ademeister  

Bademeister

- Thomas Körner

Bademeister  (2)  In Neukölln  lernten wir einen Bademeister Bernhard Bode kennen, mit dem wir glaubten, einen neuen Geschäftszweig eröffnen zu können. Bode, bei dem man einen Ring gefunden hatte, der zuvor einer Dame ins Wasser gefallen war - darauf wurde die Sache gedreht -, war als Bademeister entlassen worden und suchte nach einer neuen Beschäftigung. Er hatte angeblich ein Verfahren, durch besondere Kombination von Brustgürteln und in sich gekuppelten Schnallen eine Anzahl vollbesetzter Boote, wie sie in den Ausflüglerlokalen an der Spree vermietet werden, hinter sich her zuziehen-Typ: der lebende Frachtdampfer. Mit dem Mann wäre ein großes Sommergeschäft zu machen gewesen. Wir ließen Plakate drucken: Bernhardi  Boddi - der lebende Frachtdampfer, und machten einen Startversuch in einem kleinen Gartenlokal in Weißensee, als zusätzliche Attraktion zu dem sonntäglichen Gartenkonzert, vermieteten sechs Boote zu je acht zahlenden Passagieren und verkauften etwa 100 Eintrittskarten. Die Sache fiel ins Wasser. Bode kam vom Laufsteg nicht los. Ich hörte ihn prusten und gurgeln und stöhnen - es nutzte nichts.  - Franz Jung, Der Weg nach unten. In: Franz Jung, Schriften, Bd. 1, Salzhausen / Frankfurt am Main 1981

Bademeister  (3) Am Strand war ein bellender Hund ein weinendes Kind ein singendes Mädchen, der Wind wehte und der Rundfunk sendete im zweiten Programm »Einen Rat für dich«. Wen meint ihr wenn ihr sagt: für dich? Auf wen bezieht sich dich? Vielleicht auf mich? Dann verliert ihr aber eure Zeit, ich nehme von niemandem einen Rat an. Um so weniger vom Rundfunk.

Ein alter Mann saß auf einem Liegestuhl unter einem Sonnenschirm. Es ist mein Großvater, sagte der Bademeister, gut es ist Ihr Großvater, er sah aus wie eine Mumie. Dieser Alte gefällt mir nicht diese Mumie. Alte Männer gefallen mir im allgemeinen nicht.

Ein Toter ist nichts, sagte der Bademeister, ich fische jedes Jahr drei oder vier heraus, manchmal schwemmt das Meer sie mir auch an den Strand. Ich rede von den Ertrunkenen er redete von den Ertrunkenen, Sacramento was für ein häßlicher Beruf, sagte ich. Schön oder häßlich ich bin der Bademeister. Er hatte ein Rad von schwarzer Form und Farbe. Er stand unter dem Sonnenschirm im Schatten. Na schön, sagte ich, da haben wir den Mörder. Man hat Sie nachts auf dem Rad in der Gegend von Pavona gesehen in der Nähe des Turms aus dem Mittelalter, sagte ich, wie erklären Sie diese Tatsache, warum treibt sich ein Bademeister nadits in der Ebene herum, was hat er da zu tun? Und dann sagte ich unvermittelt

HABEN SlE IHN ERMORDET?

Der Bademeister lachte, lach nur da gibt es nichts zu ladien. Vielleicht verwechseln Sie mich mit einem andern, sagte er, gut vielleicht verwechsle ich ihn laßt mich ihn nur verwechseln. Vorsicht, es gibt auch Zeugen. Der Bademeister spuckte in den Sand, er sagte ein Bademeister kann gehen wohin er will auch nach Afrika wenn er Lust hat. Wozu nach Afrika, sagte ich, wozu denn so weit weg?

In Afrika gibt es das Meer, sagte der Bademeister, dann gibt es auch Städte und Land, es gibt auch Schneeberge. Gut es gibt auch Schnee in Afrika, aber wozu wollen Sie dorthin gehen? Wollen Sie etwa abhauen? Dann haben Sie also etwas Schlimmes angestellt. Geben Sie acht, sagte ich, in Afrika gibt es Löwen und andere hungrige Raubtiere. - Luigi Malerba, Salto mortale. Frankfurt am Main 1987

 

Meister Schwimmbad

 

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