Donau  So viel hatten ihre Fluten uns von ihrem verborgenen Leben erzählt! Nachts im Zelt hörten wir sie unterm Monde singen, mit jenem sonderbaren, zischenden, nur ihnen eigentümlichen Laut, von dem gesagt wird, er rühre von dem ununterbrochen am Grunde des Flusses sich voranschiebenden Geröll her, so unwiderstehlich ist die Gewalt dieser Strömung. Und auch das Geräusch ihrer gurgelnden Strudel, jener so plötzlich aufkochenden Wirbel an Stellen, die vorher ganz glatt und harmlos geschienen, es war uns nicht minder vertraut denn das Sausen der Untiefen und der reißenden Stromschnellen, nicht minder auch als das beständige Grollen des Grunds unter allen Geräuschen der Oberfläche, und das unablässige, ziehende Waschen der eisigen Wasser am Ufergestein. Wie standen diese Fluten auf und schrien, sobald erst der Regen auf sie niederprasselte! Und wie schallend schwoll ihr Gelächter, wenn der Wind stromauf blies, ihrer wachsenden Schnelligkeit zu gebieten! Jawohl, wir kannten jetzt all diese Laute und Stimmen: jenes schäumende Sichüberstürzen, die aufspritzende Vergeblichkeit des Anrennens gegen die Pfeiler der Brücken. - Algernon Blackwood, Die Weiden. In: Phantastische Träume. Hg. Franz Rottensteiner (Phantastische Bibliothek 100). Frankfurt am Main 1983
 
 

Strom

 

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