bweisung  Wenn ich einem schönen Mädchen begegne und sie bitte: »Sei so gut, komm mit mir« und sie stumm vorübergeht, so meint sie damit:
»Du bist kein Herzog mit fliegendem Namen, kein breiter Amerikaner mit indianischem Wuchs, mit wagrecht ruhenden Augen, mit einer von der Luft der Rasenplätze und der sie durchströmenden Flüsse massierten Haut. Du hast keine Reisen gemacht zu den großen Seen und auf ihnen, die ich weiß nicht wo finden finden sind. Also ich bitte, warum soll ich, ein schönes Mädchen, mit Dir gehn?«

»Du vergißt, Dich trägt kein Automobil in langen Stößen schaukelnd durch die Gasse; ich sehe nicht die in ihre Kleider gepreßten Herren Deines Gefolges, die Segensprüche für Dich murmelnd in genauem Halbkreis hinter Dir gehn; Deine Brüste sind im Mieder gut geördnet, aber Deine Schenkel und Hüften entschädigen sich für jene Enthaltsamkeit; Du trägst ein Taffetkleid mit plissierten Falten, wie es im vorigen Herbste uns  durchaus allen Freude machte, und doch lächelst Du — diese Lebensgefahr auf dem Leibe — bisweilen.«

»Ja, wir haben beide recht und, um uns dessen nicht unwiderleglich bewußt zu werden, wollen wir, nicht wahr, lieber jeder allein nach Hause gehn.« - Franz Kafka

Abweisung (2)  "Verdammter Hund! Welcher Wolf hat dich erzeugt oder welcher Bärin Brüste hast du gesogen, daß du so unempfindlich gegen meine heftige Liebe gewesen bist? Doch nein, du mußt nicht einmal von den wilden Tieren herstammen, denn diese lassen sich öfters noch leichter bewegen, die Menschen zu lieben; sondern die höllischen Furien, Feinde des menschlichen Geschlechts, müssen dich geboren, erzogen und in die Welt geschickt haben. Elender Sklave! Du hast meine Gewogenheit und übermäßige Liebe verschmäht, deren du nimmermehr würdig bist, ja, du hast eine Dame verächtlich traktiert, vor welcher noch fast täglich einer, der zehnmal besser ist als du, sich zur Erden wirft und nur um einen günstigen Blick bittet. Vermaledeiter Molch! Vergifteter Basilisk, du hast mich niemals sehen und dennoch töten wollen, jetzt tue deine schändlichen Augen auf und betrachte mein Gesicht, ob, ungeachtet ich jetzt voller Zorn und Grimm bin, ein einziger Zug darin zu finden, der wider das Muster der Schönheit ist. Beschaue, du Nichtswürdiger, meinen ganzen Leib und erwäge, ob es der Natur wohl möglich sei, ein zärtlicher und zierlicher Frauenzimmer zu bilden?"

Unter diesen Worten hatte sie das Licht vor sich niedergesetzt, den Schlafrock aufgeschlagen und ihren bloßen Leib, der auch nicht einmal von einem Hemd bedeckt gewesen, hergewiesen. "Sage an", redet sie ferner, "wo siehst du einen Flecken, der dir einen Ekel erwecken, im Gegenteil nicht das allerunempfindlichste Herz zur Gegenliebe reizen könnte? Siehst du allhier nicht den kurzen Begriff aller Annehmlichkeiten?

Urteile demnach, ob sich derjenige nicht glücklich zu schätzen hat, dem ich dieses alles aus Liebe freiwillig in die Arme liefern wollte. Dir war es bestimmt, du schändliches Krokodil! Nunmehr aber hast anstatt des Genusses aller Delikatessen und meiner brünstigen Liebe nebst reichlicher Belohnung nichts anderes als die grausamste Marter und den allerschmählichsten Tod zu hoffen. Du hast mich entblößt gesehen, aber zu deinem Verderben, und sterben mußt du nunmehr gewiß, damit niemand auf der Welt leben möge, der sich rühmen könne, er habe die von C.* nackend gesehen.

Ich habe mir vorgenommen, dich in diesem Gewölbe verhungern und erfrieren zu lassen, jedoch, wenn du mir die Wahrheit bekennst, warum du einen solchen besonderen Ekel gegen meine Person bezeigt, kannst du vielleicht noch mit einer gelinderten Todesstrafe begnadigt werden."

Der armselige Fähnrich hätte hierauf antworten sollen, es war ihm aber unmöglich gewesen zu reden, weil seine Diebe ihm ein solches Instrument in den Mund gesteckt, welches ihm den Gebrauch der Zunge und Lippen verhindert.

Die erzürnte Dame vermeint, er wolle ihr aus Trotz nicht antworten, tritt ihm deswegen mit dem Fuß in die Seite, knirscht mit den Zähnen und sagt:

"Höllischer Drache! Bist du noch verstockt und willst mir nicht einmal antworten? Warte! Ich will dir noch in dieser Nacht mehrere Wirkungen meines Zornes empfinden lassen." - J. G. Schnabel,  Der im Irr=Garten der Liebe herum taumelnde Cavalier (zuerst 1746)

Abweisung (3)   Allzu auffällig die Art, wie er den Parkweg entlangging - immer aufs neue stehenbleibend und wie nach jemandem Ausschau haltend, dann wieder anfallartig ein paar Schritte vorwartspreschend, um erneut in Reglosigkeit zu verharren. Unversehens nun richtete dieses derangierte Subjekt den Blick auf die Damen - und als wäre im selben Moment ein Entschluß gefallen, kam es mit ausholenden Schritten auf sie zu. Vor der Bank blieb das Subjekt stehen und rief, dem Fräulein zugewandt, in närrischem Falsett: »Verehrteste! Hat Ihnen schon jemand gesagt, daß Ihre Schönheit unerträglich ist?«

Das Fräulein, in der Tat ein bezaubernd schönes Wesen, starrte den Frechling an, der schmale, erdbeerrote Mund stand ihr vor Schreck ein wenig offen. Selbst ihre reifere Begleiterin war verdutzt ob dieser unerhörten Taktlosigkeit.

»Ein Blick hat genügt, ich bin wie vom Blitz getroffen!« fistelte der fremde junge Mann, der durchaus nicht unansehnlich war: das Haar an den Seiten modisch gestutzt, blasse, hohe Stirn, braune Augen, blitzend vor Erregung, »Erlauben Sie, daß ich auf Ihr unschuldiges Haupt einen noch unschuldigeren Kuß pflanze, einen Bruderkuß nur!«

»Mein Herr, Sie sind ja völlig betrunken!« protestierte die Dame mit dem Strickzeug, deren deutscher Akzent hiermit zum Vorschein kam.

»Betrunken vor Liebe, nichts sonst!« versicherte der Frechling und fuhr mit derselben unnatürlichen, irgendwie blökenden Stimme das Fraulein zu bedrangen fort: »Nur einen einzigen Kuß - sonst lege ich auf der Stelle Hand an mich!«

Das Fraulein saß da, steif gegen die Banklehne gepreßt, und drehte das Lärvchen der Beschützerin zu, die wiederum, der heiklen Situation zum Trotz, Geistesgegenwart bewies.

»Machen Sie unverzüglich, daß Sie wegkommen! Sie sind übergeschnappt!« schrie sie und reckte ihr Strickzeug, aus dem die Nadeln martialisch hervorragten, gegen den Fremden. »Ich rufe den Parkwächter!«

Und nun geschah etwas gänzlich Unfaßbares.

»Aha! Man weist mich also ab!« heulte der junge Mann mit gespielter Verzweiflung, legte den Arm theatralisch vor die Augen und zog aus der Innentasche seines Rockes blitzschnell einen kleinen, schwarzglanzenden Revolver. »Wie kann es sich da noch zu leben lohnen? Ein Wort von Ihnen, und ich werde leben! Ein Wort von Ihnen, und ich falle tot um!« ging er das Fräulein flehend an, das, selbst mehr tot als lebendig, auf der Bank saß. »Sie schweigen? Dann leben Sie wohl!«

Natürlich erregte der mit der Waffe herumfuchtelnde Herr inzwischen Aufsehen. Mehrere Personen, die gerade in der Nähe waren - eine beleibte Dame mit Fächer in der Hand, ein gravitätischer Herr mit Annenkreuz um den Hals, zwei Pensionatsschulerinnen in gleichen braunen Kleidchen und Pelerinen -, standen wie angewurzelt, und selbst draußen vor dem Zaun, auf dem Trottoir, war ein Student aufmerksam geworden. Mit einem Wort, man durfte erwarten, daß der skandalösen Szene in kürzester Zeit ein Ende bereitet wurde.

Das Weitere geschah so schnell, daß niemand einzuschreiten vermochte.

»Nun denn!« brüllte der betrunkene (oder auch übergeschnappte) junge Mann, streckte die Hand mit dem Revolver merkwürdig hoch über den Kopf und ließ die Trommel kreisen, dann setzte er sich die Mundung an die Schlafe.

»Sie Clown! Sie Hanswurst!« zischte die tapfere Deutsche.

Das Gesicht des jungen Mannes, ohnehin blaß, wurde aschfahl bis grünlich, er biß sich auf die Unterlippe und kniff die Augen zusammen. Das Fräulein schloß sicherheitshalber die ihren.

Recht getan! Ein grauenhafter Anblick blieb ihr erspart. In dem Moment, da der Schuß fiel, wurde der Kopf des Selbstmörders jäh zur Seite gerissen, und aus dem Einschußloch knapp oberhalb des linken Ohrs spritzte eine dünne weißlich-rote Fontäne. - Boris Akunin, Fandorin. München 2006 (zuerst 1998)

Abweisung (4)     In einer Ecke auf einem Chaiselongue liebten sich zwei hübsche Mädchen mit großen Hintern, wobei sie kleine »Ah!« der Wollust ausstießen. Mony legte eilig seine Kleider ab, stürzte sich, den schön spannenden Schwanz in der Höh, auf die beiden Lesbierinnen, und versuchte sie zu trennen. Aber seine Hände glitten an den feuchten und glatten Körpern, die sich wie Schlangen wanden, ab. Dann, als er sah, daß sie vor Wollust schäumten, und wütend darüber, daß er sie nicht auseinanderbringen konnte, begann er, mit der flachen Hand auf den dicken weißen Po zu klatschen, der ihm am nächsten war. Da das die Besitzerin des prallen Hinterteils mächtig zu erregen schien, schlug er sie nun aus Leibeskräften, so daß der Schmerz der Wollust obsiegte und das hübsche Mädchen, dessen schönen weißen Podex er gerötet hatte, wütend sich erhob und ihn anschrie: »Dreckskerl, Päderastenfürst, laß uns in Ruhe, wir wollen deinen Prügel nicht. Gib deinen Honigsaft Mira und laß uns lieben, nicht wahr, Zulmé?«

»Ja, Toné«, hauchte die andere. - Guillaume Apollinaire, Die elftausend Ruten. München 1985 (zuerst 1907)

Mädchen Entscheidung
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