Besen, schlimmer  In eine Carabinieri-Patrouille eingekeilt ging Anna, fluchend wie ein Kutscher. Sie arbeitete als Trägerin auf dem Markt, sechs bis sieben Kinder hatte sie, überall auf der Welt verstreut; eine Frau, die das Leben kannte. Das Lippenrot reichte ihr bis unter die Nase; was sie verdiente, zerrann so schnell, wie ihr der Schweiß bei der Arbeit floß, und ihre Zähne, schmutzig und gelb, staken nutzlos in ihrem Mund. Sie war ein Besen von einem Weib, immer hatte sie blaue Ringe unter den Augen, und die Haare schillerten in allen Farben, weil sie dauernd umgefärbt wurden: Her schwarz, da ein bißchen Kastanie, ein paar Strähnen blond, einige rötlich und alle derart mit der Schere gebrannt, daß sie aussahen wie das Roßhaar, das aus zerschlissenen Matratzen quillt, oder wie drahtige Putzwolle zum Töpfeschrubben. Sie war schwer zu bändigen, und was sie schrie, brach aus der Tiefe ihres Leibes hervor: »Ihr Hornviecher!« fauchte sie die Polizisten, die sie abführten, an, die Hände nach vorne gestreckt: »Hornviecher! Hol euch der Teufel, mit allen Hörnern, die ihr am Kopp tragt! Daß euch das Brot im Munde faule! Fegt doch vor eurer eigenen Tür, Hungerleider, weiter seid ihr ja auch nichts! Und seht bloß zu, was die Schlampen, eure Weiber, zu Hause treiben, los, geht doch nachsehen!«  - Pier Paolo Pasoloni, Vita Violenta. München u. Zürich 1983 (zuerst 1959)
 
 

Besen

 

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