rchiv  Eines der schwungvollsten Unterfangen ist das Hokes-Archiv an der Universität von Tennessee in Knoxville, das ursprünglich in London von Everett Ormsby Hokes (1864 - 1939) gegründet wurde und derzeit unter der Leitung von Beauvais Lyons steht, einem außerordentlichen Professor für Kunst an besagter Universität. Lyons stellt nicht weniger als drei bis dahin unbekannte Kulturen vor: die Arenot im Norden der Zentraltürkei, die Apasht im afghanischen Hindukusch und die Aazud in Mesopotamien. (Die Arenot zum Beispiel waren eine »dystopische Gesellschaft« mit »einer extrem dualistischen Kosmologie«. Einer Interpretation zufolge hielten sie, »weil für die Erzeugung von Leben geschlechtlicher Verkehr erforderlich ist, die rituelle Nekrophilie für das einzige Mittel zur Erschaffung eines Lebens nach dem Tod«. Eine herausragende Rolle in der Bilderwelt der Arenot, soweit wir sie aus den gefundenen Keramikscherben rekonstruieren können, spielt das sogenannte Hund-frißt-Hund-Motiv, eine hundekannibalistische Gänseblümchenkette, wenn man so will.) - (wesch)

Archiv (2) VERZEICHNIS EINER SAMMLUNG VON GERÄTSCHAFTEN, welche in dem Hause des Sir H. S. künftige Woche öffentlich verauktioniert werden soll

Nach dem Englischen

1)      Ein Messer ohne Klinge, an welchem der Stiel fehlt.
2)      Ein doppelter Kinder-Löffel für Zwillinge.
3)      Eine Repetier-Sonnenuhr von Silber.
4)      Eine Sonnenuhr an einen Reisewagen zu schrauben.
5)      Eine dito, welche Lieder spielt.
6)      Eine Schachtel voll kleiner feingearbeiteter Patronen mit Pulver gefüllt, hohle Zähne damit zu sprengen.
7)      Eine Chaise per se (soll vermutlich percée heißen). Wenn man sich gehörig darauf setzt, so wird ein Dusch mit Pauken und Trompeten gehört. Er schallt durch das ganze Haus. Ein Möbel für einen großen Herrn. Hat 100 Guineen gekostet.
8)      Eine große Sammlung von porzellanenen Kammertöpfen, von zum Teil sehr lustigen Formen. — Die beiden letzten Artikel können eine Stunde vor der Auktion hinter einer spanischen Wand oder auch in einem Nebenzimmer probiert werden.
9)      Eine Bettstelle, in Form eines Sarges, schwarz gebeizt, mit überzinnten Henkeln, nebst 12 Gueridons für 12 Nachtlichter. Für Methodisten und Betschwestern.
10)     Eine dito Bettstelle, sich selbst des Nachts darin in der Stube herum zu fahren.
11)     Ein prächtiges Imperial-Bett, worin drei Großveziere an der Pest gestorben.
12)     Eine vortreffliche Sammlung von Instrumenten, die Juden zu bekehren. Sie sind meistens von poliertem Stahl, und das Riemenwerk von rotem Marocco. Zumal ist die große Peitsche ein Meisterstück der englischen Riemer-Künste.
13)     Ein vortrefflich gearbeitetes Modell von einem Leichen-Wagen, zwölf Leichen zugleich darin hinaus zu fahren.
14)     Eine Flasche mit Wasser aus einem Stück Eis, welches im Jahr 1740 noch um Pfingsten auf der Straße gelegen. Es hat die sonderbare und von keinem Physico noch bemerkte Eigenschaft, daß es bei jedem kalten Winter, wenn man es hinaus setzt, sich gleichsam seiner Freiheit erinnert, und das Glas zersprengt. Der Selige hatte der Königl. Sozietät eine Abhandlung darüber überreicht, sie ist aber wegen allerlei Kabalen nie gedruckt worden.
15)     Ein goldner Trumpfzähler. Etwas Einziges in seiner Art. Er wird wie ein Ring an den Finger gesteckt, doch so, daß er über ein Gelenk zu stehen kommt. Wenn ein Trumpf gespielt wird, biegt man den Finger sanft, so zeigt er die Zahl der gespielten Trümpfe ungefähr wie ein Schrittzähler die Schritte.
16)     Eine ganz vollständige Haus-Pulvermühle, worin jedermann sein Schießpulver selbst verfertigen kann, und zwar einen halben Zentner auf einmal. Sie ist so bequem eingerichtet, daß sie unter einem etwas großen Schreibtisch, oder auch unter einer etwas erhöhten Bettlade in Gang gesetzt werden kann. Der Pudel, der das Rad treibt, wird mit verkauft.
17)     Ein astronomischer Vexier-Tubus, wenn ein Freund durchsieht und man drehet eine kleine Schraube, so bläset er demselben Pfeffer und Schnupftabak in die Augen. Ist auch auf der Erde zu gebrauchen. Hierüber soll der Selige einmal ein Paar Ohrfeigen bekommen haben.
18)     Ein vortrefflicher Jagd-Tubus mit einem Flintenschloß, wenn man die Gläser heraus nimmt, welches mit einem einzigen Ruck geschieht, (eigentlich werden sie bloß in ihre Seitenbehälter geschoben), so kann man kleine Vögel damit schießen.
19)     Ein Barometer, weIches immer schönes Wetter zeigt. Das Thermometer dabei zeigt Jahr aus Jahr ein eine angenehme temperierte Wärme.
20)     Ein vollkommener Apparat von allerlei Trauergeräte für hohe Häuser, als:
  
  a)      Ein schwarzes Billard mit weißen Schnüren und schwarz an-gelaufenen Nägeln beschlagen, und rings umher mit Festons von weißem Kattun behangen. Die Glockchen an demselben sind von Silber, aber mit schwarzem Sammet gedämpft.
  b)      Ein Dutzend Trauerwürfel schwarz mit weißen Punkten.
  c)      Ein Dutzend dito für halbe Trauer, violett mit schwarzen Punkten.
  d)      Ein Vorrat von Lombre- sind Tarock-Karten mit breitem schwarzem Rande, und andern bloß schwarz,auf dem Schnitt, ebenfalls für halbe Trauer.
  c)      Einige Dutzend Liqueur-Gläschen in der Form von antiken Tränen-Fläschchen, zum Schnapsen bei der Leiche.
  f)       Ein ansehnliches Konvolut von Rezepten, fast die meisten Gerichte, als Suppen, Gemüse, auch Gebackenes völlig unschädlich schwarz zu färben, worunter auch eines, die Zitronen und Zwieback  bei der Leiche schwarz zu beizen..
  g)      Ein vortreffliches, vollständiges Tafel-Service von Porzellan, wovon jedes Stück auf eine sinnreiche Art auf den Tod anspielt, welches alles hier zu weitläuftig wäre herzuerzählen. Nur eins anzuführen, so ist zum Beispiel die Butterbüchse ein Todenkopf so natürlich und mit solcher Kunst gearbeitet, daß man glaubt er lebe. Der Deckel, oder der obere Teil des Cranii, ist, selbst inwendig, so osteologisch richtig geformt, daß, wenn man den Kopf mit Butter etwas hoch anhäuft und den Deckel gehörig darauf drückt, die Butter völlig die Form des Gehirns annimmt, welches auf der Tafel, zumal wenn man der Butter die gehörige Farbe gibt, schauderhaft schön aussieht. Bei einem Versuche, den der Selige einmal damit machte, fielen, als er die Butter anschnitt, einige Damen und Chapeaux in Ohnmacht, andere sprangen vom Tische auf, und keiner, den Wirt ausgenommen, konnte von der Butter essen.
  h)      Eine bleierne Eß-Glocke, während der Trauer zu läuten.
  i)      Mehrere schwarz emaillierte Halsbänder mit weißen Todenköpfen, für die Jagdhunde.
  k)      Mehrere Masken für Personen, die nicht weinen wollen oder können. Sie sind alle von den größten Meistern Englands gearbeitet, und von großer Schönhcit, zwar blaß aber zum Entzücken, zumal die Frauenzimmer-Masken. Die Tränen an denselben sind durchaus durch natürliche Perlen vorgestellt, worunter einige an den Masken für die nächsten Verwandten, von der Größe einer Erbse sind usw.
21)     Ein Suite von Kleidungsstücken für ein Kind mit zwei Köpfen, vier Beinen und vier Armen, von der Wiege an bis ins zwanzigste Jahr. Ein wahres Meisterstück der Schneiderkunst. Sie können auch zur Probe von zwei einzelnen Menschen angezogen werden, welches, zumal in gemischter Gesellschaft, zu drolligen Szenen Anlaß gibt.
22)     Eine Sammlung von vortrefflichen Formen, Drittel- und Zwei-drittel-Stücke zu gießen, nebst einem Zentner Metall dazu. Dieser Artikel wird um der Delikatesse der Käufer zu schonen, im Dunkeln verauktioniert und im Dunkeln abgeliefert. Das dafür zu entrichtende Gdd wird von dem Auktionator bei einer Diebs-Laterne in einem Winkel gezählt. Er ist ein Mann von Ehre.
23)     Einige Flaschen Lappländer Achtundvierziger. Im Englischen steht: some bottles of Iceland—Madeira (einige Flaschen von Isländischem Madeira).
24)     Eine ganze Sammlung von teils verbotenen teils sehr verrufenen Büchern mit Kupferstichen von großer, obszöner Schönheit. Sie sind sämtlich in schwarzen Korduan mit goldenem Schnitt gebunden, zum Gebrauch der Jugend zu Eton und Westmünster*, sich in der Kirche damit zu amüsieren.´
25)     Ein höchst merkwürdiges Stück. Eine kleine mit unbeschreiblicher Kunst gearbeitete Maschine, das concubinium (soll wohl heißen connubium oder commercium) animae et corporis zu erklären. Die Walze, welche alles in Bewegung setzt, hat drei verschiedene Stellungen für die drei bekannten Systeme; eine für den physischen Einfluß, eine für die gelegenheitlichen Ursachen, und eine für die vorherbestimmte Harmonie. Doch hat die Walze noch Raum für zwei bis drei andere; nur müssen sie einen Leib und eine Seele statuieren, doch könnte im Fall der Not die Seele auch heraus genommen werden. Der Leib an diesem kostbaren Werke ist von viel mehr als halbdurchsichtigem Horn gearbeitet, und etwa vier bis fünf Zoll lang. Die Seele aber, nicht größer als eine große Ameise, ist ganz, Flügelchen und alles, von Elfenbein, nur ist ihr linkes Beinchen etwas schadhaft. Die Bewegung wird der Maschine durch keine Kurbel mitgeteilt (man würde sie damit zerreißen), sondern durch ein Paar kleine Windmühlen-Flügel aus der feinsten Goldschläger-Haut, gegen welche mit einem dazu gehörigen und in einiger Entfernung von der Maschine befestigten so genannten doppelten, stäte fortblasenden Blasebalg (follis infinitus) geblasen wird, durch diese Flügel wird eine Schraube ohne Ende (cochlea infinia) gedreht, welche alles in Bewegung setzt.
26)     Die Peinliche Halsgerichts-Ordnung (im Englischen steht die Habeas Corpus Akte) von dem Seligen selbst in Musik gesetzt.Es ist die vollständige Partitur mit Pauken und Trompeten. Bei einigen Passagen enthält das Accompagnement sogar Kanonen-Schüsse. Sonst hat hier und da auch die Maultrommel Solo.
27)     Einige Formen, Petrefacta zu machen. Das Rezept zur Masse ist dabei. Auch ein Vorrat von Pectiniten, Terebratuliten, Ammonshörnern u.s.f., auch ganz neu erfundenen Muscheln, die damit verfertigt worden; sie lassen alle völlig antik.
28)     Das seltenste Stück, nicht allein in dieser Sammlung, sondern vielleicht in der ganzen Welt, nämlich ein Stück echten Granits, worin ein metallenes Aleph so fest steckt, daß es durch Menschenhände unmöglich hinein gekommen sein, ja, ohne das Ganze zu zertrümmern, auch nicht dadurch heraus gezogen werden kann. Alle, die es sehen, bekennen einstimmig, daß es zum Bücherdruck gedient habe. Der Selige hat es von einem vornehmen Herrn, der seine Länder auf dem Berge Libanon hat, für eine große Summe gekauft.
29)     Eine prächtige Staats—Karosse mit vieler Vergoldung. Hoch über dem Kutschersitze ist ein prächtiger Spiegel angebracht, der gegen die Ebne, worauf die Kutsche steht oder geht, unter einem Winkel von 450 nach der Kutsche zu geneigt ist. Hinten über der Kutsche korrespondiert ihm ein ähnlich liegender, aber entgegengesetzter. Durch dieses prachtvolle Polemoskop wird der Kutscher in den Stand gesetzt, auf dem Bocke sogleich zu sehen, ob sich jemand hinten aufgesetzt hat. Ist dieses der Fall, so stampft er nur mit dem Fuß auf eine Feder, und der Passagier bekömmt sogleich einen derben Stoß gegen das Sitzfleisch, so daß er nicht leicht wieder kömmt.
30)     Ein Gespann Pferde, denen der Verstorbene das Makulaturfressen beigebracht hat. Ein Artikel für Buchhändler und Verleger.

*       Der Übersetzer hat es nicht wagen wollen, die Namen dieser berühmtesten Schulen Englands mit deutschen.zu vertauschen, so leicht es auch sonst gewesen wäre. - (licht)

Archiv (3)

Wahr ist's, noch andre Reise muß geschehen,
Und ganz verlassen mußt du diese Welt.
Du sollst mit mir zum Mond hinübergehen,
Der von Planeten uns zunächst sich hält;
Denn dort nur ist die Arzenei zu sehen,
Die Rolands Geister wiederum erhellt.
Wenn in der nächsten Nacht der Mond uns über
Dem Haupte steht, so reisen wir hinüber.«

So über dies, wie andres mehr, verbreitet
Der Jünger sich am Tage gegen ihn.
Doch als ins Meer hinab die Sonne gleitet
Und oben nun des Mondes Horn erschien,
Ward alsobald ein Wagen zubereitet,
Den man gebraucht, die Himmel zu durchztehn,
Der in Judäas Bergen, wie wir wissen,
Elias einst dem ird'schen Blick entrissen.

Vier Rosse, die der Flammen Rot besiegen,
Spannt an die Deichsel nun der heil'ge Mann,
Und als er mit Astolfen eingestiegen,
Nimmt er den Zaum und treibt sie himmelan.
Der Wagen eilt, die Lüfte zu durchfliegen,
Und langt gar bald im ew'gen Feuer an;
Wobei jedoch, solang' er es durchrannte,
Der Greis das Wunder tat, daß es nicht brannte.

Dem Feuerkreis entronnen, führt zum Reiche
Des Mondes sie nunmehr ihr kühner Pfad.
Sie sehn, daß dieser fast dem Stahle gleiche,
Der, gut geglättet, keinen Flecken hat,
Und daß er unsre Kugel wohl erreiche
An Größ' und Umfang, oder bald ihr naht;
Die Erdenkugel, sag' ich, samt dem Meere,
Das rings umgibt und einengt ihre Sphäre.

Zweifach erstaunt den Herzog, zu erfahren,
Daß dieses Land so groß ist nahebei,
Das, angeschaut von Erdbewohnerscharen,
Aussieht, als ob's ein kleiner Teller sei;
Und daß er, um die Erde zu gewahren
Mitsamt dem Meer, die Augen alle zwei
Sehr schärfen muß; denn leer an eignem Lichte,
Erhebt ihr Bild sich wenig zum Gesichte.

Ganz anders als auf unserm Erdenkreise
Sind oben dort die Felder, Flüsse, Seen;
Die Ebnen, Täler, Höh'n von andrer Weise,
Mit Städten und mit Schlössern wohl versehn,
Mit Häusern, die Astolf auf keiner Reise,
Vorher noch nachher, je so groß gesehn.
Auch weite Wälder gibt's im Mondgefilde,
Wo stets die Nymphen jagen nach dem Wilde.

Der Herzog will nicht alles dies erkunden,
Denn nicht deswegen kam er ja hieher;
Und in ein Tal, von Bergen rings umwunden,
Geleitet der Apostel ihn nunmehr,
Wo wunderbarlich alles wird gefunden,
Was man verliert, es sei durch Ungefähr,
Durch Zeit, durch Schicksal, durch Versehn: dort oben
Wird, was man hier verloren, aufgehoben.

Nicht Reiche nur und Schätze, will ich sagen,
Die oft das unbeständ'ge Rad versehrt;
Auch jenes alles wird dorthin getragen,
Was uns das Glück nicht nimmt und nicht gewährt.
Dort oben ist viel Ruhm, den mit dem Nagen
Des Holzwurms hier die läng're Zeit verzehrt,
Gelübde sind alldort, Gebet' ohn' Ende,
Die von uns Sündern gehn in Gottes Hände.

Dort finden sich der Liebe Seufzer, Tränen,
Die leere Zeit, die man beim Spiel verbringt,
Die Muße, die Unwissende vergähnen,
Die eiteln Pläne, die man nie vollbringt.
In solcher Meng' ist das vergebne Sehnen,
Daß es des Raumes größten Teil verschlingt.
Was du verloren hier, mit einem Worte,
Das alles findest du an jenem Orte.

Der Ritter fragt, indem er manche Gänge
Durch diese Haufen macht, gar vielerlei.
Geschwollner Blasen sieht er eine Menge,
Und drinnen schallt's wie Aufruhr und Geschrei.
Er hört, daß dies das alte Staatsgepränge
Der Lydier, Perser und Assyrer sei,
Der Griechen auch, so hochberühmt vor Jahren,
Und deren Namen wir noch kaum bewahren.

Nicht weit davon sind Gold- und Silber-Angeln
In großer Zahl; und dies sind insgemein
Geschenke, die, um Gnaden zu erangeln,
Man Königen, Fürsten, Gönnern pflegt zu weihn.
Auch Schlingen gibt's, die nicht der Blumen mangeln
Zur Hüll' und Zier; dies sind die Schmeichelei'n.
Auch sieht man in Gestalt geplatzter Heimchen
Die manchen Herrn gesungnen Ehrenreimchen.

Goldketten, steingeschmückte Fesseln deuten
Liebschaften an, die schlecht zu Ende gehn.
Die Adlerklau'n sind Macht, die ihren Leuten
Oft unvorsicht'ge Fürsten zugestehn.
Die Blasebälge mit gespannten Häuten
Sind Fürstenrauch und Gunst, die leicht verwehn,
Den Ganymeden erst erzeigte Güte,
Die bald entweicht mit ihrer Jahre Blüte.

Von Stadt und Schloß sind Trümmer hier zu schauen,
Die man mit großen Schätzen zugedeckt;
Traktate sind's, erfährt er im Vertrauen,
Und die Verschwörung, die sich schlecht versteckt.
Auch Schlangen gibt's mit dem Gesicht von Frauen:
Das Werk, das Dieb' und Münzer ausgeheckt;
Zerbrochne Flaschen auch von mehrern Sorten:
So zeigt elender Höfe Dienst sich dorten.

Auch Suppen sieht er stehn in großen Tassen,
Und fragt den Lehrer, was denn diese sei'n.
Almosen sind's, die einer hinterlassen,
Um nach dem Tod der Armut sie zu weihn.
Er geht vorbei an großen Blumenmassen,
Wohlriechend einst, jetzt stinkend ungemein:
Und das Geschenk war dieses (darf maris sagen),
Das Konstantin Sylvestern übertragen. 

Leimruten sieht er dort in großer Menge,
Und dies ist euer Reiz, ihr schönen Frau'n.
Zu lange währt's, wenn ich das alles sänge,
Was man dem Herzog wies in jenen Au'n.
Ich glaube nicht, daß ich das End' erzwänge,
Denn was hier vorkommt, das ist dort zu schau'n.
Nur Torheit gab's nicht viel noch wenig oben:
Denn die bleibt hier, wird nie vom Fleck gehoben.

Auf ein'ge Werk' und Tage von den seinen
Stößt nun Astolf, die er verloren hat.
Er kennt sie nicht, so wie sie hier erscheinen,
Wenn kein Erklärer jetzt ins Mittel trat.
Nun kommt, was alle so zu haben meinen,
Daß keiner je den Höchsten darum bat:
Das heißt, Verstand; und dessen Haufen machen
Allein mehr aus als all die andern Sachen.

Als feiner Liquor war er hier zu sehen,
Der, nicht sehr fest verschlossen, leicht verraucht.
Man sah in Flaschen aller Art ihn stehen,
Groß, oder klein, wie man sie nun gebraucht.
Die ließ sich als die größte leicht erspähen,
Die den Verstand des Grafen eingebaucht.
Man kannte sie aus allen, die hier blieben:
»Rolands Verstand« war draußen angeschrieben;

Wie auf den andern auch Inschriften standen,
Wodurch man, wes Verstand es sei, erfährt.
Auch von Astolfs Verstand war viel vorhanden;
Doch schien ihm dies weit größern Staunens wert,
Daß Namen von so vielen hier sich fanden,
Die, glaubt' er, niemals einen Gran entbehrt.
 Und nun entdeckt sich's, daß sie wenig haben,
Denn er befand sich hier in großen Gaben.

Der kam durch Liebe drum, und der durch Ehre;
Durch Hoffnung der, die er auf Fürsten setzt;
Der, da er Reichtum sucht' auf falschem Meere;
Der, durch Gemäld' und Edelstein' ergetzt;
Und dieser durch der Zauberkunst Chimäre,
Und der durch andres, was er höher schätzt.
Auch den Sophisten und den Astrologen,
Den Dichtern auch, war viel davon entzogen.

Der Herzog nahm, da dies ihm zugegeben
Von dem Apostel ward, sein Fläschchen fort.
Bloß an die Nase braucht' er es zu heben,
So zog denn der Verstand an seinen Ort.
Daß er gar lange Zeit ein weises Leben
Seitdem geführt, gibt uns Turpin sein Wort;
Bis ihn hernach ein Fehler, den er machte,
Um sein Gehirn zum zweiten Male brachte.

Die größte Flasche nahm er aus dem Kreise,
Mit dem Verstand des Ritters von Anglant.
Ihm schien, daß jetzt sie minder leicht sich weise,
Als er gedacht, da sie bei andern stand.
Eh nun der Paladin begann die Reise
Aus dieser Lichtsphär' in das untre Land,
Ward er vom Jünger in ein Schloß geleitet,
An dessen Seit' ein Fluß vorübergleitet.

Von Flocken voll sind dieses Schlosses Hallen;
Baumwolle, Wolle, Seid' und Flachs sind hier,
Buntfarbig, schön und häßlich, wie's gefallen.
Ein greises Weib im vordersten Revier
Weift emsiglich aus diesen Flocken allen
Die Fäden aus; so sehn im Sommer wir
Die Fäden ziehn aus dem benetzten Kleide
Des Seidenwurms, beim Sammeln neuer Seide.

Man bringt hernach hinweg die vollen Weifen
Und neue her, so daß es nie gebricht.
Ein andres Weib trennt von den garst'gen Streifen
Die schönen ab, denn jene scheidet nicht.
»Welch Werk ist dies? Ich kann es nicht begreifen«;
So sagt Astolf, und der Apostel spricht:
»Die Alten sind die Parzen, die das Leben
Euch Sterblichen aus solchen Fäden weben.«

- (rol)

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