lock   Die Anwesenheit Maigrets im ›Majestic‹ hatte unvermeidlich etwas Feindliches. Er bildete gewissermaßen einen Block, den die dort herrschende Atmosphäre nicht einzubeziehen vermochte. Nicht daß er den Kriminalbeamten glich, wie sie in Karikaturen weithin dargestellt werden. Er trug weder einen Schnurrbart noch Schuhe mit dicken Sohlen. Seine Kleidung war aus recht feinem Tuch und gut geschnitten. Außerdem rasierte er sich jeden Morgen und hatte gepflegte Hände.

Aber sein Körperbau war grobschlächtig. Er wirkte übergroß und knochig. Harte Muskeln zeichneten sich unter der Jacke ab und zerbeulten schnell seine neuesten Hosen.

Er hatte vor allem eine ihm eigene Art, sich irgendwo hinzustellen, die selbst einigen seiner Kollegen mißfiel.

Sie drückte mehr als nur Sicherheit aus und dennoch keineswegs Hochmut. Er trat auf wie ein geschlossener Block, und gleich hatte es den Anschein, als müsse sich alles an ihm brechen, ob er sich nun vorwärtsbewegte oder auf seinen etwas gespreizten Beinen stehenblieb.

Die Pfeife war zwischen die Zähne genietet. Er zog sie selbst im ›Majestic‹ nicht heraus.

Vielleicht geschah es im Grunde aus einem Hang zur Gewöhnlichkeit, zum Selbstvertrauen?

In seinem dicken schwarzen Mantel mit dem Samtkragen war er in der hell erleuchteten Halle unmöglich zu übersehen, wo sich die Eleganz in Wolken von Parfüm, bei gekünsteltem Lachen, unter Geflüster und Begrüßungen im Stil eines hochgezüchteten Personals bewegte.

Er kümmerte sich nicht darum. Er blieb außerhalb dieses Treibens. Laute Jazzmusik drang aus dem Untergeschoß zu ihm herauf und stieß wie an eine undurchdringliche Wand. - Georges Simenon, Maigret und Pietr der Lette. Zürich 1978 (detebe 155/2, zuerst 1929)

Block (2)  »Die Spanier haben uns an den Mauern aufgehängt, an Eisenringen zwölf Fuß über dem Boden, manchmal auch kopfunter, und uns mit Rohrstöcken geprügelt. Unsere Hände waren so fest gefesselt, daß unsere Hände auf die doppelte Größe anschwollen.« Er streckte Amelia die Hände mit den vergilbten, rissigen Nägeln hin. »Andere wurden in den Stuhl mit dem Eisenkragen gesetzt, die Garrotte; mit einer einzigen Drehung der Schraube erwürgt man den, der daraufsitzt, und bricht ihm das Genick. Gerne brechen sie einem auch die Beine und lassen einen dann elendig verhungern. Mich hat man auf den Exerzierplatz gebracht, wo es keinen Schatten gibt, und in den Block geschlossen. Wissen Sie, was das ist, der Block? Man wird am Genick und an den Handgelenken gefesselt, wie auf den alten Bildern, die es von Ihren Puritanern gibt. Nur daß sie bei uns die Gefangenen mit dem Gesicht zur Sonne drehen und sie den ganzen Tag so sitzen lassen. Man sagt, daß das noch schlimmer war als die Garrotte, den ganzen Tag so in die Sonne zu blicken, und kein Mensch könnte das ertragen, alle sind blind und wahnsinnig geworden. Ich habe meine Augen so fest zugekniffen, wie ich nur konnte, und immer noch hat mich die Sonne durch die Lider geblendet. Deshalb habe ich zum heiligen Franziskus von Assisi gebetet, weil ich mich daran erinnert habe, wie mir als Kind ein Priester erzählt hat, daß der heilige Franziskus von Assisi ein Freund der Sonne ist, so hat er es genannt, und auch vom Mond. Er mochte alle Tiere, auf seinen Schultern ruhten sich die Vögel aus, und er ist nie auf Insekten getreten. Kennen Sie den heiligen Franziskus?«

Amelia antwortete ja, natürlich, und Fuentes sagte: »Ich habe zu ihm gebetet und ihn gefragt, ob er auch Wolken unter seinen Freunden hat, und wissen Sie, was passiert ist?«

»Es hat geregnet«, meinte Amelia.  - Elmore Leonard, Cuba Libre. München 1999

 

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Undurchdringlichkeit
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