am Herde —
Stiller Ozean der Grässlichkeit —
Sieben-zackigstes Kamel der Erde
Himalaya der Vergesslichkeit — — —

Sieh — rasch folgend dem bekannten Mahnen —
Wie er's ritterlich getrieben hat
Steckt den Ring zurück er — seiner Ahnen —
Den nervös er blank gerieben hat —

Steckt den Ring zurück er an den Finger —
Kommt gestürzet mit dem Spiritus —
Weh ! Ist die Kalamität geringer? Gießet —
Dass es überlaufen muss!

»Leo !« ruf ich — greuliche Kanaille!
Hell! Du planschst ja alles über'n Rand!
Schlingt er keck den Arm um meine Taille —
Männer haben SONST was — als Verstand !

Schillernd Band beginnt er aufzuzupfen —
Dass zur Schleife sich gebogen hat —
Hört nicht auf — an mir — herumzurupfen —
Bis er mich unangezogen hat.

Stumm — zur willenlosen Marionette
Fühl ich steif mich reduziert
Fluchend zu dem schutzbereiten Bette
Ruf ich — schnippisch — indigniert.

»Hu ! Die Männer! Pah ! Ihr alle !
Eure männliche Intelligenz
Überrumpelt uns in jedem Falle
Durch unwürdige Inkonsequenz.«

Süße Heuchelei des Weibes — Liebe —
Schmäh nicht überleg'ne Strategie.
Du warst frech — und wolltest Hiebe —
Hab ich recht — Schatz ? Na — und wie !«

Du bist frech — du hast mich hingeschmissen!
Donnerwetter — bin ich nicht dein Mann ?
Deinen Wünschen bin ich stets beflissen
Nach-zu-kommen wo ich kann.

»Darling !« sag ich — »Bully!« sagt er —
»Be respectful and obey.«
Hab ich dich beruhigt — »Sweetheart« — fragt er
Siehste — und jetzt kommt der Tee.

Und so ist es immer dar dasselbe
Immer kocht der Kocher leer —
An dem Hudson — und an der Elbe —
Trinken zärtlich wir den Tee nachher.

 -  Mein Mund ist lüstern - I got lusting palate. Dada-Verse von Elsa von Freytag-Loringhoven. Hg.und Übs. Irene Gammel. Berlin 2005

Eheleben (16)  Frühjahr 1901: Elsa Plötz nimmt August Endells Heiratsantrag an, weist ihn aber darauf hin, dass sie keine hausfraulichen Tätigkeiten übernehmen werde.

Juni 1901: Die beiden ziehen nach Berlin-Zehlendorf.

22. August 1901: Elsa Plötz und August Endell heiraten in Berlin.

Elsa ist unzufrieden, weil ihr Mann sie offenbar sexuell nicht befriedigen kann, täglich vierzehn Stunden arbeitet und dennoch finanzielle Sorgen hat. - Dieter Wunderlich

Eheleben (18)  

- Thomas Rowlandson

Eheleben (19) Seine Frau hatte ihm elf Jahre lang gleichgültig gerade in die Augen geschaut und war schließlich davongelaufen. - Jerome Charyn, nach: Jean Patrick Manchette, Chroniques. Essays zum Roman noir. Heilbronn 2005

Eheleben (20)   Zur Xanthippe sagte er, als sie erst sich in Schmähungen gegen ihn erging und ihn dann sogar mit schmutzigem Wasser übergoß: „Sagte ich nicht, daß Xanthippe, wenn sie donnert, dann auch Regen bringt ?" Und als Alkibiades äußerte: „Unausstehlich ist doch die keifende Xanthippe," da entspann sich folgendes kleine Wortgefecht : „Aber ich bin doch längst daran gewöhnt, geradeso wie man sich an das unaufhörliche Geräusch einer Rolle gewöhnt; und auch du läßt dir doch das Geschrei der Gänse gefallen." -„Dafür bringen sie mir auch Eier und Junge." - „Auch ich habe von Xanthippe Kinder bekommen."  - (diol)

Eheleben (21)  In Rom sanktionierte das Ehepaar, vom ersten Einrichtungstage an, den fundamentalen Zwiespalt der beiderseitigen Interessen: Veronica teilte ihre Zeit zwischen Haushalt und Andacht, während Anthimos ganz in wissenschaftlicher Forschung aufging. So lebten sie nebeneinander oder vielmehr gegeneinander und ertrugen sich, indem sie sich den Rücken wandten. Es herrschte unter ihnen eine relative Eintracht, eine Art Pseudo-Wohlbehagen, ein Similiglück, indem jeder Teilnehmer im geduldigen Beiseitestehen des anderen heimliche Freiheit für die eigene Tüchtigkeit fand.  - André Gide, Die Verliese des Vatikan. München 1975 (dtv 1106, zuerst 1914)

Eheleben (22)  In einer außerordentlich interessanten Untersuchung, die man vor kurzem in Westeuropa durchgeführt hat, traten folgende Tatsachen zutage: Wenn verheiratete Frauen eine Affäre eingehen, dann entscheiden sie sich für dominante Männer, die älter und verheiratet sind, gut aussehen und ein symmetrisches Erscheinungsbild haben. Frauen haben mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit dann eine Affäre, wenn ihre Partner eher fügsam und jünger als sie selbst sind, nicht besonders gut aussehen und ihr Erscheinungsbild in irgendeiner Form asymmetrisch ist Eine kosmetische Operation, die das Aussehen eines Mannes verbessert, erhöht seine Chance für einen Seitensprung um hundert Prozent. Je attraktiver ein Mann, um so weniger aufmerksam ist er als Vater. Nahezu jedes dritte Kind, das in Westeuropa geboren wird, stammt aus einer außerehelichen Beziehung.

Wenn diese Fakten Sie erschüttern oder wenn Sie sich weigern, sie zu glauben - fassen Sie sich. Diese Studie wurde nicht an Menschen unternommen. Sie bezieht sich auf Schwalben. - Matt Ridley, Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. München 1995

Eheleben (23)  Er ging in das Zimmer nebenan; Mafia bückte sich, zog einen Kniestrumpf aus. Studentinnenmode, dachte er. Er schlug ihr fest auf den Hintern; sie stellte sich auf, drehte sich um, und er schlug ihr ins Gesicht. »Nicht«, sagte sie.

»Mal was Neues«, sagte Winsome. »Zur Abwechslung.« Eine Hand zwischen ihren Beinen, die andere in ihr Haar verhakt, hob er sie hoch, wie ein Opfer, das sie nicht war, trug, stieß sie zum Bett - ein Durcheinander von weißer Haut, schwarzem Schamhaar, schwarzen Socken. Er machte den Hosenlatz auf. »Hast du nichts vergessen?« fragte sie, schüchtern, erschreckt, ihre Haare zur Kommode hin wegstreichend.

»Nein«, sagte Winsome, »ich wüßte nicht, was.«  - (v)

Eheleben (24)  Mit welchem Geschick wir einander Liebe vorenthalten. Überhaupt kein Trick ist dabei: die Bewegung einer über ein niedriges Hindernis springenden Katze. Du hast -käme die Wahrheit an den Tag - nur einen Mann geliebt, und das war vor meiner Zeit. Über ihn hinaus hast du nie gedacht noch zu denken gewünscht. In seinen Vollkommenheiten bist du vollkommen. Gleichermaßen vollkommen bist du in anderen Dingen. Du präsentierst mir die Oberfläche eines Marmors. Und ich, werden wir sagen, liebte gleichfalls vor deiner Zeit. Drück es ruhig schlüpfrig aus. Und ich habe meine Vollkommenheiten. So präsentieren wir uns einander nackt. Was haben wir erreicht? Sagen wir, wir sind zusammen ein wenig älter geworden, und du hast Kinder geboren. Wir haben uns, kurz gesagt, so entwickelt, wie der Gang der Welt nun einmal ist. Wir haben uns als fruchtbar erwiesen. Die Kinder sind augenscheinlich gesund. Eines von ihnen ist schrullig, und eines hat ein ungewöhnliches Gedächtnis und ein scharfes Auge. Aber -es ist nicht so, daß wir nicht ein gewisses Poltern, eine gewisse Erregung der Erde gefühlt hätten, aber auf was ist es hinausgelaufen? Deine erste Liebe und die meine waren von verschiedener Art. Es gibt da nur einen Weg hinaus. Er besteht für mich darin, meinen Korb Worte aufzuheben, und für dich, am Klavier zu sitzen, jeder auf seine Weise, bis ich, sollte mir auf meinem Weg das Glück winken, bei einem Handel ein günstiges Geschäft gemacht und so kraft heftiger Anstrengung den Glanz des alten Beherrschers in deinem Gedächtnis ausgelöscht habe. Was unmöglich ist. Ergo: ich bin ein Lump.  - (kore)

Eheleben (25)   Holmes nahm die Zeitung und überflog sie. »Hier haben wir die Dundas-Scheidung, an deren Aufklärung ich zufällig beteiligt war. Paß auf: der Mann ist Abstinenzler, eine andere Frau war nicht im Spiel, und was ließ er sich zuschulden kommen? — Nach jeder Mahlzeit nahm er sein Gebiß heraus und warf es seiner Frau an den Kopf.«  - Sir Arthur Conan Doyle, Der verschwundene Bräutigam. Berlin, Frankfurt am Main 1987

Eheleben (26)  Auf der Couch an der Wand lag Mrs. Benedict, die Kleider verrutscht, einen Strumpf zerrissen, mit nur einem Schuh, der andere war zu Boden gefallen. Mrs. Benedict war tot. Offenbar war sie erdrosselt worden, denn -das Gesicht war gedunsen und verfärbt, und um den Hals lief eine rote Spur. Und in der Mitte des Zimmers stand Roger Bewlay, schwer atmend zwar, doch sonst nicht weiter aus der Fassung gebracht, denn er zündete sich eine Zigarette an. - Carter Dickson, Die verschwundenen Gattinnen. München 1970

Eheleben (27)  

Eheleben (28) Es mag den Anschein haben, als verhielte unser Mr. Wooly, diese Stütze der Gesellschaft, sich außerordentlich exzentrisch - mal glühendheiß, mal eisigkalt -, wenn er an seine junge Frau dachte und dabei gleichzeitig bestimmte Eigenschaften und gewisse Bereiche ihrer Persönlichkeit einfach nicht zur Kenntnis nahm und es sogar schaffte, ganze Ereignisse völlig zu vergessen, wie ihren Kopfsprung vom Balkon und ihren unversengten Zustand nach dem Brand im Hotel Monroe. Aber in Wirklichkeit benahm er sich dabei ganz genauso wie viele andere Ehemänner - wie die meisten von ihnen. Sie heiraten irgendein gutgetarntes Monster und sitzen dann da - mit dem Ungeheuer verheiratet. Also tun sie ihr Bestes, nur nicht zuviel von ihrer Frau zu erfahren, während sie ihrerseits nach besten Kräften bestrebt ist, das Schlimmste so grell aufleuchten zu lassen wie Neonschilder auf einer Landstraße. Ja, Mr. Wooly lief es kalt über den Rücken, mitten im Bett. In seinem eigenen Bett. - Thorne Smith, Meine Frau, die Hexe. Frankfurt am Main 1989 (Fischer-Tb., Bibliothek der phantastischen Abenteuer, zuerst 1941)

Eheleben (29)  Über mir wurde andauernd Klavier gespielt, was meine Situation noch belastender machte, und idi wußte mir nur noch mit Zorn zu helfen: Die soll sich einen Freund zum Bumsen nehmen, dann hört sich das mit dem Klavier schon auf. Da hast du immer einen verschwitzten Arsch über dir, von dem die Hände Klavier spielen. Wie ich das hasse, das ganze bürgerliche Unterhaltungsgetue! Im Wohnzimmer hatte ich eine Frau sitzen, die brütete vor sich hin, als kriegte sie heute noch ein Kind. Irgendwo, ich weiß nicht mehr, habe ich es geträumt oder war es in der Öde, sah ich sie zuletzt mit gespreizten Beinen liegen. Ich tat ihr die Schenkel zusammen und ging. Ich wollte den Rest des Sonntags vorm Fernseher verbringen, aber weil sie schon da war und andauernd geräuschvoll Rotz in die Nase hochzog wie ein Kind, wurde ich geschafft. Ich nahm mir eine Flasche Sherry. Als das wieder ihre Nase hinaufheulte, zerdrückte ich das Trinkglas in der Hand. Seit ich verheiratet war, brauchte ich nicht mehr zu arbeiten, denn meine Frau verdiente das Geld. Wenn sie in der Nähe war, fühlte ich mich von der Welt betrogen. Da es keine Kinder gab, verstand ich nicht, daß ich sie nicht verließ. Schließlich hatte ich sie meiner Mutter zum Trotz geheiratet, weil sie das als eine Wahnsinnstat abtat. Dasselbe ungepflegte Haar der beiden und das Hineinsehen m sich selbst, wo nichts war als das Vernachlässigen des Haushalts. Ha, ich bestrafte meine Frau gern dafür, daß ich von ihr abhängig war. - Herbert Achternbusch, Die Stunde des Todes. Frankfurt am Main 1975
 

 

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