Augen verdrehen  Etliche Fakirs stehen nur auf einem Fuße, und halten eine Kohlpfanne in der Hand, worinnen sie ihrem Gott zu Ehren Weyrauch anzünden; und zwar bey allen diesen Stellungen pflegen sie ganz nackend zu seyn, da denn die indianischen Weiber so abergläubisch sind, daß sie glauben, sehr glücklich in ihrem Ehestande zu werden, wenn sie dieser Fakirs geheime Gliedmassen küssen, welche so denn, wenn diese Weiber sich zu ihnen machen, ihre Augen schröcklicher Weise in die Höhe verkehren.  - Johann Heinrich Zedler

Augen verdrehen (2)  Wenn sie sich zu Hause zum sonntäglichen Mittagessen an den Tisch setzten, schien es ihm, als ob die Mutter den Bruder mit scherzhaften Worten kitzelte: »Wo hast du denn deine Gedanken, mein hübsches Bürschchen?« Oder sie legte ihm ihre Hand minutenlang auf den Arm. Da sah man, wie sich der Bruder aufblähte wie ein Gockel, wenn ihm der Kamm schwillt, und seine Augen gerieten in die besondere Bewegung, so daß sie sich bald hierhin, bald dorthin drehten. Dann beim Essen sagten Mutter und Bruder einander scherzhafte Worte, und er lachte auch mit, ohne zu verstehen, wovon sie redeten. Er war gern dabei, wenn sie Spaß machten, vor allem weil keine Fremden da waren, die hätten sehen können, daß sie etwas miteinander hatten, also war es nicht so skandalös, und dann auch wegen des Stachels der Neugier, denn er hoffte immer zu verstehen, was sie taten, wenn er nicht dabei war.

Er konnte sich nicht vorstellen, was passieren mochte, wenn er nachmittags am Fluß die Schafe hütete, aber er dachte, daß sein Bruder um die Mutter herumschwirren mußte, da er von der gewaltigen Anziehungskraft dieser Bahn erfaßt war. Und wenn er seinen irren Freund anschaute, wurde es ihm immer klarer, denn der arme Irre war nachmittags wie sein Bruder, das heißt er blies sich gockelhaft auf und stotterte, wozu er die Augen genauso verdrehte. Da er aber nicht sofort losrennen und sich um die Müllerin mit dem Kropf drehen konnte, er mußte ja am Fluß die Schafe hüten, grinste er ununterbrochen wie ein Irrer, so daß man nichts verstand. Da Ponte verstand aber trotzdem, daß dies die Äußerungen eines Verliebten waren, den die Anziehungskraft gepackt hat, wie beim Stier, wenn er nicht zu seinen Kühen rennen konnte.   - Gianni Celati, Bukolisches Gedicht. In: G. C., Cinema naturale. Berlin 2001
 

 

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