Bibliothek, britische    Die Bibliothek war ein für seine Besitzer sehr typischer Raum: groß, schäbig und unordentlich, breite durchgesessene Sessel, ein Sammelsurium von Pfeifen, Büchern und Papieren auf dem großen Tisch, an den Wänden ein, zwei gute alte Familienporträts, einige schlechte viktorianische Aquarelle und ein paar gewollt spaßige Jagdszenen und in der Ecke eine Vase mit großen Astern. Der ganze Raum war dämmrig und behaglich. Man sah ihm an, dass er seit Generationen von einer traditionsbewussten Familie benutzt wurde.

Doch auf dem Bärenfell vor dem Kamin lag etwas Neues, Grelles, Melodramarisches. Ein knallig aufgemachtes junges Mädchen. Ein Mädchen mit unnatürlich blondem, in kunstvollen Locken und Kringeln hoch getürmtem Haar. Den schlanken Körper umschloss ein rückenfreies Abendkleid aus weißem, paillettenbesetztem Satin. Das Gesicht war stark geschminkt. Der Puder stach grotesk gegen die blauen Schwellungen ab, die Wimperntusche lag dick auf den verzerrten Wangen, das Scharlachrot der Lippen glich einer klaffenden Wunde. Die Fingernägel waren blutrot lackiert, ebenso die Zehennägel in den billigen silbernen Riemchenschuhen. Eine vulgäre, aufgedonnerte Erscheinung, höchst unpassend inmitten der soliden, altmodischen Gemütlichkeit von Colonel Bantrys Bibliothek, unpassend und erwürgt.   - Agatha Christie, Das Rätsel der Tänzerin. (Auch als: Die Tote in der Bibliothek) Frankfurt am Main 2004 (zerst 1942)

Bibliothek Engländer

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