ulldogge  Ihre Füße scharrten auf den Zementstufen, hielten an, während die Kellertür aufschwang, schlurften dann einen finsteren Korridor entlang. Eine weitere Tür ließ sie in einen Raum mit Backsteinwänden und einem Holzfußboden, zwei braun gefleckten Tischen mit Stühlen und einer Bar mit einem Spiegel dahinter. Ein Mann gab einer weißen englischen Bulldogge an einem Ende der Bar Bier zu trinken, indem er ein Glas an die Schnauze des Tieres hielt. Die Bar war aus kubanischem Mahagoni, und davor befanden sich ein Fußgelander aus Messing und drei schwere Hocker.

Der Barkeeper polierte gerade ein Glas »Was darf's sein, Gentlemen?« fragte er Er hauchte das Glas an, hielt es gegen das Licht, rieb dann den Beschlag mit seinem Lappen ab Sie bestellten drei doppelte Bushmills' Irish Whiskey. Die Bulldogge hatte aufgehort zu saufen, betrachtete sie. Der Mann sagte gerade »Komm schon, Champion, sauf es aus..« Er versuchte, der Bulldogge das Bier ins Maul zu gießen, aber der Hund schnaubte, wollte nicht trinken.

Williams, der dem Hund am nächsten war, schauderte. »Ich hoffe, er ist nicht so wild, wie er aussieht.« Er rückte seinen Hocker näher an Cranes' heran.

Der Kiefer des Barkeepers knirschte, wenn er sprach, als ob er Gras kauen wurde. »Der Hund tut keinem was. Er ist sanft wie ein Kätzchen.« Er fügte mit drei Kaubewegungen hinzu » - außer wenn er betrunken ist «.

»Gott,« sagte Williams »Wie geht's ihm jetzt?« Das Tuch in einer Hand, das Glas in der anderen, starrte der Barkeeper nachdenklich auf die Bulldogge. »Er ist nur ein bißchen mit Bier abgefüllt. Das hat nichts zu bedeuten. Erst von scharfen Sachen wird er unangenehm. «

Der Hund stolzierte an der Bar entlang auf Williams zu. Er hatte den wiegenden Gang, die O-Beine eines Cowboys. Aus Topasaugen schaute er scharf auf Williams, setzte sich drei Fuß von ihm entfernt hin, bellte einmal, urplötzlich und laut. »Das heißt, er will einen Drink«, erklarte der Barkeeper. »Mein Gott' Geben Sie ihm einen.« Williams' Schulter preßte sich gegen Cranes' Arm. »Geben Sie ihm Bier.« »Nein«, sagte der Barkeeper. »Er will Whiskey.« »Aber Sie sagten doch, von scharfen Sachen wird er unangenehm.«

»Er wird noch schlimmer, wenn man ihm was abschlägt.« - Jonathan Latimer, Leiche auf Abwegen. Zürich 1988 (detebe 21592, zuerst 1936)

Bulldogge (2)  Kapitän Jack war um ein ganzes Jahr älter als ich. Er war ein gedrungener kräftiger Junge und versprach als erwachsener Mann stämmig aber nicht groß zu sein. Verschlagen verstockt, hinterhältig, boshaft und rachsüchtig von Natur, zeigte er sich überhaupt roh, grausam, bäuerisch im Benehmen und händelsüchtig, wie nur ein Gassenjunge sein kann, auch war er unwissend und wollte von Kindheit an durchaus nichts lernen. Er hatte viel von dem Charakter der Bulldogge: kühn und verwegen, aber ohne die Spur eines edlen Zuges. Die Lehrerinnen, zu denen wir gingen, konnten ihn trotz aller Mühe nicht einmal so weit bringen, daß er seinen Namen schreiben lernte, und als ob er als Dieb geboren war, so stahl er, fast noch ehe er sprechen konnte, alles was in den Bereich seiner Finger kam — nicht nur bei seiner Mutter, sondern allenthalben, und auch wir, die wir doch seine Bruder und Gefährten waren, blieben nicht verschont. Er war ein Erzspitzbube, denn er verübte aus lauter Liebhaberei die allerhelllosesten Streiche und hatte außerdem nicht den mindesten Sinn für Ehrlichkeit, nicht einmal, sage ich, gegenüber seinen Kumpanen, während doch sonst sogar Diebe es für eine Ehrensache halten, untereinander redlich zu verfahren. - Daniel Defoe, Colonel Jacques. In: D.D., Romane in zwei Bänden. München 1968 (zuerst 1722)

Bulldogge (3)   Schnudi, der kleine Zwergbulldogg, ist nicht mehr. Ein alter Mann mit stechendem Bart, einem Pinkel auf den Schultern . . . Ahasver ... ist in den Hof gekommen, hat sein »Handlé« gerufen, die Ankunft des Fremden scheint den Hund irritiert zu haben, er fuhr los. Der Hausierer ruft ein-, zweimal: »Marschierst?!«, der Hund hört nicht, schnappt nach den Beinen des Eindringlings. Der spuckt ihm dämonisch zwischen die Augen, und der Hund dreht sich wie wahnsinnig im Kreis herum, mit der kurzen Zunge bemüht, den Fremdkörper über der Nase zu entfernen. Es gelingt ihm nicht, der Hausierer geht weg, der Hund dreht sich weiter, seine Augen sehn nichts mehr, sind blind von der rasenden Jagd, Schnudi, Schnudi mit dem Rosamascherl dreht sich weiter, weiter . . . bis er erschossen werden muß.  - Albert Ehrenstein, Tubutsch, nach  A.E.: Gedichte und Prosa. Neuwied u.a. 1961

Bulldogge (4)

- Franz von Bayros

 

Hund

 

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